Nächster Briefkastenstandort: An der Reineburgstraße 34 steht noch ein Briefkasten, von dem aus Jürgen Rohleder seine Post verschicken kann. Hierhin werden wohl nun auch andere Postkunden ausweichen müssen, die zuvor den Briefkasten am Heuweg nutzten. - © Foto: Andreas Gerth||
Nächster Briefkastenstandort: An der Reineburgstraße 34 steht noch ein Briefkasten, von dem aus Jürgen Rohleder seine Post verschicken kann. Hierhin werden wohl nun auch andere Postkunden ausweichen müssen, die zuvor den Briefkasten am Heuweg nutzten. | © Foto: Andreas Gerth||

Lübbecke Post reduziert Angebot an Briefkästen

Jürgen Rohleder möchte mit der Behandlung seines Anliegens in politischen Gremien sowie im Behindertenbeirat erreichen, dass am Lübbecker Heuweg wieder ein Briefkasten aufgestellt wird

Frank Hartmann
28.03.2019 | Stand 28.03.2019, 12:13 Uhr

Lübbecke. Jürgen Rohleder kann es nicht fassen. Obwohl die Menschen immer älter werden und manche ältere sowie gehbehinderte Einwohner Lübbeckes keine längeren Strecken mehr zu Fuß zurücklegen können, hat er den Eindruck, dass am Heuweg/Ecke B 65 "die Gelegenheit genutzt wurde, zukünftig in diesem Wohnbezirk keinen Briefkasten mehr aufzustellen". Damit will er sich nicht abfinden und hat Bürgermeister Frank Haberbosch am Donnerstag einen Brief geschickt. Den bittet Rohleder, als Bürgerantrag zu verstehen mit der Bitte, ihn in den politischen Gremien behandeln zu lassen: "Ferner bitte ich, den Antrag an den Behindertenbeirat zu senden." Rohleder vermutet nach Rücksprache mit der Deutschen Post AG, dass "Bürgerinteressen aus wirtschaftlichen Gründen vernachlässigt werden, damit die Aktionäre befriedet werden". Deshalb fordert er: "Die Stadt Lübbecke sollte alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass in dieser Wohngegend erneut ein Postbriefkasten aufgestellt wird." Rohleders Erinnerung reicht 40 Jahre zurück: "In dieser Zeit stand am Heuweg am oder auf dem Grundstück der Möbelfirma Höinghaus ein Postbriefkasten. Inzwischen wurde die Immobilie veräußert und abgerissen. Bisher wurden dort zwei Wohnhäuser gebaut. Ein weiteres Gebäude wird wohl demnächst errichtet. Der Briefkasten wurde zunächst im vergangenen Jahr einige Meter nach Norden versetzt, weil ein Gebäude abgerissen werden musste. Vor wenigen Tagen konnte ich dann feststellen, dass der Briefkasten gar nicht mehr da ist." Zunächst wurde der Briefkasten versetzt, dann war er ganz weg Die Überlegung, im Bereich des Heuwegs einen anderen Standort zu suchen, auch unter Einbeziehung der Stadtverwaltung, habe die Post wohl nicht angestellt. Und auch Alternativen nennt Rohleder in seinem Schreiben an die Stadtverwaltung, etwa die Heinestraße/Ecke Heuweg. Selbst im Bereich des Wendeplatzes der Hardenbergstraße gegenüber der Tankstelle könne die Post einen neuen Standort auf öffentlichem Grund finden, wenn sie "eine kundenfreundliche Entscheidung hätte treffen wollen". Sollen zukünftig die Bewohner zu Fuß zum Postamt gehen, um dort einen Brief einzustecken? Sollen sie nun für einen Briefeinwurf mit dem Auto zum Postamt fahren oder einen anderen Briefkastenstandort suchen müssen? Muss es sein, dass für diese Fahrten unnötigerweise ein Kraftfahrzeug genutzt wird? Was machen die Bewohner, die kein Auto haben oder nicht mehr fahren können? "Es muss im Interesse der Allgemeinheit sein, dass Bürger möglichst nicht ihre Kraftfahrzeugenutzen", argumentiert Rohleder. Laut Stadt-Sprecher Andreas Püfke wird Rohleders Anliegen als sogenannte Bürgeranregung behandelt. Zuständig sei demnach der Haupt- und Finanzausschuss, auf dessen Tagesordnung die Verwaltung sein Anliegen setzen werde. Der genaue Sitzungstermin sei noch zu klären, weil es der Wunsch von Rohleder ist, zuvor den Behindertenbeirat in der Sache anzuhören. "Dem kommen wir gern nach", so Püfke. Ob Rohleders Wunsch nach einem Ersatzbriefkasten erfüllt wird, erscheint fraglich. Der für Lübbecke zuständige Deutsche-Post-Sprecher Rainer Ernzer bestätigt, dass der Briefkasten am Heuweg "wegen Bauarbeiten entfernt" worden sei. Die online von der Post angebotene Briefkastensuche (¦ Info) zeigt ebenfalls, dass das Briefkastensymbol am Heuweg entfernt wurde. Anders als in Großstädten, wo die Post Briefkästen im Abstand von 300 bis 400 Metern installiert habe, seien es in ländlichen Gebieten 500 bis 600 Meter. "Damit unterschreiten wir die vorgegebenen 1.000 Meter - in ganz NRW", betont Ernzer. Müsse ein Briefkasten - 110.000 seien es bundesweit - abgebaut werden, werde dieser "in der Regel ersetzt, möglicherweise etwas versetzt", so der Post-Sprecher. Am Heuweg in Lübbecke werde allerdings "kein neuer Briefkasten aufgestellt", auch nicht einige Meter weiter, wie Rohleder vorschlägt. Begründung: "Es wird nicht mehr so viel geschrieben." Angesichts rückläufiger Briefzahlen - innerhalb eines Jahres sei die Zahl der täglich beförderten Briefe von 59 auf 57 Millionen gesunken - sehe man keine Notwendigkeit. Zudem gebe es "so viele Briefkästen um den Heuweg herum". Die von Jürgen Rohleder angesprochene Gruppen älterer und behinderter Menschen sieht Ernzer zwar auch: "Die haben jetzt ein Problem." Daran, dass der am Heuweg eingesparte Briefkasten nun in einem Neubaugebiet oder in einem neuen Industriegebiet Verwendung finden soll, ändert das aber nichts, denn: "Die Gesamtzahl der Briefkästen wird nicht erhöht", so Ernzer, Der schlägt statt dessen vor: "Wenn jemand den Zusteller antrifft, kann er ihm den Brief mitgeben."

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