Kleihügelsee: Im und am Wasser ließ sich die Sommerhitze am besten ertragen. Die Bootscrew hatte jedenfalls sichtlich Spaß an ihrem Ausflug mit dem Schlauchboot und genoss die sonnigen Ferientage. - © Foto: Heike von Schulz||
Kleihügelsee: Im und am Wasser ließ sich die Sommerhitze am besten ertragen. Die Bootscrew hatte jedenfalls sichtlich Spaß an ihrem Ausflug mit dem Schlauchboot und genoss die sonnigen Ferientage. | © Foto: Heike von Schulz||

Lübbecker Land Ein Sommer der Rekorde geht zu Ende

Wetterrückblick: Meteorologe Friedrich Föst zieht Bilanz

Friedrich Föst

Lübbecker Land. Seit dem 1. September ist der meteorologische Sommer nun Geschichte - Zeit, um Bilanz zu ziehen nach einer außergewöhnlichen Jahreszeit, in der es von neuen Rekorden nur so wimmelte. Freibadbetreiber und Eisverkäufer gehören ganz klar zu den großen Gewinnern des Sommers 2018, während die Landwirte mit großen Ertragseinbußen leben müssen. Seit Februar wird der Mühlenkreis von einer außergewöhnlichen Trockenheit heimgesucht. Der letzte Monat mit dem Prädikat "zu nass" war der Januar 2018. Alle nachfolgenden Monate waren zum Teil deutlich zu trocken, insbesondere der Hochsommer Juli-August hat nur ein Wort verdient: Dürre! Die Trockenheit im Mühlenkreis war letztmals im Jahr 1983 so schlimm, davor müssen wir schon das Jahr 1904 bemühen, sonst gab es seit Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 im nordwestdeutschen Raum keinen trockeneren Sommer. In Teilen des Kreises Minden-Lübbecke fielen nicht einmal 25 Prozent des sonst üblichen Niederschlags. Und das, was vom Himmel kam, war letztendlich nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Bei den wenigen Tagen mit Niederschlag handelte es sich fast ausschließlich um Schauer und Gewitter, die eher lokal auftraten und somit den Niederschlag "ungerecht" verteilten. Aber selbst dort, wo die Kerne der Gewitterschauer entlangzogen und vorübergehend auch mal für Platzregen sorgten, gab es keine durchgreifende Linderung der Dürre, denn der Niederschlag konnte in den betonharten Boden kaum eindringen und floss oberflächlich einfach ab. »Noch nie war ein Sommer so warm wie der diesjährige« Dürre entsteht bei "Standwetter", also einer Wetterlage, die über Wochen, ja gar Monate andauert. In diesem Falle war es beispiellos langer Hochdruckeinfluss, der von Skandinavien bis nach Mitteleuropa reichte. Da in sommerlichen Hochdruckgebieten die Sonne scheint, gibt es auch in Sachen Temperatur und Sonnenscheindauer Rekordverdächtiges zu verkündigen: Noch nie war ein Sommer so warm wie der diesjährige. Zwar gab es keinen neuen absoluten Temperaturrekord in unseren Breiten (Letzterer datiert vom 9. August 2003 mit 39,9 Grad in Löhne, was gleichzeitig NRW-Rekord bedeutet!), wohl aber einen neuen Rekord bei der Anzahl der Sommertage (Höchsttemperatur mindestens 25 Grad): An den Wetterstationen in Lübbecke und Rahden gab es in diesem Jahr 65 beziehungsweise 72 Sommertage - einsame Rekorde mit weitem Abstand. Auch hier müssen wir tief in den Wetterstatistiken im gesamten nordwestdeutschen Raum wühlen, um einen vergleichbaren Wert zu finden und werden - erraten - bis 1881 nicht fündig. Da dürfte es jetzt niemanden mehr überraschen, dass es auch bei der Sonnenscheindauer Rekordverdächtiges zu vermelden gibt. Mit mehr als 730 Stunden liegt der Sommer 2018 auch hier in der Statistik unter den Top 3, nur 1959 und 1976 gab es noch ein paar Stunden mehr Sonnenschein. »In die Wetterküche kommt bald wieder mehr Leben« Da sich jetzt durch die voranschreitende Jahreszeit die Temperaturunterschiede zwischen Pol und Äquator verstärken, dürfte auch in die Wetterküche Atlantik nun bald wieder mehr Leben einkehren. Es wird aber noch lange dauern, bis das gewaltige Niederschlagsdefizit von mehreren Hundert Litern (pro Quadratmeter, wohlgemerkt!) abgebaut sein wird. Dazu müsste sich eine mehrere Wochen lange Regenperiode mit gleichmäßigem Landregen von täglich mehreren Litern Regen pro Quadratmeter einstellen. Doch die ist jetzt noch nicht in Sicht...

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