Glanzvoller Auftritt mit viel Hokuspokus: Melanie Fründ als Wahrsagerin (sie hatte zugleich auch die Spielleitung) befragt ihre Zauberkugel, während Dimpfelmoser (Bernd Öwermann) und die anderen ganz gespannt zusehen. - © Imme Lohmeyer-Lorek
Glanzvoller Auftritt mit viel Hokuspokus: Melanie Fründ als Wahrsagerin (sie hatte zugleich auch die Spielleitung) befragt ihre Zauberkugel, während Dimpfelmoser (Bernd Öwermann) und die anderen ganz gespannt zusehen. | © Imme Lohmeyer-Lorek

Lübbecke-Nettelstedt Publikum auf dem Hünenbrink ist begeistert von "Räuber Hotzenplotz"

Das hat richtig viel Spaß gemacht

Lübbecke-Nettelstedt. Mit heftigem Applaus bedachte ein großes Publikum die Premiere des Familienstückes „Räuber Hotzenplotz" auf der Freilichtbühne Nettelstedt. Und das zu Recht, denn Regisseur Poyraz Türkay hat eine großartige und kindgerechte Bühnenfassung des Kinderbuchklassikers von Ottfried Preußler inszeniert. Dabei fasste er geschickt die ersten beiden Teile der Trilogie zusammen, ohne dass ein Bruch in der Aufführung entstanden ist. In seinem Grußwort lobte Bürgermeister Frank Haberbosch die Arbeit der Freilichtbühne Nettelstedt, die jährlich zwei Stücke mit ehrenamtlichem Engagement auf die Bühne bringt, und wünschte allen Besuchern einen kurzweiligen Nachmittag. Den hatten die großen und kleinen Gäste gewiss, denn auf der Bühne passierte, auch durch die unterschiedlichen Spielebenen bedingt, immer irgendetwas Spannendes. Sehr gelungen war die Musik, die Rezitator und Autor Frank Suchland komponiert hatte. Die eingängigen Melodien, die bei den Machenschaften des Zauberers im zweiten Teil dramatisch anschwollen, animierten die Zuschauer sofort zum Mitklatschen und wurden zu regelrechten Ohrwürmern. Die Premierenbesetzung war gut gewählt. Außergewöhnlich reif war die Leistung der jüngsten Darsteller in den Hauptrollen. So beeindruckte der achtjährige Frederik Wulff mit seinem kecken, frechen Spiel in der Rolle des Seppels. Nicht minder lebhaft war sein Freund Kasperl (Aaron Kracht), der schließlich den Zauberer Zwackelmann (Martin Jäger-Degenhard) mit Hilfe des Feenkrauts besiegte. Als dieser mit einem Riesenknall platzte, gab es ausgelassenes Gelächter im Publikum. Viele Lacher gab es auch in der „Knallpilz-Szene", in der Seppel und die gerissene Großmutter (Monika Möhlmann) Hotzenplotz fesselten und schließlich der Polizei auslieferten. Matthias Kracht in der Rolle des raubeinigen Räubers zu sehen, machte großen Spaß. Denn er genoss sichtlich seine Gemeinheiten auf der Bühne, fluchte glaubhaft, hatte eine herrlich dreckige Lache und schnäuzte sich geräuschvoll zur Belustigung des Publikums. Melanie Fründ überzeugt auf der Bühne und bei der Spielleitung Wachtmeister Dimpelmoser (Bernd Öwermann), der mehrfach auf Hotzenplotz reinfiel, wurde vom ältesten Mitglied der Freilichtbühne verkörpert. Viel komisches Talent bewies er, als er, seiner Kleider beraubt, in einem Fass Unterschlupf suchte. Auch die Nebenrollen waren amüsant anzusehen, allen voran Fräulein Meier (Maren Wulff) mit ihrem affektierten Gehabe, mit dem sie sich dem Wachtmeister an den Hals warf. Melanie Fründ, die neben der Spielleitung noch die Rolle der Hellseherin Witwe Schlotterbeck übernahm, hatte einen glanzvollen Auftritt mit viel Hokuspokus um die Wunder-Kugel, die sie nach dem Aufenthaltsort von Kasperl und Seppel befragte. Im Reich des Zauberers gab es neben den Raben auch noch die Unke (Angelika Airich), von der man nur ihre Verkleidung sah und ihre fipsige Stimme hörte. Als schöne Fee Amaryllis war Pia Finke zu sehen, als Bürgermeister Stephan Lorenzen, als sein Sohn Ian Tame, als Frau Rübsamen Birgit Metje und als strenge Lehrerin Emily Fründ. Die Schulkinder sowie die Glitzerelfen, die Raben und das Volk alle namentlich zu nennen, würde zu weit führen. Auch sie trugen zum Gelingen des Stückes bei. Kostüme (Ilona Härtel) und Bühnengestaltung (Philip Öwermann) waren originalgetreu und sehr phantasievoll gestaltet. Dank sprach Volker Kracht allen Mitgliedern auf und hinter der Bühne aus. Regisseur Poyraz Türkay, Komponist Frank Suchland und Spielleiterin Melanie Fründ erhielten als Dankeschön einen üppigen Blumenstrauß.

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