Vogelzählaktion: Der Haussperling ist - wie in den Vorjahren - auch bundesweit am häufigsten anzutreffen. Im Mühlenkreis wurde er jetzt 671 Mal gezählt. Verlierer ist der Star. Mit 258 Exemplaren sank seine Anzahl um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. - © Foto: NABU
Vogelzählaktion: Der Haussperling ist - wie in den Vorjahren - auch bundesweit am häufigsten anzutreffen. Im Mühlenkreis wurde er jetzt 671 Mal gezählt. Verlierer ist der Star. Mit 258 Exemplaren sank seine Anzahl um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. | © Foto: NABU

Lübbecke Zahl der Gartenvögel nimmt ab

Stunde der Singvögel: Anfang des Monats rief der NABU bundesweit dazu auf, die Vögel im heimischen Garten zu zählen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor und sind besorgniserregend

Lübbecke. Der Sommer ist nah, es wird früher hell und die Vögel zwitschern. Im Kreis Minden-Lübbecke bietet sich so vielerorts ein idyllisches Bild. Doch der Schein trügt: Der Naturschutzbund (NABU) vermeldete jetzt die niedrigsten Vogelzahlen seit Jahren. Seit 14 Jahren ruft der NABU inzwischen Anfang Mai zu Vogelzählaktionen auf. In diesem Jahr waren die Menschen bundesweit von Vater- bis Muttertag dazu aufgerufen, die Vögel im heimischen Garten zu zählen. Bis zum vergangenen Montag konnten die Teilnehmer die Ergebnisse melden. »Ganzjähriges Füttern hilft Insektenfressern auch nicht« Während sich die Veranstalter über die rege Beteiligung freuen - 53.000 Vogelfreunde haben sich zurückgemeldet - finden sie die Ergebnisse besorgniserregend. Denn unter den Top 15 der Gartenvögel weisen sieben Arten so geringe Zahlen auf wie noch nie. "Insgesamt sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent zurückgegangen", sagt Hermann Nagel, stellvertretender Vorsitzender vom Lübbecker NABU. Im Kreis Minden-Lübbecke wurden von 191 Beobachtern in 136 Gärten 4.765 Vögel gezählt. Besonderer Verlierer mit 42 Prozent ist der Star. Er wurde nur 258 Mal beobachtet. Auch Elster (minus 23 Prozent), Kohlmeise (sieben Prozent weniger), Buchfink (ebenfalls minus sieben Prozent) und Rotkehlchen (sechs Prozent weniger) kamen seltener vor. Auf Platz Eins der Liste ist wie in den Vorjahren der Haussperling, auch bekannt als Spatz. Insgesamt kam er 671 Mal und damit pro Garten 4,93 Mal pro Stunde vor. "Die Ergebnisse sinken kontinuierlich", sagt Nagel. "Ich kann mir keinen Garten ohne Vögel vorstellen." Gründe dafür sieht er unter anderem im Rückgang der Feuchtgebiete, der Nutzung von Pestiziden in der Landwirtschaft und dem Insektensterben. Dabei könne gegen das Artensterben jeder etwas tun, sagt er. "Ich füttere zum Beispiel ganzjährig. Doch das hilft den Insektenfressern natürlich auch nicht. Denn die leiden eben unter dem Rückgang der Insekten." Deswegen würde eine naturnahe Gestaltung des Gartens nicht nur gegen das Insektensterben helfen, sondern damit auch die Vögel unterstützen. "Dass Steingärten mit englischem Rasen ökologisch nicht wertvoll sind, weiß ja inzwischen jeder", so Nagel. Sinnvoller sei es, abwechselnd Früh- und Herbstblüher, Buschwerk und Laubgehölze zum Nisten anzupflanzen. Das würde auch den Igeln guttun. Denn gerade die Zahlen der Vögel, die ihre Jungen mit Insekten füttern, sind niedriger geworden. Mit 32 Exemplaren sankt etwa die Zahl der Singdrosseln um 10 Prozent und mit 33 Hausrotschwänzen sank seine Anzahl sogar um 42 Prozent. Um die Aufmerksamkeit für den Rückgang der Schwalben zu erhöhen, setzt der NABU-Kreisverband Minden-Lübbecke die Aktion "Schwalbenfreundliches Haus" fort. Denn eine der Ursachen für deren sinkende Zahlen ist der fortschreitende Verlust von Nistmöglichkeiten. "In diesem Jahr verleihen wir wenigstens 40 Plaketten", sagt Nagel, der sich auch noch über weitere Anmeldungen per Mail an info@moorhus.eu freuen würde.

realisiert durch evolver group