Keine Angst: Tanja Vehlber aus Espelkamp hat früher selber Spinnen und Schlangen gehabt. Sie fängt zu Hause jede Spinne mit dem "Snappy" und bringt sie unverletzt nach draußen. - © Heike von Schulz
Keine Angst: Tanja Vehlber aus Espelkamp hat früher selber Spinnen und Schlangen gehabt. Sie fängt zu Hause jede Spinne mit dem "Snappy" und bringt sie unverletzt nach draußen. | © Heike von Schulz

Lübbecke Große Spinnen bevölkern Lübbeckes Stadthalle

Der Besuch der Spinnen- und Insekten-Ausstellung war eine Herausforderung für Arachnophobiker und eine Freude für Freunde dieser Kreaturen

Heike von Schulz

Lübbecke. Sie sind pelzig, haben acht Beine, bewegen sich schnell, tauchen plötzlich auf. Spinnen verursachen bei vielen Menschen derartigen Ekel, dass Panik und Angststörungen die Lebensqualität erheblich beeinflussen können. Spinnen sind wahrlich nicht jedermanns Sache. Ist der Anblick einer Vogelspinne hinter Glas noch erträglich, ist eine Berührung des Tieres für einen Arachnophobiker undenkbar. Renaldo Neigert aus Bielefeld möchte mit der Vermittlung von Wissen für mehr Verständnis für die faszinierenden Lebewesen werben. Deshalb tourt er mit seiner Riesenspinnen- und Insekten-Ausstellung durch die Lande. In der Lübbecker Stadthalle präsentierte er 98 lebende Kreaturen, dazu 150 Exponate. Mein erster Gedanke: Hoffentlich ist keins der Viecher beim Aufbau der Glasterrarien entkommen. Ich zähle mich nicht zu den extremen Arachnophobikern. Doch ich habe Respekt und muss mich zusammenreißen. Die Präsentation trägt das Prädikat "Pädagogisch wertvoll". Renaldo Neigert sagt, dass er schon vielen Menschen Angst und Ekel vor Spinnen genommen habe. Direkte Konfrontation ist seine Therapie. Ich lehne dankend ab. "Bei den meisten funktioniert es gut", so der 36-jährige Spinnenexperte. Nur einmal habe ein Proband die Spinne fallen lassen, berichtet er. Vogelspinnen sind sehr empfindlich und überleben einen Sturz nicht. Und da ist sie - haarig, braun, enorm groß. Ich zucke zusammen, als Renaldo Neigert das Terrarium öffnet, um sie mit einem Stab hervorzulocken. Die "Theraphosa blondi" ist die größte Vogelspinne der Welt. Dieses Exemplar ist mit seinen elf Jahren schon 17 Zentimeter groß und noch lange nicht ausgewachsen. Respekt. "Sie wird groß wie eine Pizza und stellt sich fauchend auf die Hinterbeine, wenn sie droht. Wenn sie eine Maus gefressen hat, braucht sie bis zu drei Monaten nichts", so Neigert. "Theraphosa blondi" wäre bestimmt lieber in ihrem natürlichen Habitat, dem tropischen Regenwald von Venezuela in ihrer selbstgegrabenen Wohnhöhle. Doch dieses Exemplar wie alle in der Ausstellung stammt aus deutscher Nachzucht und kennt nur sein Terrarium. Wie giftig ist die größte Vogelspinne der Welt? Neigert: "Der Biss tut weh, das Gift ist schwach." Er darf sowieso keine tödlich giftigen Tiere ausstellen. Höchstens wie ein Wespenstich sei die Wirkung. Erstaunlich friedlich hocken die Vogelspinnen aus etwa 50 Arten da. "Wenn heute Abend das Licht aus geht, kommt Bewegung rein. Spinnen sind dämmerungsaktiv", erklärt Neigert. Ich bin froh, dass ich dann weg bin und die Brasilianische Riesenvogelspinne nicht in Aktion erleben muss. Ihr großer behaarter dunkler Körper flößt auch Besucherin Vanessa Swatzky (24) aus Lübbecke Angst ein. Tanja Vehlber aus Espelkamp und ihre Kinder Tom (5) und Talina (7) sind echte Spinnenfreunde und begeistert. Genauso wie Volker Engelke aus Löhne und sein Enkel Leo (7) aus Hüllhorst: "Ich würde nie eine Spinne töten. Ich finde sie faszinierend und es ist grandios, wie sie ihre Netze spinnen." Mir reicht's für heute. Ich wende mich anderen Krabbeltieren zu. Es gibt Insekten, die aussehen, als wären sie nicht von dieser Welt. Riesentausendfüßlern, Gottesanbeterinnen, Gespenstheuschrecken - ungefähr eine Millionen Insektenarten hat die Wissenschaft beschrieben. Doch da draußen - in den Regenwäldern gibt es vermutlich noch weitere Millionen von unentdeckten Arten. Faszinierend.

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