Untersuchung: Thorge Sonn nimmt gemeinsam mit Torsten Lange Bodenproben von den Feldern. - © Teresa Kröger
Untersuchung: Thorge Sonn nimmt gemeinsam mit Torsten Lange Bodenproben von den Feldern. | © Teresa Kröger

Lübbecker Land Eine neue Form der Landwirtschaft

Agrarwirtschaft: Regenerative Landwirtschaft – eine Art der Bewirtschaftung der Felder, die darauf abzielt, auf umweltfreundliche Weise nährstoffreichere Lebensmittel zu produzieren

Teresa Kröger
11.12.2018 | Stand 11.12.2018, 14:12 Uhr

Lübbecker Land. Torsten Lange betreibt mit seiner Familie den Hof Lange, der 120 Hektar Agrarfläche umfasst und sich zusätzlich auf Ferkelaufzucht und -mast spezialisiert hat. Er hat sich dabei für einen alternativen Weg der Bewirtschaftung seiner Felder entschieden: die regenerative Landwirtschaft – um der Umwelt etwas Gutes zu tun, den Pflanzen und damit letztlich dem Verbraucher. „Würden wir weltweit so wirtschaften, dann hätten wir keine CO2-Probleme", betont der Torsten Lange aus voller Überzeugung. Er stellt den Ackerbau seines Betrieb gerade auf das nachhaltige Prinzip der regenerativen Landwirtschaft um. Einfach erklärt ist das die Optimierung des Bodens mit natürlichen Ressourcen, damit er sich selbst wieder versorgen kann. „Mit der regenerativen Landwirtschaft versuchen wir, den Boden optimal zu ernähren, denn der Boden ernährt die Pflanze, die Pflanze ernährt das Tier und das Tier letztlich den Menschen ", beschreibt Lange den Kreislauf über die Zusammenhänge der Landwirtschaft. Boden, Pflanze, Tier und Mensch – das gehört zusammen Für den Hof Lange bedeutet dies, dass die Betreiber umdenken mussten. Bei der herkömmlichen Methode wurde der Boden analysiert. Anhand der Analyse wurde ermittelt, was dem Boden an, für die Pflanzen wichtigen, Nährstoffen fehlt. Ähnlich wie beim Menschen, wenn der Arzt ein großes Blutbild erstellt und beispielsweise feststellt, dass die Eisenwerte zu niedrig sind. Dann verschreibt der Arzt Eisentabletten über einen längeren Zeitraum und fast genauso wird es mit dem Boden gemacht.Dem Boden werden dann, wie beim Menschen auch, die entsprechenden Nährstoffe zugefügt, die er braucht, um „gesund" zu werden und ein optimales Pflanzenwachstum zu ermöglichen. Bei der konventionellen Methode der VDLUFA-Bodenprobe (VDLUFA: Verband deutscher landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten) wird nur analysiert, was im Boden enthalten ist. Dabei wird nicht geprüft, was für die Pflanze tatsächlich verfügbar ist. Also: auf welche Nährstoffe sie zugreifen kann. Genau da setzt die 
regenerative Landwirtschaft an. Sie versucht, den Boden mit natürlichen Mitteln dahingehend zu optimieren, dass er nährstoffreicher wird und die Pflanzen sich dadurch als widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen und Pilzkrankheiten erweisen. Es soll quasi ein Kreislauf entstehen, bei dem der Boden sich selbst mit minimaler Hilfe heilt. Beim Hof Lange wurden 10 Prozent der Felder daraufhin getestet. „Bei uns haben wir festgestellt, das Magnesium, Schwefel, Kupfer, Bor und Zink – auch Spurenelemente genannt – fehlen. Für die Pflanzen bedeutet es, dass sie sich nicht gut entwickeln können und anfällig für Insekten sind." "Wir müssen etwas ändern" Die Umstellung ist für den Hof Lange zunächst mit erheblichen Investitionen verbunden, doch man hofft, dass sie sich letztlich wieder auszahlen. „Meiner Meinung nach müssen wir etwas ändern. Wir können jetzt reagieren und wenn es nicht klappt, können wir wieder zurückgreifen auf die konventionellen Bewirtschaftungsmethoden", sagt Lange. Neben der Anschaffung von neuen Geräten kam auch eine Umstellung der gewohnten alltäglichen Hofarbeit auf den Betrieb zu. Nach der Ernte wird eine Zwischenfrucht gesät, der Pflug ist nicht mehr im Einsatz, dafür wird aber gefräst. Mit der Fräse wird eine Flächenrotte durchgeführt, wie es im landwirtschaftlichen Fachjargon heißt. Dabei werden die obersten drei Zentimeter abgeschält und bilden eine Mischration aus den Pflanzenresten und Boden. Dann wird versucht, über effektive Mikroorganismen eine Flächenrotte herbeizuführen. Das bedeutet, dass die Pflanzenreste möglichst in zehn bis vierzehn Tagen zu fruchtbarem Ackerboden werden. Außerdem schaut man genauer hin, welche Pflanze welche Zwischenfrucht benötigt um optimal nach dem Prinzip der Fruchtwechselwirtschaft zu gedeihen. Alles beginnt im Kopf: Das Umdenken ist die größte Veränderung bei der Umstellung auf die regenerative Methode. Den Profit kann Lange derzeit noch nicht absehen. „Die anderen Betriebe haben davon profitiert; ob das für unserem Betrieb auch so funktioniert, wird sich zeigen. Ich denke, da wir auch in diesem trockenen Jahr gute Erträge hatten, dass wir einen guten Nutzen davon haben werden", sagt Lange. Die zum Teil geringeren Ernteausfälle könnten im Zusammenhang mit der in Ansätzen bereits erfolgten Umstellung stehen. Mit der regenerativen Methode der Landwirtschaft könne der Boden wesentlich mehr Wasser speichern. Das Wasserspeicherungsvermögen der Pflanzen und des Bodens werde erhöht. Somit wären die Pflanzen robuster gegenüber Trockenheit, wie es in diesem Sommer der Fall war.

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