Große Runde: Die ehrenamtlichen Helfer und die vielen Spender bescherten den Tafelkunden viele kleine und große Glücksmomente. Fotos: Michael Grundmeier||
Große Runde: Die ehrenamtlichen Helfer und die vielen Spender bescherten den Tafelkunden viele kleine und große Glücksmomente. Fotos: Michael Grundmeier||

Lübbecker Land So viel Hilfsbereitschaft wie noch nie: 800 Päckchen an Bedürftige verteilt

Neuer Rekord bei der Weihnachtskistenaktion der Lübbecker Land Tafel. Die Päckchen hatten die Spender sehr liebevoll gestaltet

Michael Grundmeier

Lübbecker Land. So viel Hilfsbereitschaft wie in diesem Jahr gabs noch nie. 800 Geschenkpäckchen konnte der Förderverein der Tafel Lübbecker Land an Bedürftige verteilen - das ist ein neuer Rekord. In der Stadthalle Lübbecke reiht sich an diesem Morgen Geschenk an Geschenk. 800 Päckchen haben die Spender zusammengestellt - teilweise ausgesprochen liebevoll, wie in kurzer Rundgang zeigt. In einem Karton liegen kleine Leckereien, exquisite Süßigkeiten, Bio-Lebensmittel und oft auch ein kleiner Gruß. "Das ist ein Anblick, der einem das Herz aufgehen lässt", findet Angelika Gerdom, die seit 13 Jahren dabei ist. Ein Zimmer weiter stehen die Geschenke, die speziell für Familien, sprich: für die Kinder, gedacht sind. Ein rosa Pony kuschelt sich an einen grauen Elefant, daneben zwei kleine Teddys und eine gelbe Giraffe. Melina (Name geändert) zieht an der Hand ihrer Mutter und deutet auf das Rüsseltier. "Den möchte ich haben", sagt sie leise. Die Mutter nickt und hebt das Monstrum aus einem Berg von Plüsch. Melina drückt das Tier fest an sich - sie habe sich schon die ganze Woche auf diesen Augenblick gefreut, bestätigt ihre Mutter. Für die Weihnachtskistenaktion ist die Alleinerziehende der Tafel Lübbecker Land sehr dankbar, wie sie sagt. Das Geld sei sehr knapp - mehr als das Nötigste nicht drin. "Meine Töchter bekommen das zu spüren. Sie können nicht alles haben, was ihre Klassenkameraden haben". Dabei arbeitet die Frau, putzt und trägt Zeitungen aus. Für ein auskömmliches Leben reicht es trotzdem nicht. "Man müsste besser von seiner Arbeit leben können", meint die Frau aus Lübbecke. Melina ist inzwischen völlig hinter dem Elefantentier verschwunden. Ganz fest drückt sie das Tier an sich - streichelt das graue Fell. Kleine Augenblicke des Glücks. Kleine Augenblicke des Glücks Hier im Foyer der Stadthalle werden die Bedürftigen jetzt nach und nach in den großen Saal geführt. Die meisten bleiben einen kurzen Augenblick stehen - sind wie erschlagen von der großen Hilfsbereitschaft. 800 Pakete in allen Formen und Farben. Lübbecker helfen gerne, weiß Jürgen Obernolte, der 1. Vorsitzende des Fördervereins der Tafel Lübbecker Land. Unter anderem war auch der FC Lübbecke unter den Spendern: Sven Lindenblatt, Marcel Holle und Gerd Fischer nahmen sich der guten Sache an und packten zusammen mit der FC-Jugend 15 Pakete für Kinder, die es nicht so gut haben wie die Kinder im Verein. "Dazu muss man ja auch noch die ganzen anderen Aktionen zählen, wie Weihnachten im Schuhkarton und ähnliches. In Lübbecke ist die Hilfsbereitschaft sehr groß", so Obernolte. 2010 habe man beispielsweise 500 Päckchen gehabt, heute seien es schon 800. "Das ist eine wirklich hohe Zahl". Im Gegensatz dazu steht die Zahl der Kunden, die aktuell eher rückläufig ist. Heute hat die Tafel zwischen 1400/1500 Kunden - 2015 waren es etwas mehr (1700), "das war zur Zeit des großen Migrantenzustroms". Damals seien Kunden weggeblieben, die bis heute nicht zurückgekommen seien, sie hätten sich "nicht mehr so wohl gefühlt", sagt Obernolte. Während die Zahl der Migranten inzwischen "überschaubar" sei, seien die alten Kunden noch nicht zurückgekommen: "Deshalb haben wir aktuell etwas weniger Kunden". Die Bedeutung von Beschäftigungsprojekten hob Jürgen Tiemann, Superintendent und 1. Vorsitzender des ArbeitsLebenZentrums Minden, hervor. Arbeit habe auch etwas mit Würde zu tun, sagte Tiemann. Die Weihnachtskistenaktion bezeichnete Tiemann als bestens organisiert. Die Ehrenamtlichen arbeiteten Hand in Hand und machten so "das Fest der Liebe konkret". Drei, die auch diesmal wieder mitgeholfen haben sind Magdalene König, Anneliese Koch-Schade und Angelika Gerdom. Warum sie seit vielen Jahren immer wieder mit dabei sind? "Weil es herzerwärmend ist, die ganzen lachenden Gesichter zu sehen", meint Gerdom. Koch-Schade sieht das ähnlich: "Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die Menschen sich freuen".

realisiert durch evolver group