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Die Zahl der Gemeindemitglieder macht sich auch bei der Anzahl der Pfarrstellen bemerkbar. - © Pixabay
Die Zahl der Gemeindemitglieder macht sich auch bei der Anzahl der Pfarrstellen bemerkbar. | © Pixabay

Lübbecke 5.000 Kirchenmitglieder weniger: Pfarrstelle in Lübbecke fällt weg

Gemeindemitgliedern der evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Lübbecke diskutieren, wie die Zukunft aussehen soll.

Michael Grundmeier
21.06.2019 | Stand 20.06.2019, 13:23 Uhr

Lübbecke. Aus drei mach zwei – vor dieser Aufgabe steht aktuell die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Lübbecke. Denn Pfarrer Eckhard Struckmeier wird Ende des Jahres in Rente gehen, seine Stelle gestrichen. Bei einer Versammlung im Thomas-Gemeindehaus sind dazu auch kritische Stimmen zu hören. Wie die Arbeit verteilen, wenn einer wegfällt? Die Seelsorge, die Predigten – an alles muss gedacht werden. Presbyterium und Pfarrer wollen die Gemeinde ausdrücklich einbeziehen, Nachfragen sind erwünscht, andere Meinungen auch. Ohnehin soll an diesem Abend nichts entschieden werden, „wir wollen ihnen erst unsere Ideen vorstellen und sie diskutieren", macht Pfarrer Eberhard Helling deutlich. Pfarrerin Sabine Heinrich sprach von einem „Probelauf", nichts sei festgemauert. Vor 20 Jahren ist schon einmal eine Stelle weggefallen Sabine Heinrich ist es auch, die den Vorgang kurz zusammenfasst. Schon vor 20 Jahren habe sie etwas Ähnliches erlebt. Auch damals sei nach dem Weggang eines Pfarrers seine Stelle nicht wieder besetzt worden. Das Ergebnis: „Erst waren es vier in Lübbecke, dann drei, jetzt zwei". Für Heinrich ist das aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Neue Wege bedeuteten auch neue Chancen, gibt sie zu verstehen: „Da ist es gut zu wissen, auf wen wir unsere Zuversicht setzen". Der Gemeinde macht Heinrich ein großes Lob. So viele Mitglieder bei der Versammlung sei ein gutes Zeichen: „Uns war wichtig die Stimmung aufzunehmen und sie mitzunehmen." Pfarrer Helling fasst das Problem in deutlichere Worte. In den letzten drei Jahrzehnten sei die Gemeinde stark geschrumpft, um rund 5.000 Mitglieder: „Dass wir keine drei Stellen wiederkriegen, liegt auch an diesen Zahlen." Gründe für den schleichenden Verlust sieht der Pfarrer im demografischen Wandel, aber auch in Abwanderung und Austritten. Eine Kooperation mit Blasheim ist geplant Um sich zukunftsfest zu machen, müsse sich die Gemeinde verständigen, „wie wir den pastoralen Dienst aufteilen wollen". Helling meint damit auch einen Wechsel von Stellenanteilen zwischen Lübbecke und Blasheim. Nur so könne Blasheim eine 100-Prozent-Stelle ausschreiben, gibt Helling zu verstehen. Statt lange „herumzueiern ob zwei oder drei" solle man über die Zukunft nachdenken und wie man sich aufstellen will: „Das ist auch der Grund, warum wir nicht für eine personelle Neubesetzung kämpfen." Eine ähnliche Position vertritt Sabine Heinrich, die darauf hinweist, dass es eine Kooperation mit Blasheim geben soll. Eine Verbundpfarrsstelle sei das aber nicht. Aktuell werde überlegt, wie der knapp 25-prozentige Stellenanteil für Lübbecke aussehen könnte. Zwei Varianten für neue Bezirksgrenzen Erste Überlegungen gibt es auch zu Bezirksgrenzen. Auch hier gilt: aus drei (Andreas, Matthäus, Thomas) mach zwei. Die beiden aktuell diskutierten Varianten: Die Bezirke werden nach Zahlen aufgeteilt, bleiben aber im Großen und Ganzen bestehen. Die Seelsorgebezirke werden gar nicht angetastet, „weil Seelsorge auch Beziehungsarbeit ist". Die B56 trennt einen neuen Bezirk Nordwest und einen neuen Bezirk Südost. Der Innenstadtbezirk müsste neu aufgeteilt werden. Laut Helling neigt das Presbyterium dem ersten Vorschlag zu, entschieden sei aber noch nichts. Erster Probelauf für die neuen Gottesdienstzeiten Mehr Gesprächsbedarf gibt es zur Terminplanung der Gottesdienste, die sich nach den Sommerferien ändern soll. Der Gottesdienst im Thomas-Gemeindehaus findet am Samstag um 17.30 Uhr statt, der in der Andreaskirche am Sonntag um 10.30 Uhr. In beiden Predigtstätten sollen an jedem Wochenende verlässlich Gottesdienste gefeiert werden. Es soll eine räumliche, zeitliche und inhaltliche Kontinuität geben. Außerdem soll ein Pfarrer beide Gottesdienste an einem Wochenende übernehmen können. Darüber hinaus gibt Pfarrerin Heinrich bekannt, dass an hohen Festtagen im Thomas-Gemeindehaus wie in der Andreaskirche Gottesdienste gefeiert werden sollen. Ein erster Probelauf mit den neuen Zeiten soll nach den Sommerferien starten. Bis dahin beginnt der Gottesdienst um 10 Uhr. „Wir wollen erste Erfahrungen sammeln und sehen, wie das in der Gemeinde ankommt", so Heinrich. Geteiltes Echo nach der Versammlung Nach der Versammlung gibt ein geteiltes Echo. Während einige die Änderungen spontan begrüßen („Finde ich richtig gut."), sind andere weniger begeistert („Ich muss am Nachmittag arbeiten und kann deshalb nicht später."). Insgesamt aber überwiegen die positiven Reaktionen. Ein Teilnehmer begründet das so: „Wenn es uns ernst ist, junge Menschen erreichen zu wollen, müssen wir auch ernst nehmen, dass sich ihre Lebensgewohnheiten geändert haben." Ein anderes Gemeindemitglied wünscht sich, „dass wir den Mut zur Veränderung haben und den Weg mitgehen".

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