Familie Tiemann hat Glück: Für eine kurze Zeit kommt am Samstagnachmittag sogar die Sonne raus. Ganz rechts knabbert Emilia an ihrem Teutoburger. Fotos: Michael Grundmeier
Familie Tiemann hat Glück: Für eine kurze Zeit kommt am Samstagnachmittag sogar die Sonne raus. Ganz rechts knabbert Emilia an ihrem Teutoburger. Fotos: Michael Grundmeier

Lübbecke Die Kombination aus Shoppen und Schlemmen kommt an

Die Veranstaltung "Lübbecke tischt auf" lockte trotz kalter Witterung viele Besucher in die Innenstadt. Marktplatz verwandelte sich in eine Streetfood-Plaza

Michael Grundmeier
15.04.2019 | Stand 15.04.2019, 19:40 Uhr |

Lübbecke. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem "Lübbecke tischt auf" richtig groß herauskommen sollte, macht das Wetter den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Kurz vor Auftakt am Samstag ist es nass, auf den Tischen liegt Schnee. So viel Pech muss man erst einmal haben. Kurz vor 17 Uhr, dem offiziellen Veranstaltungsbeginn, zieht ein Schneeschauer über Lübbecke hinweg. Auf den Tischen liegt eine weiße Decke, die erst einmal weggekratzt werden muss. "Das fängt ja gut an", meint Mark Busche, der an einem der Stände Burger brät. Den ganzen Tag habe er auf die Wetter-App geschaut, gebangt, gehofft - und dann das. "Hoffentlich wird es morgen wenigstens etwas besser", sagt der Mann aus Berlin. Das sei ohnehin der Tag, an dem die Menschen Zeit hätten, sich auf dem "Streetfood-Festival" umzusehen. "Das wird schon", verbreitet der Berliner Zweckoptimismus. Dann fängt es erneut an zu nieseln. Ohnehin scheint das wechselhafte Wetter niemanden wirklich abzuschrecken - Lübbecker sind ja bekanntlich äußerst wetterfest. Die einen bauen Schneemänner auf den Tischen, zwei Kinder liefern sich eine Schneeballschlacht und die meisten haben dicke Jacken an, die am Samstag das Innenstadtbild prägen. Denise Müller, Familie Maschke und die kleine Fritzi haben es sich an einem der Tische gemütlich gemacht. Dick eingemummelt knabbern sie an leckeren, handgemachten Pommes. "Die sind wirklich hervorragend", findet Jan Hendrik Maschke. Dass hier beste Zutaten verwendet würden, sei durchaus herauszuschmecken, ergänzt seine Frau. Der kleine Wintereinbruch scheint der Familie jedenfalls nicht viel auszumachen. "Wir haben uns dick eingepackt." Trotzdem sei es schade, dass die Veranstaltung kein besseres Wetter habe. "Es ist einfach eine tolle Idee, so etwas in Lübbecke zu machen. Für das kommende Jahr hofft der Pr. Oldendorfer, "dass das Festival auch wieder an zwei Tagen angeboten wird". "Man kann hier ganz viel ausprobieren" Einen Schneeballwurf entfernt sitzen Elisa und Maleen. Die beiden haben sich einen Burrito bestellt - mit schwarzen Bohnen, Limettenreis, Ziegenkäse und Hähnchen. Wie er schmeckt? Das muss man die beiden eigentlich gar nicht fragen. Ein Blick in ihre Gesichter reicht. "Der ist einfach lecker." Ob die beiden auch am Sonntag kommen werden? Wahrscheinlich schon, sagt Elisa. Sie will noch einen Burger probieren und die Spiral-Kartoffel. Ihr gefalle vor allem, "dass man hier so vieles ausprobieren kann. Ich könnte den ganzen Tag hierbleiben". Ähnlich sehen das auch Leon und Paul. Sie seien schon einmal auf einem "Streetfood-Festival" gewesen, mit den Eltern. Seine Eltern hätten sich dort Inspirationen geholt, "die kochen nämlich beide sehr gerne". Jetzt probiert Leon ein Curry-Gericht, das seinem Bekunden nach "superlecker" ist. Leon selbst nascht übrigens