Viele Menschen finden in ihrer Trauer um einen geliebten Menschen Kraft und Trost in der Natur. Ein Baum vermittelt Geborgenheit. - © Tree of Life
Viele Menschen finden in ihrer Trauer um einen geliebten Menschen Kraft und Trost in der Natur. Ein Baum vermittelt Geborgenheit. | © Tree of Life

Lübbecke Bestattung in Lübbecke im eigenen Garten möglich

Bestattungskultur im Wandel: Verstorbene können auch zuhause ihre letzte Ruhe finden

Kirsten Tirre

Lübbecke. Einen Ort zum Trauern zu haben, spendet Trost. Doch die Wahl des Ortes steht den Hinterbliebenen nicht frei. Denn generell muss hierzulande auf Friedhöfen oder einem eigens dafür ausgewiesenen, allgemein zugänglichen Ruhewald, wie es ihn beispielsweise in Pr. Oldendorf gibt, bestattet werden. Seit März bietet das Bestattungshaus Homburg-Mansfeld zusammen mit dem Unternehmen "Tree of Life" die Möglichkeit an, den eigenen Garten als Ort für die Asche der Verstorbenen zu wählen. "Wir sind als einziges Bestattungsunternehmen im Kreis Minden-Lübbecke und im Kreis Herford dafür zertifiziert", sagt Anja Breder, die das Bestattungshaus gemeinsam mit ihrem Ehemann Achim Mansfeld führt. 2005 machte sich das Ehepaar mit einem Bestattungsunternehmen in Lübbecke selbstständig, 2016 übernahmen Anja Breder und Achim Mansfeld zudem das in Bünde ansässige private Trauerhaus "Homburg". Angeboten werden Erd- und Feuerbestattungen, Seebestattungen und auch Luftbestattungen außerhalb Deutschlands. Anja Breder ist ausgebildete Trauerrednerin und die Wünsche der Hinterbliebenen haben für sie oberste Priorität. Besattungskultur ist in einem starken Wandel Die Bestattungskultur ist in einem starken Wandel begriffen, so ihre Erfahrung. 80 Prozent der Begräbnisse, die das Trauerhaus durchführt, sind heute Urnenbestattungen. Und das liegt nicht etwa nur daran, dass die Urnenbestattung deutlich kostengünstiger ist als die Erdbestattung. Vielmehr schlägt sich der gesellschaftliche Wandel auch in der Trauerkultur nieder. Es gibt – auch auf dem Lande – immer weniger Großfamilien. Kinder und Enkelkinder leben oft gar nicht mehr am Ort, ziehen aus beruflichen Gründen in die Ferne. So legen viele schon zu Lebzeiten fest, dass sie sich ein Urnengrab wünschen, weil sie ihren Angehörigen nicht die jahrzehntelange Grabpflege zumuten möchten. Oder die Hinterbliebenen können sie aufgrund des eigenen Alters gar nicht leisten. Und weil die Trauerkultur im Wandel ist, findet es Anja Breder an der Zeit, neue Wege zu gehen. Heute würden sich die Menschen zunehmend individuelle Trauerfeiern an anderen Orten als in der Kirche oder der Trauerhalle wünschen. "Ich habe schon ganz berührende Abschiedszeremonien mit Fackelschein im Garten erlebt." Seebestattungen ebenfalls häufig nachgefragt Auch Seebestattungen in der Nord- und Ostsee, dem Mittelmeer und dem Atlantik würden häufiger nachgefragt. "Zum Beispiel wenn der oder die Verstorbene eine ganz besondere Beziehung zum Meer hatte." Und dann gibt es auch Menschen, die wollen einen geliebten Angehörigen auch nach dessen Tod noch ganz nah bei sich wissen. Doch das war bislang im deutschen Bestattungswesen verboten. Andere EU-Länder sind bei den Gesetzen zur Totenruhe liberaler. In Spanien darf die Familie selbst über den Verbleib der Urne entscheiden. Als einziges Bundesland hat bislang Bremen den Friedhofszwang gelockert und erlaubt unter verschiedenen Auflagen, die Totenasche auch im Garten beizusetzen. Und in Niedersachsen soll es laut Anja Breder möglich werden, sich etwas Asche des Verstorbenen in eine kleine Schmuckurne – zum Beispiel in Form eines Herzens – abfüllen und mitgeben zu lassen.Weil auch diese Möglichkeit viel Zuspruch findet, arbeitet das private Trauerhaus Homburg-Mansfeld jetzt verstärkt neben Minden mit dem Krematorium im niedersächsischen Diepholz zusammen. Seit März bietet das Trauerhaus in Zusammenarbeit mit "Tree of Life" zudem eine ganz neue Form der Naturbestattung an. Die Hinterbliebenen können sich einen kleinen "Wunschbaum" auswählen, der in ein Substratgemisch aus der Asche des Verstorbenen und spezieller Vitalerde zur Durchwurzelung gepflanzt wird. Das Unternehmen „Tree of Life" in Seehausen (Altmark) in Sachsen-Anhalt arbeitet dafür mit Vertragsunternehmen in Ländern zusammen, in denen es keine Beisetzungspflicht für Urnen gibt. Interesse an "Wunschbaum"-Beisetzungen ist groß Zweimal hat das Bestattungshaus Homburg-Mansfeld diese Form der Beisetzung bereits organisiert. Das Interesse sei groß. Das bestätigt auch Marcel Hohmeyer, Inhaber von "Tree of Life", der nach eigener Auskunft nur mit ausgesuchten Bestattungsunternehmen zusammenarbeitet. Mit "Tree of Life" sei die Möglichkeit geschaffen worden, direkt in den ewigen Kreislauf des Lebens zurückzukehren. Anja Breder: "Mein Vater hätte es als einen sehr schönen Gedanken empfunden, wenn aus ihm noch eine 200-jährige Eiche erwächst, aus der später dann vielleicht Tische und Bänke werden. 'Dann bin ich auch nach meinem Tode noch zu etwas nütze’, hätte er bestimmt gesagt." Als Pflanzplatz wird zumeist der eigene Garten gewählt. Doch nicht jeder hat einen Garten. Deshalb kann sich die Trauerrednerin, die auch den Ruhewald Hollwinkel mit ins Leben gerufen hat, auch gut Erinnerungshaine in jeder Kommune vorstellen. „So, wie es in Lübbecke ja auch die Hochzeitswiese mit Obstbäumen gibt." Traditionen seien wichtig, betont die Trauerrednerin. "Aber auch neue Wege sind nicht falsch." Deswegen wünscht sie sich Offenheit gegenüber alternativen Bestattungsformen. Anja Breder hat auch bereits den Naturschutzbund NABU angeschrieben und nach möglichen Flächen für die „Bäume des Lebens" gefragt. Denn inmitten der unberührten Natur finden Menschen seit Jahrhunderten zu allen Jahreszeiten Trost, Kraft und Geborgenheit.

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