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Fachwerk-Idylle mitten im Isenstedter Moor: Auch dieses Gebäude war in Leichtbauweise errichtet, was wegen der schwierigen Gründung notwendig war. - © Eduard Meyer
Fachwerk-Idylle mitten im Isenstedter Moor: Auch dieses Gebäude war in Leichtbauweise errichtet, was wegen der schwierigen Gründung notwendig war. | © Eduard Meyer

Eduard Meyer erinnert an versunkenes Moorbad

Vor gut 75 Jahren gründete der Arzt Eduard Meyer eine besondere Einrichtung am Mittellandkanal

22.08.2015 | Stand 21.08.2015, 20:05 Uhr

Lübbecke-Gehlenbeck. „Es hat eine ruhige Lage, weist ein gemütliches Gasthaus auf, die Liegewiese grenzt direkt an den Mittellandkanal, es gibt einen großen Freiluft- und Sauna-Freizeitbereich“. So wurde 1950 in der Freien Presse noch für eine ganz besondere Einrichtung geworben. Es handelte sich um das „Moor- und Saunabad Isenstedt“. Seit 1939 gibt es das Bauernbad im Moor, das vom Gehlenbecker Arzt Dr. med. Eduard Meyer, der sich seit 1924 dort niedergelassen hatte, gegründet wurde. Es existierte bis zur Erweiterung des Mittellandkanals 1972 und ging in den Fluten der auf Euro-Norm ausgebauten Fahrrinne unter.

An die Geschichte dieser einmaligen Einrichtung erinnert der Sohn des bekannten Gehlenbecker Arztes, sein Sohn Eduard Meyer, jetzt in zwei Vorträgen im „Moorhus“ (¦Info-Kasten). Es ist ihm ein Anliegen, an die Geschichte des seinerzeit sehr bekannten Moor- und Saunabades zu erinnern, das eng mit der Familiengeschichte der Meyers verbunden ist. „Zur Blütezeit haben am ’alten’ Mittellandkanal einmal zehn Häuser gestanden“, erinnert er sich. Außerdem gab es an manchen Tagen bis zu 120 Badeanwendungen mit den Moorpackungen, die direkt in der Nachbarschaft „geerntet“ wurden. Das gesamte Badegebiet umfasste eine Fläche von drei Hektar. Eduard Meyer hat viele alte Amtskarten und findet auf Anhieb die Grundstücke. Der heutige Standort wäre an einer Stelle direkt neben der heutigen Moorbadstraße im Bereich eines dort errichteten Jäger-Hochsitzes zwischen Telegraphenmast 28 und 29. Auf der anderen Kanalseite sieht man das Haus Pott.

Information

Vorträge

Eduard Meyer hält zwei öffentliche Vorträge über das ehemalige Moor- und Saunabad Isenstedt.

Es handelt sich um einen Diavortrag inklusive selbst hergestelltem Schmalfilm von und mit Eduard Meyer im Nabu-Besucherzentrum „Moorhus“.

Der erste Vortrag ist am Mittwoch, 30. September, von 10 bis 12 Uhr.
Der zweite Vortrag ist eine Woche später am Mittwoch, 7. Oktober, von 19 bis 21 Uhr. Eduard Meyer steht anschließend für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.

Das Grundstück war mit Bedacht gewählt worden. Das Bad entstand 1939 inmitten der Torfebene, am südlichen Rand des Mittellandkanals. Es war dazu gedacht, die heimische Bevölkerung mit Moorbädern zu versorgen. Arzt Eduard Meyer verschrieb regelmäßig Moorbäder für seine Patienten, in der Regel zehn bis zwölf Bäder pro Saison, auf Kosten der Krankenkassen selbstverständlich. Sohn Eduard war in den 1960er Jahren als Bademeister tätig: „Es entfiel eine Rezeptgebühr von 50 Pfennigen.“ Die Anlage wuchs nach dem Kriege weiter. Zunächst wurde eine original finnische Sauna gebaut, die erste öffentliche Sauna im damaligen Kreis Lübbecke. 1951 entstand eine Baracke als Gaststätte mit Biergarten und Warteraum.

Schwester Herta und Karl Reichard waren Pächter. Nachfolger wurde Willi Meier aus Tonnenheide, der sich neben der Gaststätte ein stattliches Wohnhaus errichtete. Als ehemaliger Tischler hatte er sich außer Daumen und Zeigefinger drei Finger der rechten Hand abgesägt. Meyer: „Er blieb Pächter bis zum bitteren Ende des Moorbades im Jahre 1972.“
Alle Gebäude waren wegen der schwierigen Gründung in Leichtbauweise errichtet. Meyer: „Mein Vater baute mehrere kleine Häuser, die nach seiner Vorstellung von Kurgästen genutzt werden sollten. Man hatte damals natürlich noch andere Vorstellungen von Komfort. Auch Nachbar-Kurortbädern wie Bad Seebruch bei Vlotho oder Kurhaus Holsing in Bad Holzhausen holten übrigens auch ihr Bade-Moor im Isen-stedter Moor.“

Es blieb mehr oder weniger bei ambulanten Moorbädern, zumal Willi Meier, der in Hüllhorst lebt, sich damals einen kleinen Bus (Borgward Goliath) zulegte und die Badegäste beförderte.
Die Nutzung der kleinen Häuschen diente dann eben mehr privaten Zwecken wie beispielsweise den Bewohnern der Wochenendhäuschen.

Auch die eigene Familie hat die Wochenenden und die wenige verbliebene freie Zeit gerne im Moor verbracht. Eduard Meyer hat mit seinen Eltern und Geschwistern im Moor eine unbeschwerte Kindheit verbracht. „Vor allem mein Vater hat jahrelang im Moor übernachtet und fuhr fast jeden Tag abends mit meiner Mutter in seinem VW-Käfer ins Moor“, weiß der Sohn. Geliebt habe er vor allem die Stille, die Einsamkeit in der Moor-Landschaft, weit ab vom geschäftigen Straßenbetrieb oder größeren Siedlungen. „Er hat dort Kraft getankt für seinen stressigen Beruf“, so Eduard Meyer.
Bis zum Kanal-Ausbau erfreute sich das Moor- und Saunabad Isenstedt allgemeiner Beliebtheit als Moor-Badeanstalt und öffentliche Sauna.

Die Gaststätte mit Gartenwirtschaft wurde gut besucht, besonders an Sommerwochenenden und war sie für Menschen aus Nah und Fern ein beliebtes Ausflugsziel.

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