Kulturinstitutionen, -schaffende und -anbieter: Andreas Kornacki (Geschäftsführer von Kultur Herford und Marta Herford), Landrat Jürgen Müller, Moderator Reinhart Richter, Poetry-Slammerin Sophie Malecha und Landrat Ralf Niermann. - © Foto: Jemima Wittig
Kulturinstitutionen, -schaffende und -anbieter: Andreas Kornacki (Geschäftsführer von Kultur Herford und Marta Herford), Landrat Jürgen Müller, Moderator Reinhart Richter, Poetry-Slammerin Sophie Malecha und Landrat Ralf Niermann. | © Foto: Jemima Wittig

Lübbecke Kreise Minden-Lübbecke und Herford arbeiten zusammen am Kulturprogramm

Kulturentwicklungsplan: Bei der Auftaktveranstaltung kamen Künstler wie die 23-jährige Sophie Malecha zu Wort und äußerten ihre Wünsche

Jemima Wittig

Lübbecke. Was passiert, wenn Künstler wie die Poetry-Slammerin Sophie Malecha aus Minden, Veranstalter wie Michael Scholz von der Aqua Magica aus Bad Oeynhausen und die Landräte Ralf Niermann (Kreis Minden-Lübbecke) und Jürgen Müller (Kreis Herford) aufeinandertreffen? Zunächst erklärt die 23-jährige Künstlerin den Herren, die mit ihr auf der Bühne stehen, und den Zuhörern, was Poetry-Slam ist (der Vortrag selbst geschriebener Texte in einer bestimmten Zeit vor Publikum). Dann darf sie sich etwas für die Zukunft der Kultur in beiden Kreisen wünschen: "Nicht jeder hat ein Auto. Ohne öffentliche Verkehrsmittel können daher nicht alle das Kulturangebot wahrnehmen." »Die Jugend tickt anders! Wie einbinden?« Für solche Planungen sind am Dienstagnachmittag etwa 100 Kulturschaffende und -interessierte in der Lübbecker Stadthalle zusammengekommen. Die beiden Kreise wollen gemeinsam mit ihren Städten, Gemeinden und den Kulturschaffenden einen Kulturentwicklungsplan erarbeitet. "Wir arbeiten schon in so viele Bereichen zusammen. Warum also nicht gucken, wie man das Kulturangebot beider Kreise durch eine Zusammenarbeit verbessern kann", begründete Landrat Müller die Projektidee. Moderator Reinhart Richter hat schon Potenzial entdeckt: "Ich bin in den letzten Monaten viel durch beide Kreise gefahren. Dabei habe ich auch in den kleinen Gemeinden viel Programm entdeckt. Unsere Aufgabe ist es jetzt, dieses Potenzial auch für andere nutzbar zu machen." Ebenso könnten gemeinsam eventuell auch Projekte umgesetzt werden, die die einzelnen Gemeinden nicht anbieten können, die aber gemeinsam umsetzbar seien, so der Osnabrücker. Der Startschuss des Projekts wurde bereits im Mai dieses Jahres gegeben. Durch eine noch laufende Onlinebefragung soll der Status quo mit seinen Vorzügen und Schwachstellen ermittelt werden. Ihre Wünsche äußerten die Anwesenden auch vor Ort. An zwei Wänden konnten Kritik und Lob geäußert werden. So stand auf einem roten Zettel: "Hört denen, die die Arbeit machen, zu!" Jemand anders kritisierte "fehlende Ansprechpartner" und eine "schlechte Vernetzung". Und ein dritter fragte: "Die Jugend tickt anders! Wie einbinden?". Ein Zukunftsmodell entwarf Simon Oberthür, Softwareentwickler von der Universität Paderborn. Er ist neben den Unternehmensberatern Reinhart Richter und Johann Malcher im zuständigen Beraterteam. Denn ein Schwerpunktthema solle auch die Digitalisierung sein, die zunehmend Einzug in die Kulturarbeit erhalte und neue Chancen böte. Um dies zu verdeutlichen, führte Oberthür ein Gespräch mit seiner Sprachassistentin über seine Wochenendplanung. Diese schlug ihm verschiedene Veranstaltungen in der Region vor, sagte, wie das Wetter sein würde, buchte die notwendigen Tickets - inklusive der Fahrkarten für den Bus - und stellte dann noch Kontakt zu Freunden aus dem Adressbuch her, die ebenfalls in der App angegeben hatten, dass sie sich für die Veranstaltungen interessierten. Bei einem anschließenden Interview mit Heiner Wemhöner, der in der dritten Generation das gleichnamige Unternehmen für Maschinen- und Anlagenbauer leitet, äußerte dieser seine Hoffnung, dass "diese digitale Welt" an ihm vorbei gehen möge. "Ich möchte persönliche und keine anonymisierten Kontakte", sagte er und wurde vom Publikum mit spontanem Applaus belohnt. Seine Ansicht, dass die Jobs in seinem Unternehmen keiner nehme, weil es das Martha in Herford gebe, konnten allerdings nicht alle teilen. Landrat Niermann sagte später, dass nicht jeder schon von klein auf wisse, welchen Beruf er später ergreifen würde, so würde die Wahl natürlich auch durch äußere Begebenheiten bestimmt und nicht nur die Arbeit an sich. Bis zum Mai 2019 soll der Plan stehen. Bis dahin gibt es noch Webinare, Beratungsgespräche und Konferenzen. Explizit sollen auch junge Menschen eingebunden werden. So haben Schulen im kommenden Schuljahr die Möglichkeit, in einem Projekt ihre Visionen für 2020 zu entwerfen.

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