Hielt ein glühendes Plädoyer für Europa: Elmar Brok. - © Kirsten Tirre
Hielt ein glühendes Plädoyer für Europa: Elmar Brok. | © Kirsten Tirre

Lübbecke Auftakt für Stockhauser Veranstaltungsreihe: "An Europa führt kein Weg vorbei"

Vorzeigeprojekt: Stockhauser Verein wirbt für den europäischen Gedanken und die Wahl im kommenden Jahr. Auftakt setzte erstes Ausrufezeichen hinter die Idee

Lübbecke-Stockhausen. Er ist ein leidenschaftlicher Kämpfer für Europa und das seit Jahrzehnten - Elmar Brok, ostwestfälischer Europaparlamentarier der CDU seit 1980. Was liegt da näher, als den "Mister Europa" der deutschen Politik zur Auftaktveranstaltung des Vereins "Stockhausen für Europa" in die Begegnungsstätte einzuladen? Eine gute Wahl. Nach Broks leidenschaftlichem Plädoyer für ein geeintes Europa, erhoben sich die Gäste und spendeten lange Beifall. Vereinsvorsitzender Gerd H. Niemeyer strahlte: "Ich bin glücklich." Mit mehreren Veranstaltungen bis zur Europawahl 2019 will der Anfang des Jahres gegründete, inzwischen 50 Mitglieder zählende Verein, Begeisterung für Europa wecken. In den letzten Jahren sei Europa angesichts der Finanzkrise 2006 und ihrer Folgen, der europaweiten Flüchtlingskrise sowie der Ängste vieler Menschen vor Terror und Krieg zunehmend in die Kritik geraten. Es würden sich nationalistisches und antieuropäisches Gedankengut verbreiten, sagten der 1. Vorsitzende sowie sein Sohn und stellvertretender Vereinsvorsitzender Alexander Niemeyer. "Dank der Europäischen Union leben wir in einer 70-jährigen Epoche des Friedens", und ein starkes, vereintes Europa sei für die Lösung der Weltprobleme wie Klimawandel, Terror, Flucht und Armut unverzichtbar, meint er. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog habe 1995 vor dem Europäischen Parlament gesagt: "Wir haben eine Vision, und diese Vision heißt Europa." Verantwortlich für die Erfüllung von Visionen seien wir selbst. "Wir wollen in Stockhausen etwas für Europa tun". Letztlich beginne Europa immer bei den Menschen, auch in Stockhausen. Freude über gute Resonanz Den beiden Niemeyers war die Freude über die gute Resonanz anzusehen. Knapp 100 Personen waren am späten Nachmittag in die Begegnungsstätte gekommen. Das ganze Dorf war eingeladen und viele Unterstützer wie der heimische Bundestagsabgeordnete Achim Post (SPD), die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (CDU), Landrat Ralf Niermann oder Karl-Friedrich Rahe, der den Bürgermeister vertrat. Die Liste der Unterstützer ist lang, hochrangig und parteiübergreifend, stellte Gerd H. Niemeyer fest. Und bevor der glühende Europäer Elmar Brok sein Plädoyer für ein geeintes Europa hielt, lobten die Redner unisono die großartige Stockhauser Initiative und versicherten ihre Unterstützung. Sie unterstrichen, welche Bedeutung ein geeintes Europa für ein Leben in Frieden, Freiheit, Wohlstand und Demokratie in Deutschland hat und warnten vor kleinstaatlichem und nationalistischem Denken. "Es ist ein Irrglauben, wenn man denkt, dass alles besser wird, wenn man sich nur auf sich selbst besinnt. An Europa führt kein Weg vorbei. Europa ist weit besser als sein Ruf", betonte Karl-Friedrich Rahe und erinnerte an das bekannte Wort von John F. Kennedy "Fragt nicht, was eurer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun konnt." »Europa muss uns allen am Herzen liegen« "Europa muss uns allen am Herzen liegen", betonte Ralf Niermann. Es sei historisch einzigartig, dass in der Mitte des Kontinents eine solch lange Zeit des Friedens und der Stabilität herrsche. "Menschenverachtung, Zorn und Hass dürften nie wieder die Oberhand gewinnen", bekräftigte der Landrat. Es sei eine tolle Geschichte, dass eine der kleinsten Ortschaften im Mühlenkreis auf die Idee komme für Europa zu werben, freute sich Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann "Wir brauchen Europa mehr denn je." Angesichts der isolierenden Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump müsse sich Europa auf seine eigene Kraft besinnen, bekräftigte Bundestagsabgeordneter Achim Post. Wenn die USA sich aus Europa und globaler Verantwortung zurück ziehe, werden auch andere in dieses Vakuum gehen, meinte Post mit Blick auf Russland und China. Europa dürfe nicht in der Zuschauerrolle verharren, sondern müsse gemeinsam eine starke Rolle in der Außen- und Sicherheitspolitik übernehmen. "Wir wollen ein Europa der Demokratie, der Investitionen, der Gerechtigkeit, für den Frieden und in globaler Verantwortung", betonte er und erinnerte daran, dass gerade Deutschland ökonomisch der größte Nutznießer des freien Handels sei. Europa bedeute Wohlstand, Freiheit und Frieden Europa bedeute für Deutschland Wohlstand, Freiheit und Frieden, unterstrich Elmar Brok und warnte vor einem Wiedererstarken des Nationalismus. Die EU koste Deutschland 12 bis 13 Milliarden Euro, unser Handelsüberschuss betrage 180 Milliarden Euro. Der europäische Binnenmarkt mit offenen Grenzen und schnellem Warentransport sei "das beste Geschäft unserer Geschichte". Brok mahnte aber auch Solidarität an. Die Gemeinschaft könne nur zusammen gehalten werden, wenn jeder etwas davon hat. Die offenen Grenzen seien zudem eine Wohltat für die Menschen. Brok erinnert sich mit Grausen an 1954, als er mit seiner Mutter und dem Heimatverein Schloß Holte zur Tulpenschau nach Holland fuhr. "Wir sind vier Mal an der Grenze gefilzt worden." "Wir brauchen Europa aber auch für unsere Sicherheit", fügte er hinzu. Terror und organisierte Kriminalität seien längst international und könnten nur gemeinsam bekämpft werden. Ebenso dringend notwendig sei eine gemeinsame Sicherheitspolitik. Sie erhöhe die Schlagkraft und spare Geld. Zur eigenen Sicherheit trage ebenso eine intelligente Entwicklungshilfe bei. "Wir müssen den Menschen in Afrika bessere Perspektiven geben", forderte er. Sonst erlebe Europa eine riesige Migrationsbewegung. "Und 60 Millionen Flüchtlinge hält niemand auf." Für die Menschen in der Dritten Welt sei Europa, das mit 7,3 Prozent der Weltbevölkerung 25 Prozent des Reichtums dieser Erde besitze mit seiner Stabilität und der Sicherung der Menschenrechte das "Paradies auf Erden".

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