gerne aus fremden Kochtöpfen. "Am liebsten mag ich asiatisches Essen, richtig scharf muss es sein", sagt er. Ein bisschen in andere Kulturen hinein schnuppern will auch Familie Tiemann, die an einem der Tische sitzt. Man sei auf Initiative der Tochter gekommen, erklärt die Mutter. "Als sie davon erfahren hat, wollte sie unbedingt hierher kommen". Trotz des schlechten Wetters. Emilia ist mit ihrer Wahl zufrieden. "Ich finde es total spannend, zu sehen, was hier alles angeboten wird." Vom Wrap über Fleischspezialitäten bis hin zu afrikanischem Essen - an den 20 Ständen gibt es tatsächlich nichts, was es nicht gibt. "Ich finde es einfach super hier", sagt Emilia und beißt in ihren "Teutoburger" (mit Australien Beef) hinein. "Der ist so gut", meint sie. Allein dafür habe sich das Kommen gelohnt. Zum Ausklang noch ein leckeres westafrikanisches Dessert. Manuel Winter aus Bückeburg hat sich einen "Beignet" gekauft - eine Süßspeise aus dem Senegal. "Ich entdecke gerne das Essen anderer Kulturen", sagt er. Leider gebe es in der Region kaum afrikanische Restaurants. "Deshalb gucke er immer nach solchen Festivals". Apropos afrikanisches Essen: Das ist tatsächlich ausgesprochen lecker und wird am Stand frisch gekocht. "Eine Prise hiervon und eine Prise davon" "Wir machen fast alles hier vor Ort", sagt Assane Samb, der aus dem Senegal stammt. Inzwischen habe der Stand zahlreiche Stammkunden, "die immer schauen, wo wir gerade sind". Nach Europa ist Samb vor 35 Jahren gekommen - damals als Fußballspieler. Zum Schluss seiner Karriere spielte er in Aurich, heiratete eine Ostfriesin - und blieb. "Natürlich gab es auch Probleme, aber die Leute dort haben mich sehr herzlich aufgenommen", erzählt Samb. Ihm ist es wichtig, mit dem Essen auch eine bestimmte Kultur weiterzugeben, die von "Sene - Gambia": "Der Senegal und Gambia gehören kulturell zusammen, das sind alles die gleichen Leute mit den selben Vorfahren, die auch das gleiche Essen haben". Über das Essen möchte Samb aufklären. Die Europäer sollen mehr über Westafrika erfahren - "und das geht am besten über den Magen". Im Stand stehen Azou und Kaha Aicha, die das Essen frisch zubereiten. Hier gibt es das Nationalgericht Djollof Reis, das sich mit vielen Zutaten kombinieren lässt und es gibt Mafe, eine Art afrikanisches Curry, wie Azou erklärt. "Das wird von den Deutschen besonders gerne gegessen", sagt sie. Die Hauptzutat sieht Azou aber in den Gewürzen, die in die verschiedenen Gerichte hineinkommen. Eine Prise hiervon, eine davon. "Unser Essen lebt von den Gewürzen und davon, dass wir vor Ort kochen". Das Couscous ist mit echtem Safran, in den Djollof Reis gehören "ein bisschen Senf, Petersilie und die Spezial-Tomatensauce". Ein Essen mit allen Sinnen. Oder, wie es Assane Samb ausdrückt: "Wir haben Kunden, die nehmen eine weite Fahrt auf sich, um hier zu essen".  "Das war eine wirklich runde Sache" Aber nicht nur das Essen stand im Mittelpunkt von "Lübbecke tischt auf". Am verkaufsoffenen Sonntag lud die Innenstadt auch zum Shoppen ein. Die Gelegenheit nutzten viele Besucher, um sich für die bald wärmeren Tage mit Frühjahrsmode einzudecken und hier und da kleine Häppchen und Fingerfood zu probieren. Etwa bei Andreas Oelschläger, der seinen Kunden Nussecken und leckeren Apfelkuchen anbot. Rita Lange machte davon gerne Gebrauch. Mit der Veranstaltung selbst war Oelschläger mehr als zufrieden: "Das war eine wirklich runde Sache."

realisiert durch evolver group