Großes Interesse: 160 Menschen sind ins Hotel kahle Wart zur Infoveranstaltung gekommen. - © Sina Wollgramm
Großes Interesse: 160 Menschen sind ins Hotel kahle Wart zur Infoveranstaltung gekommen. | © Sina Wollgramm

Oberbauerschaft Anbieter "Gustav Internet" übernimmt Glasfaserausbau in Oberbauerschaft

Wenn bis Ende des Jahres 430 Verträge zustande kommen, wird jedes Haus mit Glasfasern versorgt. Mehr als 200 Verträge gibt es bereits

Sina Wollgramm

Oberbauerschaft. Das mit dem schnellen Internet ist vielerorts gar kein Thema - in Südafrika funktioniert das Surfen problemlos und so auch in weiten Teilen vom Rest der Welt. In einer Gemeinde sieht das aber ganz anders aus. Das Internetloch hat einen Namen: Oberbauerschaft. Nachdem der Anbieter Eifelnet in Oberbauerschaft den Breitbandausbau an einigen Kästen vorgenmommen hat, gibt es seit Monaten Aufregung. Denn die Leistungen, die Eifelnet versprochen hat, kommen nicht in den Häusern der Bewohner an. Die Glasfaserkabel funktionieren anders als Kupferkabel über Lichtsignale. Sie senden keine Störsignale aus und stören sich somit nicht gegenseitig. Hört sich gut an - aber sie sind nicht bis in die Häuser gelegt. Für Ratlosigkeit unter den Bürgern sorgte dann die Feststellung, dass dort, wo bereits ein Anbieter ausbaut, kein zweiter Anbieter ausbauen darf. Mit Eifelnet ist man in Oberbauerschaft aber nicht zufrieden und so wurde nach einer Lösung gesucht. Diese Lösung trägt nun den Namen Gustav Internet und ist eine Schwester der RWE. Das Ziel: "Gesamt Hüllhorst mit Glasfaser überbauen, um die gesamte Fläche erreichen zu können", sagt Rainer Brachvogel von Gustav Internet. Das sei schon teilweise von Eifelnet gemacht worden, aber nicht zur Zufriedenheit der Bürger. "Wir haben versucht eine Vereinbarung zu treffen, anstelle von Eifelnet den Ausbau anzubieten und einen Obolus an Eifelnet zu bezahlen. Doch das erste Gespräche ist schon gleich gescheitert." Ehrgeiz für Gustav Internet kam in die Sache, "als wir 90 Anrufe aus Oberbauerschaft erhalten haben." Nun bietet Gustav Internet folgendes an: Alle Straßenzüge sollen ausgebaut und die Haushalte mit Glasfaser angeschlossen werden. Wenn 60 Prozent der Haushalte gleichzeitig angeschlossen werden können, legt das Unternehmen los. Damit sich das auch rechnet, müssen bis Jahresende 430 Verträge von den Oberbauerschaftern vorliegen. Nach der Infoveranstaltung vor rund 160 Menschen, sind es insgesamt 200 abgeschlossene Verträge - also knapp die Hälfte. "Die Kupferkabel gehörten ursprünglich der Post und waren Allgemeingut", sagt Brachvogel. "Heute werden diese von der Telekom verwaltet. Es gibt aber Regulierungsbestimmungen. Wenn einer der Anbieter eine gewisse Technologie - das Vectoring - zum Einsatz bringt, ist es wem anders verwehrt, dort auszubauen. Gustav durfte also nicht ausbauen. Funk ist wiederum nur eine Übergangslösung. Also ist die Idee, die Glasfaser in die Häuser und die Straße zu legen." Glasfaser agiere nicht mit Strom, sondern mit Licht und störe sich daher nicht gegenseitig. "Es können also hohe Bandbreiten über 30 bis 40 Kilometer verschickt werden - das geht mit Kupferkabeln nicht." Um Glasfasern ins Haus zu legen, bedarf es der Verträge mit den Mietern und Eigentümern sowie der Stadt, um die Straßen aufmachen zu dürfen. Und genau das wird nun gemacht, vorausgesetzt es kommen 430 Verträge zusammen. Dabei kostet das Angebot 45 Euro im Monat und einmalig 99 Euro für die Rufumleitung. Mit diesen Summen sollen die 1,5 Millionen Euro gedeckt werden, die der Ausbau kostet. Zu den Leistungen gehören dann: keine Volumenbegrenzung mehr und eine Rufnummer, die zur Verfügung gestellt wird. "Dass ist ein Bonbon für die Oberbauerschafter", sagt Brachvogel. Auch eine Flatrate gelte für die Vertragslaufzeit. Wer mehr als eine Rufnummer haben will, zahlt zusätzlich 6,99 Euro im Monat. Bestehende Router "können meistens weiterbenutzt werden. Sie brauchen nur einen Lan-Port". Die 99 Euro fallen erst an, wenn der noch laufende Vertrag ausgelaufen ist. Wer nicht frühzeitig aus seinem Vertrag rauskommt, muss sich also nicht sorgen. Nun werden einige Oberbauerschafter ihre Nachbarn besuchen und ihnen genauer erklären, warum auch sie einen Vertrag abschließen sollten. Dann vielleicht wird auch Oberbauerschaft an die Zukunft angeschlossen.

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