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Engagierter Nettelstedter: Wilfried Röwekamp hat viel Zustimmung für seine Überlegungen zu einem Wohnprojekt auf der alten Hofstelle Gerdom an der Stillestraße erhalten. Die alten Gebäude sollen dann Neubauten weichen. Platz für weitere Bauplätze wäre ebenfalls. Fotos: Joern Spreen-Ledebur|| - © Joern Spreen-Ledebur
Engagierter Nettelstedter: Wilfried Röwekamp hat viel Zustimmung für seine Überlegungen zu einem Wohnprojekt auf der alten Hofstelle Gerdom an der Stillestraße erhalten. Die alten Gebäude sollen dann Neubauten weichen. Platz für weitere Bauplätze wäre ebenfalls. Fotos: Joern Spreen-Ledebur|| | © Joern Spreen-Ledebur

Lübbecke-Nettelstedt Wohnpark für nachbarschaftliches Wohnen in Nettelstedt geplant

Wilfried Röwekamp spricht über die Planungen. 2020 soll die Anlage bezogen werden

Joern Spreen-Ledebur
24.01.2017 | Stand 24.01.2017, 11:31 Uhr

Im Süden erhebt sich das Wiehengebirge, gen Norden schweift der Blick über die parkartige Landschaft. Wilfried Röwekamp umrundet das Grundstück an der Nettelstedter Stillestraße. Die trägt ihren Namen wohl zurecht, von der nahe gelegenen Bundesstraße 65 ist nichts zu hören. Dafür plätschert der Nettelstedter Bach vor sich hin. Ein idyllisches Fleckchen Erde mitten im Dorf ist es, an dem Wilfried Röwekamp Großes vorhat. Intensiv arbeitet Röwekamp an den Plänen für die Wohnanlage an der Stillestraße im Wohnpark Nettelstedt und hat dafür schon viel Zustimmung erhalten. Der 64-Jährige ist Ur-Nettelstedter, arbeitete als kaufmännischer Angestellter, engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Presbyterium der Kirchengemeinde Nettelstedt und ist Kirchmeister. Mit dem Thema habe er sich schön länger beschäftigt, erzählt Röwekamp im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. "Unsere Kinder sind aus dem Haus und werden nicht wieder nach Nettelstedt ziehen." Früher sei ein Kind im Haus geblieben, damit sei alles gesichert gewesen. Das aber sehe heute anders aus. Aber ein Altenheim, das sei nicht sein Ding, merkt der engagierte Nettelstedter an. "Da muss es doch was anderes geben." Gibt es und das entwickelte sich zufällig. Beim Abbruch des Gemeindehauses sei er von Nettelstedtern gefragt worden, was mit dem Grundstück geschehen solle. "Eine Senioren-WG", habe er gemeint. "Ja, mach das doch", habe man ihm geantwortet. Wegen des Umbaus der Kirche habe er sich aber nicht mit anderen Projekten befassen wollen "Die Kirche war 2014 fertig, 2015 brauchte ich, um mich zu erholen", sagt Röwekamp mit einem Schmunzeln. Vergangenes Jahr habe er dann über das Projekt "Nachbarschaftliches Wohnen" nachgedacht und wurde im Juni aktiv. Das frühere Gemeindehaus-Grundstück sei aber wegen der Hanglage nicht geeignet, meint Röwekamp. Bei der Suche nach Flächen sei ihm dann das Gerdom-Grundstück an der Stillestraße aufgefallen. Rund 7.000 Quadratmeter ist das groß, die Hofstelle wird seit vielen Jahren nicht mehr genutzt. Das Grundstück liege zentral und sei eine "ruhige und richtig schöne, gemütliche Ecke." Bei einem Besuch im Lübbecker Bauamt  habe er seine Wohnpark-Ideen vorgestellt und man habe ihm sofort Unterstützung signalisiert. Gleiches galt für die GBSL, dem potenziellen Investor, dem der Nettelstedter seine Überlegungen vorstellte. Auch Lübbeckes Bürgermeister Frank Haberbosch sei angetan - so wie die Hofbesitzerin  Hanna Wetter (geborene Gerdom) und deren Mann Stephan, denen Röwekamp seine Überlegungen erläuterte. Mittlerweile habe die GBSL das Architekturbüro Karl Lindstedt beauftragt, die Kosten für einen Abbruch der Hofgebäude und die Bodenproben zu ermitteln. Wilfried Röwekamp informierte  inzwischen das Presbyterium, die politisch Verantwortung tragenden Nettelstedter, die Dorfgemeinschaft und auch alle Nachbarn - die seien begeistert. "Das waren schon einige Besuche, aber die waren mir wichtig, weil möglichst viele Menschen mit ins Boot geholt werden sollen." Geplant sei nun die Bildung einer Arbeits- und einer Projektgruppe durch die GBSL, die Kirchengemeinde und ihn. Die Interessenten sollten sich ja bei Planung und Bau mit ihren Wünschen einbringen. Zwölf Interessenten haben nach Angaben Röwekamps schon zugesagt, im Projekt an der Stillestraße wohnen zu wollen - der Großteil aus Nettelstedt. Weitere Interessenten aus dem Dorf und aus benachbarten Orten seien willkommen, merkt Wilfried Röwekamp an, bei dem sich Interessierte melden können. Der geeignetste Betreiber solle von der GBSL als potenziellem Investor und der Kirchengemeinde gesucht werden. Selbstbestimmtes Wohnen im Alter in Gemeinschaft - das hatte der frühere Bremer Bürgermeister Henning Scherf vorigen November gegenüber allen Altersgruppen bei einem Vortrag in der Nettelstedter Kirche vorgestellt. Seine eigene Wohngemeinschaft habe Scherf ihm und Pfarrerin Britta Mailänder bei einem Besuch in Bremen vorgestellt, sagt Röwekamp. Noch laufen Verhandlungen und Gespräche. Ziel ist, dass die geplante Anlage im Jahr 2020 bezogen werden kann. Es solle kleine und große Wohnungen geben - zur Miete und zum Kauf. Die Privatsphäre bleibe gewahrt, aber man könne auch die Gemeinschaft suchen - etwa in einem Begegnungsraum. Und ein Café nebst Biergarten soll die Wohnanlage zum Treffpunkt für alle Bürger machen. Das komplette Grundstück Gerdom werde für das Wohnpark-Projekt wohl nicht benötigt, meint Röwekamp. Nach heutigem Stand seien auch einige Bauplätze möglich. Das Wohnpark-Projekt von Röwekamp besticht durch eine Besonderheit: Es sieht drei Gruppen vor. Zur ersten Gruppe gehörten Bürger, bei denen die Kinder aus dem Haus seien, denen das eigene Haus zu groß geworden sei und die deshalb eine kleinere Wohnung suchten. Die zweite Gruppe umfasse das betreute Wohnen, bei dem die Bürger bei Bedarf bestimmte Leistungen einkaufen. Die dritte Gruppe ist eine Wohngruppe mit 24-Stunden- Betreuung. "Diese drei Gruppen sind mir  deshalb so wichtig, weil man im Alter nicht mehr umziehen muss", sagt Wilfried Röwekamp. Man könne so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben, das wünschten sich die Menschen. Unterstützende Leistungen oder die Betreuung über 24 Stunden gebe es dann auf dem Grundstück. Bei Demenz etwa müsse man dann nicht in ein Heim umziehen, sondern könne in vertrauter Umgebung bleiben. Auch an Besucher ist gedacht. Geplant sind einige Zimmer, damit Besucher auch über Nacht bleiben können.

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