Sehen die Ursachen für das gescheiterte Medizinkonzept weiterhin bei anderen: Der Vorstandsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken, Olaf Bornemeier, und seine Stellvertreterin Kristin Drechsler. - © Joern Spreen-Ledebur
Sehen die Ursachen für das gescheiterte Medizinkonzept weiterhin bei anderen: Der Vorstandsvorsitzende der Mühlenkreiskliniken, Olaf Bornemeier, und seine Stellvertreterin Kristin Drechsler. | © Joern Spreen-Ledebur

Kreis Minden-Lübbecke Medizinkonzept: MKK-Vorstand rechtfertigt sich

MKK-Medizinkonzept: Vorstand bestreitet, Schließung und Verlegungen als "alternativlos" bezeichnet zu haben und sieht darin die Ursache für die gescheiterte Diskussion

Frank Hartmann

Kreis Minden-Lübbecke. Ob dem zurückgezogenen Medizinkonzept der Mühlenkreiskliniken (MKK) nach der vom Vorstand selbst verordneten Sommerpause ein weiteres "großes Medizinkonzept" folgen wird, ist weiter offen. In der aktuellen Ausgabe des MKK-eigenen Magazins "Einblick", Ausgabe 3/2018, antwortet die stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Kristin Drechsler, auf diese Frage so: "Das kann ich heute noch nicht sagen. Das hängt auch vom Willen des Verwaltungsrates als Vertreter des Eigentümers ab." Einige Zeilen später ergänzt sie, sie halte es für besser, den vom Kreis Minden-Lübbecke getragenen Konzern mit rund 4.600 Mitarbeitern in kleinen Schritten fortzuentwickeln "und auf die große Revolution zu verzichten". Passend dazu steht das mit Drechsler und dem MKK-Vorstandsvorsitzenden Olaf Bornemeier geführte Interview unter der Überschrift "Vorstand setzt auf Evolution statt Revolution". Im gleichen Interview verteidigt Bornemeier erneut das Medizinkonzept als solches, wie auch die Vorgehensweise, mit der es vom Vorstand kommuniziert worden war: "Jeder Standort hätte Fachbereiche abgegeben und hätte dafür andere bekommen." Jeder Standort hätte dadurch einen Schwerpunkt erhalten und wäre dadurch "gestärkt worden". Dann habe der Vorstand allerdings feststellen müssen, dass eine sachliche Diskussion über die Vorschläge zur künftigen Ausrichtung der MKK in der Öffentlichkeit nicht möglich gewesen sei. Er habe das Gefühl gehabt, dass jede Stadt sich als Verlierer gesehen habe und insofern dagegen gewesen sei. "An den üblichen Ablauf gehalten" Die öffentlich von vielen Seiten geäußerte, scharfe Kritik an der Kommunikation des Konzeptes weist Bornemeier zurück: Der Vorstand habe sich "an den üblichen Ablauf gehalten", und man habe in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs über das Medizinkonzept diskutieren wollen. Und zwar "ergebnisoffen", so Bornemeier. Warum das nicht funktioniert hat, beschreibt Drechsler in einer Antwort auf die Frage, wie eine breite Kommunikation mit dem Begriff "alternativlos" zusammenpasse? Drechsler zufolge ist das eine "falsche Tatsachenbehauptung", die die Diskussion "überlagert" habe. Der Vorstand habe das Medizinkonzept "niemals als alternativlos dargestellt". Ganz im Gegenteil. Man habe ausdrücklich eine sachliche, öffentliche Diskussion darüber führen wollen, was leider nicht möglich gewesen sei. Das Wort "alternativlos" ist Drechsler zufolge in einem anderen Zusammenhang gefallen: "Nämlich, dass Veränderungen im Gesundheitswesen alternativlos sind." Einen Blick voraus wirft abschließend Olaf Bornemeier und kündigt an, man werde weitere Schwerpunkte an den Krankenhäusern bilden und mit der Akademie für Gesundheitsberufe für eigenen, gut ausgebildeten Nachwuchs sorgen. Man habe viele gute Anregungen aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter erhalten, die sich im Übrigen viel sachlicher mit dem Medizinkonzept auseinandergesetzt hätten als die Öffentlichkeit. Diese Anregungen werde der Vorstand nun bewerten und gegebenenfalls auch umsetzen. Kommentar Alternativlos? Ja, ein Vorstandswechsel Was die MKK-Vorstände Olaf Bornemeier und Kristin Drechsler im PR-Interview für das hauseigene Magazin von sich geben lässt sich so zusammenfassen: Täuschen, Tatsachen verdrehen und das eigene Versagen anderen in die Schuhe schieben - Presse und Öffentlichkeit. Einerseits behaupten beide, man habe das vorgelegte Konzept öffentlich diskutieren wollen. Mit wem denn? Etwa mit den Bürgern, wenn nicht einmal der Lübbecker Stadtrat gefragt war, wie der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Lübbecke-Rahden kürzlich im NW-Gespräch sagte? Zudem habe es sich um ein "MKK-internes Konzept" gehandelt, so Uwe Werner. Zugleich rechtfertigt Bornemeier die geplante Schwerpunktsetzung an allen Standorten, was die bekannten einschneidenden Folgen für Lübbecke und Rahden gehabt hätte. Die sind nur durch den von Bornemeier und Drechsler kritisierten Widerstand der Menschen im Lübbecker Land verhindert worden. Auch der geplante Umsetzungsbeginn des Konzepts im Herbst dieses Jahres spricht gegen die behauptete Bereitschaft zur öffentlichen Diskussion. Genau so missglückt ist Drechslers Schutzbehauptung, sie seit falsch zitiert worden. Ihre Aussage, "alternativlos" seien Veränderungen im Gesundheitswesen, ist so banal, die hätte jeder Medizinlaie machen können. Zudem hatte der Vorstand keinen Plan B zum vorgelegten Konzept parat. Warum wohl? Insgeheim wird bereits über einen Wechsel an der MKK-Spitze nachgedacht. Der ist wirklich alternativlos. Kontakt zum Autor: frank.hartmann@nw.de

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