0
Demnächst Heimstätte für Flüchtlinge: Die Mensa der Jahn-Realschule in Lübbecke. - © Tyler Larkin
Demnächst Heimstätte für Flüchtlinge: Die Mensa der Jahn-Realschule in Lübbecke. | © Tyler Larkin

Lübbecke Lübbecker Realschule wird zur Notunterkunft

150 Schüler ziehen sofort um

C. Nieder-Entgelmeier
16.09.2015 | Stand 25.09.2015, 15:45 Uhr
Johannes Hülstrung

Lübbecke. Die Jahn-Realschule in Lübbecke wird kurzfristig zur Notunterkunft für rund 300 Flüchtlinge. Dies gab der Kreis Minden-Lübbecke am Mittwoch bekannt. Erstmals muss damit in OWL eine Schule geräumt werden. Erwartet werden die Flüchtlinge bereits am Wochenende. Die Schule wird ab sofort für die neue Nutzung hergerichtet, sodass dort kein Unterricht mehr stattfinden kann. Am Donnerstag und am Freitag entfällt der Unterricht. Der Schulbetrieb soll in die Pestalozzi-Schule in Lübbecke verlegt werden. Der Kreis Minden-Lübbecke bekommt damit die zweite Flüchtlings-Notunterkunft. „Anders als im bereits leer stehenden Bürogebäude in Porta Westfalica-Veltheim ist es hier von großer Bedeutung, dass wir uns eng mit den direkt Betroffenen absprechen“, sagt Kreisdirektorin Cornelia Schöder, Leiterin des Stabes für Flüchtlingsfragen.Info-Termine in der Stadthalle Die Eltern wurden am Mittwoch benachrichtigt, von „positiven Signalen“ war die Rede. Weitere Informationen bekommen die Eltern am Dienstag, 22. September, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Lübbecke. Alle Bürger sind einen Tag später zur selben Zeit ebenfalls in die Stadthalle eingeladen. Seit 2011 nimmt die Jahn-Realschule keine Schüler mehr in die fünfte Jahrgangsstufe auf. Mit Ende des Schuljahres 2017 soll sie auslaufen. Derzeit besuchen insgesamt 150 Schüler sechs Klassen der Stufen neun und zehn.Fehlende Betten Die Suche nach passenden Gebäuden für die Unterbringung von Flüchtlingen wird immer schwieriger. Kommunen mangelt es jedoch nicht nur an Gebäuden, sondern auch an der Ausstattung für die Notunterkünfte. Es gibt Lieferengpässe bei Zelten, Containern, mobilen Sanitäranlagen, Betten, Decken, Kissen und Hygieneartikeln. In Herford musste die Stadt fehlende Betten bei Ikea kaufen. Zudem erschwert das Vergaberecht die Arbeit von Kommunen als Betreiber von Flüchtlingsunterkünften. Der Städte- und Gemeindebund NRW warnt vor einem Kollaps der Infrastruktur bei der Unterbringung von Flüchtlingen. „Wenn Flüchtlinge mit einer Vorbereitungszeit von lediglich 24 oder zwölf Stunden in die Kommunen gebracht werden, kann nicht geplant, sondern nur noch reagiert werden“, sagt Sprecher Martin Lehrer. Das Vergaberecht bremse Kommunen dabei aus, weil bei einem Auftragswert von mehr als 100.000 Euro eine Ausschreibung durchgeführt werden müsse. „Die Kommunen machen alles, um Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten, sich dabei aber auch gesetzeskonform zu verhalten.“Personalmangel problematisch Unterstützt werden sie dabei von Hilfsorganisationen. Doch auch die Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), des Malteser-Hilfsdienstes und der Johanniter wird durch Lieferschwierigkeiten beeinflusst. Besonders schwierig ist die Anmietung mobiler Sanitäranlagen. „Wir suchen europaweit nach Anbietern“, erklärt der Sprecher des DRK-Landesverbands Westfalen-Lippe, Jürgen Hecker. Die Lieferung von Betten dauert nach Angaben des Johanniter-Regionalverbands OWL sechsmal so lange wie üblich. „Auf Doppelstockbetten müssen wir bis zu sechs Wochen warten“, sagt Sprecher Tobias Eilers. Ähnlich lange Lieferzeiten gebe es bei Decken, Kissen und Hygieneartikeln in großen Mengen. Deshalb greifen die Johanniter und das DRK auf ihre Lager zurück, in denen Feldbetten und anderes Nötige vorrätig sind. Auch die Maltester in der Erzdiözese Paderborn planen ein Lager für Notfälle. „Lager sind wichtig, um die kurzfristigen Anfragen der Bezirksregierung bewältigen zu können“, sagt der Leiter der Notfallvorsorge, Tillman Castillo Romero. „Problematisch ist nicht nur der Mangel an materiellen Ressourcen, sondern vor allem der an Personal.“ Da Flüchtlinge auch in Notunterkünften registriert und medizinisch versorgt würden, werde immer mehr Personal benötigt. „Das Problem wird unterschätzt, denn die Suche nach passenden Mitarbeitern ist schwierig.“

realisiert durch evolver group