Anmutig: Die Tänzerin und der Tänzer sind in blaues Licht getaucht. Die Choreographien bereicherten das Musical. - © Imme Lohmeyer-Lorek
Anmutig: Die Tänzerin und der Tänzer sind in blaues Licht getaucht. Die Choreographien bereicherten das Musical. | © Imme Lohmeyer-Lorek

Lübbecke Uwe Müllers "Zauberschloss" begeistert das Publikum

Lübbecke. In Uwe Müllers neuem märchenhaften Musical „Das Zauberschloss" lässt die Gräfin (Sarah Kornfeld) junge Männer durch bösen Zauber verschwinden. Bei der Premiere in der Lübbecker Stadthalle verfolgten die Zuschauer gebannt das Bühnengeschehen, das mit Licht- und Nebeleffekten, berauschenden Tanzszenen und einer märchenhaften Kulisse einiges zu bieten hatte. Die Buchvorlage stammt von Oliver Delano, für die Dialoge zeichnet Alexander Feyerabend verantwortlich. Zweieinhalb Stunden lang tauchten die Besucher ein in die idyllische Welt der Handwerker (Müller und Schmiede), die jedoch von einer Hungersnot überschattet wird. Der herzliche und spielerische Umgang der Menschen im Dorf steht im krassen Gegensatz zur düsteren Welt des Zauberschlosses. Dessen bösartige Herrin (Sarah Kornfeld) spielte gekonnt die finstere Verführerin, die in selbstherrlicher Eitelkeit den Spiegel befragte, wie einst die böse Stiefmutter in „Schneewittchen". Begann das Stück noch mit einem fröhlichen Reigen der Dorfbewohner, so kündigte sich schon bald das Böse in dröhnenden Bässen und disharmonischen Akkorden in der Musik an – komponiert von Musikproduzent Uwe Müller. Mit dem ersten Besuch des Liebespaares Peter (Alwin Barg als Sohn des Müllers) und Marie (Sabrina Belz als Tochter des Schmieds) auf dem Zauberschloss nahm das Unheil seinen Lauf. Das Angebot der Gräfin, Peter als ihren persönlichen Unterhalter in ihre Gemäuer zu locken, nahm die Familie notgedrungen an. Hatte das Musical im ersten Teil noch einige Längen zu verzeichnen, so nahm die Handlung nach der Pause rasant an Fahrt auf. Die Szenerie des Schlosses war gelungen. Beeindruckend waren vor allem die Fenster mit den Spitzbögen, die, wenn der Vorhang gelüftet wurde, Menschen aus dem Dorf sichtbar werden ließ. Stark besetzt waren vor allem die Frauenrollen, neben der verruchten Gräfin die bodenständige Heldin Marie. Belz sang im ersten Teil eine hinreißende Arie über die Stärke und die Intuition der Frauen („Wir Frauen haben Verstand") und bewegte den Saal zu einem Extra-Applaus, als sie um ihre verlorene Liebe trauerte. Kornfeld als Gräfin legte einen knisternden Tango aufs Parkett, der gleichermaßen Augenschmaus und Hörgenuss war. Auf ihrem Höhepunkt angelangt war die Handlung, als die Zauberkunst der Gräfin Peter in einen Wolf verwandelte. Alwin Barg als männlicher Held offenbarte einen schönen Tenor, als er den Verlust seiner Liebsten beklagte und machte eine gelungene Metamorphose durch, indem er später als Wolf heulte. Diener Kasimir und Sohn der Gräfin (Markus Wegener mit angenehmem Tenor und zuweilen tiefer Melancholie), zwischen beiden Welten hin und her gerissen, mauserte sich vom treu ergebenen Butler im düsteren Schloss zum Liebhaber und späteren Gatten von Kathrin (Alina Meinold). Thomas Hartkopf spielte den bodenständigen Müller. Als verfremdendes Element auf der Bühne trat der Hofnarr (Mathias Meffers, auch als Schmied) auf, der die Handlung erzählte oder kommentierte. Seine Weisheit erinnerte ein wenig an den Narren aus Shakespeares Komödien. Da es sich um ein Märchen handelt, war das Happy End vorhersehbar, bei dem das Gute schließlich siegte und das Zauberschloss sich unter Getöse in Rauch auflöste. Die Arien des professionellen Teams waren schön anzuhören, die Tanzchoreographien und der Kampf der Wölfe ebenfalls sehr gelungen. Für ein Musical hätte man sich vielleicht mehr Musik gewünscht, vor allem im ersten Teil, in dem die Dialoge etwas ermüdend wirkten. Die Liedtexte, die sich gut zum Singen eigneten, stammten von Sabine Matthäus. Die Regie führte Jürgen Morche von der Folkwanguniversität der Künste mit Hauptsitz in Essen. Für die Produktionsleitung und die Kostüme war Britta Müller verantwortlich. Die Firma Light and Sound Machine (LSM) aus Twiehausen sorgte für einen reibungslosen Ablauf an der Technik. Weitere Aufführungen des Zauberschlosses in der Stadthalle sind am heutigen Samstag um 20 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr.

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