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In der Ausgabestelle: Ingrid Ramm und Carola Kasper bieten der Kundin Obst und Gemüse an. - © Ingrun Waschneck
In der Ausgabestelle: Ingrid Ramm und Carola Kasper bieten der Kundin Obst und Gemüse an. | © Ingrun Waschneck

Lübbecker Land Ein Blick hinter die Kulissen der Lübbecker Land Tafel

Viele ehrenamtliche Mitarbeiter sind Woche um Woche bei den vielfältigen Aufgaben im Einsatz. Mehr als 40 Supermärkte und Bäckereien stellen ihre Waren zur Verfügung

Ingrun Waschneck
11.05.2018 | Stand 11.05.2018, 17:41 Uhr |

Lübbecker Land. Die Lübbecker Land Tafel wurde 2005 gegründet. Seitdem sind viele ehrenamtliche Mitarbeiter Woche um Woche bei den vielfältigen Aufgaben im Einsatz. Mehr als 40 Supermärkte und Bäckereien stellen ihre Waren zur Verfügung. Der Förderverein sorgt auch dafür,
 dass Kinder Schulranzen bekommen und auf Reisen gehen können. Große Freude löst die alljährliche Weihnachtskistenaktion bei den Beschenkten aus. NW-Redakteurin Ingrun Waschneck warf einen Blick hinter die Kulissen. Logistikzentrum „Montag Schnathorst, Dienstag Pr. Oldendorf, Mittwoch Wehdem, Donnerstag Lübbecke und Rahden, Freitag Espelkamp" steht auf den Zetteln, die an der großen weißen Pinnwand im Flur der Lübbecker Land Tafel angebracht ist. Beim jeweiligen Ort ist aufgeführt, wie viele Kisten Obst und Gemüse, Brot oder Milchprodukte benötigt werden. Kleine gelbe Klebezettel geben Auskunft über aktuelle Änderungen. Etwas weiter rechts hängen die Tabellen mit den Einsatzplänen für die Fahrer. „Das ist unser Logistikzentrum", sagt Christiane Dähn und schmunzelt. Gemeinsam mit Magdalene König organisiert sie, unterstützt von der Bürokraft Doris Humcke, den reibungslosen Ablauf – von der Abholung der Lebensmittel über das Sortieren bis zur Ausgabe an die Kunden. Büro Magdalene König und Christiane Dähn, beide fest angestellt, begleiten aktuell 18 Mitarbeiter, die vom Amt Pro Arbeit zugewiesen wurden. „Die sechsmonatige Arbeitsgelegenheit ,Tafel Lübbecker Land‘ bietet ihnen nach langer Arbeitslosigkeit die Möglichkeit, wieder Fuß zu fassen und dem Arbeitsmarkt wieder näherzukommen", erklärt König. „Sie sollen durch die Beschäftigung im geschützten Rahmen wieder eine Tagesstruktur erhalten, auch wieder an Dinge wie Pünktlichkeit oder Teamarbeit herangeführt werden." Jeden Vormittag sortieren die Mitarbeiter rund zwei Stunden entweder die angelieferten Lebensmittel oder bereiten in der Küche das Mittagessen zu. „Aus Espelkamp kommen sie mit dem Fahrrad, aus Lübbecke werden sie mit einem Bus zu uns gebracht", erklärt König. Gespräch Neben der Arbeit gibt es für die Mitarbeiter auch psychosoziale Betreuung, die als flankierende Leistung den Eingliederungsprozess in das Erwerbsleben unterstützen soll. „Alle sechs Wochen treffe ich mich mit ihnen zu Einzelgesprächen, um gemeinsam zu schauen, was gut gelaufen ist oder wo es eventuell hakt", beschreibt Christiane Dähn, die als Fachtherapeutin für diesen Bereich zuständig ist. Bei Bedarf werden Lösungen mit dem Teilnehmer erarbeitet. Zum Angebot gehören auch die Stärkung sozialer Kompetenzen, die Vermittlung lebenspraktischer Fähigkeiten, Motivationsarbeit, Krisenintervention und Unterstützung bei Anträgen. Abholen Freitags geht es für Gaby Willuweit und Wolfgang Noack um 6.45 Uhr los. Dann holen sie das Kühlfahrzeug beim Lübbecker Umwelthof ab. „Als erstes fahren wir zur Zentrale, der ,Halle‘, in Espelkamp", sagt Noack. Dort werden acht Rollwagen aufgeladen und zur Ausgabestelle in Espelkamp gebracht. „Im Anschluss geht es wieder zur