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Die Lindenallee mit Brunnengalerie auf dem städtischen Lübbecker Friedhof - © Jörg Seyffarth
Die Lindenallee mit Brunnengalerie auf dem städtischen Lübbecker Friedhof | © Jörg Seyffarth

Lübbecke Lübbecker Friedhofssatzung verbietet Kinderarbeit

Frank Hartmann
13.06.2019 | Stand 12.06.2019, 19:36 Uhr

Lübbecke. Als „Friederike" Anfang vergangenen Jahres durch das Lübbecker Land fegte, hinterließ das Sturmtief auch auf dem städtischen Friedhof erhebliche Schäden. Da die Aufräumarbeiten sich als umfangreicher erwiesen als zunächst gedacht, musste das Gelände bis auf weiteres für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Üblicherweise wird die parkähnliche Anlage mit ihrer 180-jährigen Geschichte und ihrem Schmuckstück, der 1896 gestalteten Lindenallee, die sich als Brunnengalerie mit altem Baumbestand von Nord nach Süd erstreckt, als Ort der Ruhe und Besinnung, für Spaziergänge und Führungen genutzt. Und natürlich für Bestattungen. Art, Umfang und Zeitraum der Nutzung und Gestaltung des Friedhofes und dessen Einrichtungen sowie vieles mehr regelt die städtische Friedhofssatzung. Die aktuelle Satzung für den Friedhof der Stadt Lübbecke stammt aus dem Jahr 1999, wurde 2003 angepasst und zuletzt im Mai dieses Jahres durch den Stadtrat in einer erneut aktualisierten Fassung verabschiedet. Auch Besonderheiten des Lübbecker Friedhofes wie das muslimische Gräberfeld, der Baumbestand und die Gruftanlagen sind erfasst. Eigene Fläche war für Muslime ein „sehr wichtiges" Anliegen Paragraf 19 etwa befasst sich mit muslimischen Grabstätten. „Die Beisetzung von Muslimen war stets möglich, aber bislang nicht in der Satzung geregelt. Diese Lücke ist jetzt mit der Neufassung geschlossen worden. Änderungen ergeben sich daraus nicht", teilt Stadt-Sprecher Andreas Püfke auf NW-Anfrage mit. Rückblick: Mit einer sehr persönlichen Schilderung und Rückendeckung der evangelischen Kirche war es dem befreundeten Sprecher des türkisch-islamischen Vereins Lübbecke, Eyuep Odabasi, im Mai 2012 gelungen, Verwaltung und Bauausschuss für ein „sehr wichtiges" Anliegen der etwa 1.000 Muslime in Lübbecke zu gewinnen: Ein separat gelegenes Stück des städtischen Friedhofs für islamische Bestattungen auszuweisen. Ein „Bestattungsanspruch" auf dem städtischen Friedhof hatte aber auch vorher schon bestanden. Natursteine dürfen nicht von Kindern hergestellt werden Der Berufsschulpfarrer a. D. und Vorstandsmitglied des „Arbeitskreis Islam", Eberhard Kleina, sah daraufhin „Konflikte vorprogrammiert". Die sind bis heute ausgeblieben. Allerdings musste sich Odabasi mit anonymen, fremdenfeindlichen Kommentaren auf einschlägigen Internetseiten wegen der Friedhofsangelegenheit auseinandersetzen. Für muslimische Grabstätten galt und ist jetzt durch die aktualisierte Satzung festgeschrieben: „Es handelt sich um Wahlgrabstätten, deren Nutzungszeit für die Dauer von 40 Jahren verliehen wird. Die Bestattung kann ohne Sarg in einem Leinentuch erfolgen. Die Ausrichtung des Grabes erfolgt in Richtung Mekka." Sehr ausführlich widmet die Satzung sich auch der Verwendung von Natursteinen. Paragraf 29 verlangt, dass bei der Verwendung von Naturstein nachgewiesen werden muss, dass der Stein nicht durch Kinderarbeit hergestellt wurde. Vorschriften gelten auch für Steine in der Fußgängerzone Dazu Püfke: „Der Steinmetz fügt dem Antrag auf Errichtung eines Grabmals eine entsprechende Konformitätsbescheinigung bei. Maßgebliches Kriterium ist die Ratifizierung des multilateralen Übereinkommens über das ’Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit’ von 1999." Um die Zertifizierung muss sich Püfke zufolge der Importeur der Steine kümmern. Auf Nachfrage der NW, ob die Friedhofsvorschriften auch für die in der Langen Straße und in ihren Seitenstraßen verlegten Pflastersteine gilt, antwortet die Stadt, man habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Püfke: „Wir haben entsprechende Bescheinigungen verlangt und erhalten." Baumbestand steht unter besonderem Schutz Dem Baumschutz ist in der Friedhofssatzung ein eigener Paragraf gewidmet, in dem es unter anderem heißt: „Der Baumbestand auf dem Friedhof steht unter besonderem Schutz. Bäume in diesem Sinne sind auch strauchartig wachsende größere Gehölze." Die Herrichtung, Unterhaltung und Veränderung der gärtnerischen Anlagen außerhalb der Grabstätten obliege ausschließlich der Friedhofsverwaltung. Bäume in diesen Anlagen dürften nur von ihr gepflanzt, beschnitten und gegebenenfalls entfernt werden. Für die Bestattung in Gruftanlagen auf dem städtischen Friedhof gilt: Es sind nur Metallsärge oder Holzsärge mit Metalleinsatz zugelassen, die luftdicht verschlossen sind. Außerdem sollten Wahlgrabstätten „grundsätzlich nicht zu Gruftanlagen ausgemauert werden".

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