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Lübbecke „Radfahrer gehören auf die Straße“

Verkehrssicherheit: Der ehemalige Bezirkspolizist Jürgen Rohleder bemängelt, dass diverse Gefahrenpunktein der Stadt seit Jahren bekannt sind, aber nichts passiert. Jetzt ist ihm der Geduldsfaden gerissen

Frank Hartmann
04.07.2018 | Stand 04.07.2018, 10:30 Uhr

Lübbecke. Wenn der frühere Lübbecker Bezirksbeamte Jürgen Rohleder über Gefahrenpunkte in der Stadt spricht, kommt er schnell in Fahrt. Er kann und will nicht begreifen, dass er und andere wie der Radfahr-Beauftragte des örtlichen Seniorenbeirats, Joachim Knoblich, der Stadtverwaltung seit Jahren kritische Beobachtungen schildern – aber nichts oder wenig passiert. Dabei seien die „Zustände an manchen Stellen unerträglich“, sagte Rohleder am Montag bei einem Besuch in der Lokalredaktion der NW. Jetzt ist ihm der Geduldsfaden gerissen. Jürgen Rohleder hat im Vorzimmer von Bürgermeister Frank Haberbosch gerade einen dicken Aktenordner abgegeben. Weitere sind vorbereitet. Die sollen alle Vorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Fraktionen erhalten, denn: „Man kann und darf erforderliche und teilweise vorgeschriebene Maßnahmen im Straßenverkehr nicht einfach ruhen lassen.“ Manche Mängel, moniert der Ex-Polizist Rohleder, „bestehen schon seit Jahren“. Eine klare Haltung haben er und Knoblich beispielsweise zum Stellenwert der Radfahrer in der Stadt. Und das hat Rohleder dem Bürgermeister auch geschrieben: „Radfahrer gehören auf die Fahrbahnen, nicht auf Gehwege.“ Unter anderem in Espelkamp habe die Stadt sich vorgenommen, die Radfahrer wieder von den Gehwegen herunterzuholen, wo andere Gefahren lauerten. Die Folgen für Fußgänger, Radfahrer und auch Autofahrer könnten „größer sein, als innerhalb von Ortschaften auf den Fahrbahnen“, so Rohleder. Mit Verweis auf die Grünen, die in Espelkamp eine Lobby für Radfahrer sein und die Stadt fahrradfreundlicher machen wollen, stimmt Joachim Knoblich ihm zu: „Espelkamp ist uns voraus.“ So lautet Rohleders Appell an Bürgermeister Haberbosch und die Parteien: „Helfen Sie mit, dass in Lübbecke die Bürger Räder nicht nur in der Freizeit nutzen, sondern auch im alltäglichen Alltagsablauf.“ Zu dem zählt Rohleder auch die Fahrt mit dem Rad zur Arbeit und zurück. Es sei zwar erfreulich zu hören, dass das Radwegenetz in Lübbecke besser gestaltet werden soll: „Aufgrund der geplanten Maßnahmen – Einbahnstraßen für Radfahrer freizugeben – abzuleiten, Lübbecke sei eine fahrradfreundliche Stadt wäre mehr als überheblich.“ Dabei bezieht er sich auf eine Ankündigung der Verwaltung vom Mai dieses Jahres, als Ergebnis der jüngsten Verkehrsbesprechung einige zentrumsnahe Einbahnstraßen für die beidseitige Befahrung freizugeben. Eine gegenläufige Freigabe der Bereiche Am Markt, Bäckerstraße und westliche Lange Straße sei für den Radverkehr unkritisch und werde zeitnah durch eine entsprechende Beschilderung umgesetzt. Auch für die Niedernstraße erscheine eine solche Freigabe möglich. Nachhaltig verstimmt ist Rohleder seit Jahren darüber, dass in der Stadt bis heute kein ehrenamtlicher Radfahrbeauftragter eingeführt worden ist, wobei er dabei nach eigener Aussage nicht an sich selbst denkt. Auch dass es für den Bau von Radwegen und deren Unterhaltung keinen eigenen Titel im städtischen Haushalt gibt, kann er nicht nachvollziehen: „Mir kommt es nicht darauf an, kostenträchtige Verkehrsmaßnahmen und das Anlegen neuer Radwege einzufordern.“ Vielmehr sollte man die bestehenden Radwege in den Stand versetzen, dass sie den vorgeschriebenen Bestimmungen auch entsprächen. In einem weiteren Teil seines Schreibens widmet der langjährige ehemalige Polizist sich den Verkehrsbedingungen für Fußgänger. Denn auch die hält er für verbesserungswürdig. Da in Lübbecke nun ein Behindertenbeirat eingerichtet werde, solle nicht vergessen werden, „dass viele Verkehrswege für Behinderte und auch allgemein ältere Menschen verbessert werden müssen“. Aber sowohl im Ortskern auf geraden Strecken als auch in den Ortsteilen an den Durchgangsstraßen „fehlen zusätzliche Querungshilfen“. Obwohl das Lebensinteresse der Bürger oft beiderseits von Durchgangsstraßen liege. Bezogen auf Gespräche mit zuständigen Mitarbeitern der Lübbecker Stadtverwaltung, räumt Jürgen Rohleder ein, die wüssten sehr wohl, dass vieles verbesserungswürdig sei. Zum Beispiel das Radwegenetz und verlangt: „Man muss den Sachbearbeitern nur Zeit und finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, dann werden auch die richtigen Entscheidungen getroffen.“

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