Halle und wir laden leere Kisten und Rollwagen auf", erklärt Willuweit. Weiter geht es zu einem großen Supermarkt in Lübbecke. Die bereitstehenden Lebensmittel sortieren die beiden je nach Warengruppe in die mitgebrachten Kisten ein und stapeln sie auf den Rollwagen. „Obst und Gemüse kommt beispielsweise in grüne Klappboxen", so die 63-Jährige. Ist alles verstaut, sammeln sie noch in 16 weiteren Supermärkten in Gehlenbeck, Nettelstedt und Hüllhorst Waren ein. Ist der Fünftonner voll, geht es zwischenzeitlich zum Ausladen nach Espelkamp. „Nach der letzten Tour machen wir den Wagen sauber", sagt Noack. „Und auf dem Rückweg nach Lübbecke bringen wir fertig gepackte Kisten zu den Kunden, denen es selbst nicht möglich ist, zu einer Ausgabestelle zu kommen", ergänzt Gaby Willuweit. Drei Fahrzeuge sind im Lübbecker Land unterwegs und jedes ist mit einem Fahrer und einem Beifahrer besetzt. „Unser Fünftonner ist jetzt drei Jahre alt und wurde über Spenden finanziert", erklärt der 62-Jährige. „Mit der hydraulischen Heckklappe ist es eine große Erleichterung für uns, davor mussten wir die Kisten einzeln in das Transportfahrzeug heben." Beiden macht die Aufgabe Spaß: „Man sitzt nicht zuhause rum, kommt mit vielen Menschen zusammen und tut dabei auch Gutes!" Sortieren Dicht nebeneinander stehen die grünen, roten und schwarzen Kisten auf langen Tischen. Ein Teil der Mitarbeiter in der Zentrale in Espelkamp sortiert das vom Fahrerteam angelieferte Obst und Gemüse, die Molkereiprodukte, Fleisch- und Backwaren in die dafür vorgesehenen Kisten. Sind sie gefüllt, werden sie in Kühlräume gebracht, Tiefkühlware kommt in den Froster. Gleich am nächsten Tag wird die Ware zu den Ausgabestellen gebracht. „Unsere Mitarbeiter tragen Verantwortung, denn jedes Stück Obst oder Gemüse wird kontrolliert, bei den Frischwaren das Mindesthaltbarkeits- oder das Verzehrdatum geprüft", sagt Magdalene König. So werde eine gute Qualität der Waren in den Ausgabestellen sichergestellt. Etwa zehn Prozent Obst und Gemüse ist nicht mehr verwendbar und wird in Mulden entsorgt. Auch auf Hygiene und Sauberkeit wird akribisch geachtet. „Alle Mitarbeiter sind im Umgang mit Lebensmitteln geschult", so König. Küche Jeden Mittag wird in der Küche in Espelkamp ein dreigängiges, preiswertes Menü auf Vorbestellung gekocht, das in Espelkamp und Lübbecke ausgegeben wird. Hauswirtschaftsmeisterin Magdalene König bespricht die Rezepte mit dem drei- bis vierköpfigen Küchenteam, dessen Mitglieder jeweils sechs Monate dabei sind. Alles wird aus gespendeten Lebensmitteln zubereitet. Aus Weihnachtsmännern wird auch schon mal Schokopudding. Rezepte der Lübbecker Land Tafel Ausgabe In Pr. Oldendorf werden einmal in der Woche Lebensmittel an arme und bedürftige Menschen ausgegeben. Nachdem sie sich im Büro ausgewiesen und pro Erwachsenem zwei Euro und pro Kind 25 Cent bezahlt haben, erhalten sie eine Bedarfskarte mit der Personenanzahl sowie eine weitere Karte mit der Abholzeit für die kommende Woche. „Die Zeiten variieren, dann ist jeder mal der erste", sagt Wolfgang Gottschalk. In der Lebensmittelausgabe arbeiten zwei Teams im wöchentlichen Wechsel. Die Damen bieten den Kunden die Lebensmittel an und legen sie in die Einkaufskisten. Im ersten Stock lädt eine Gruppe von sieben Frauen in die Kaffeestube zum Plaudern ein. Der kostenlose Fahrdienst „Bürger fahren Bürger" von Asyl PrO und dem Verein „Wir im Eggetal" rundet das Angebot ab. „Weitere Fahrer sind uns willkommen", sagt Hiltrud von Spiegel, die auch selbst fährt.

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