Boris Pfeiffer
Boris Pfeiffer

Lübbecke Das Kind im Manne

Drei Fragezeichen-Autor Boris Pfeiffer begeistert in der Stadthalle Lübbecke

Tobias Schreiner

Lübbecke. Christian (7) kann nicht stillsitzen. Nicht jetzt. Die Geschichte ist gerade viel zu aufregend. Hibbelig lehnt er sich auf seinem Stuhl von einer Seite auf die andere, klammert sich an die Schulter seiner Mutter. Wie gebannt hängt er an den Lippen eines 50-jährigen Mannes. Dreitagebart, grüner Schlabberpulli, graue Cargohose. Dieser Mann liest vor. Aber wie: Weit aufgerissener Mund, verzerrte Gesichtszüge, Hände und Arme, die wie wild durch die Luft fuchteln. Willkommen in der Welt von Boris Pfeiffer. Es gibt Menschen, die können gute Bücher schreiben. Und es gibt Menschen, die können gut vorlesen. Boris Pfeiffer kann beides. Der Berliner Autor und Schriftsteller hat über 90 Theaterstücke und Bücher geschrieben. Seine bekanntesten Werke: Mehr als 40 Bände von „Die Drei Fragezeichen Kids“. Die schreibt er seit 2005 zusammen mit Ulf Blanck, der die Kinderversion der US-Jugendkrimis seit 1999 verfasst. „Wer sieht, wie Boris Pfeiffer seine Bücher vorträgt, mit welcher Begeisterung er vorliest, der weiß, warum dieser Mann so erfolgreich ist“, schwärmt Andreas Ölschläger, Inhaber der Bücherstube Lübbecke. Er hat den Autor mit Hilfe des Kulturrings Lübbecke in die Stadthalle geholt. Hier steht er nun vor etwa 80 Kindern und Eltern, die alle ausnahmslos seinen Worten lauschen. Pfeiffer liest aus „Die ??? Kids – In letzter Sekunde“. Der Jumboband zum 25. Fall der drei Juniordetektive Justus Jonas, Bob Andrews und Peter Shaw war Pfeiffers erster Roman der Reihe. Das spüren die Zuhörer in jeder Zeile. Pfeiffer betont jede Silbe, streichelt jeden Satz mit so viel Gefühl, als würde er das Buch seit seinem Erscheinen 2005 jeden Abend vor dem Zubettgehen lesen. „In letzter Sekunde“ erzählt, wie Justus, Peter und Bob in ihrer Heimatstadt Rocky Beach nach einer verschwundenen riesigen Kuckucksuhr suchen. Ihre Recherchen führen sie von einem Abenteuer zum nächsten. Die drei Zehnjährigen müssen sogar in verwinkelten Bergwerksstollen die Dunkelheit besiegen und Verbrecher aufspüren, ohne sich in den Tiefen des Berges zu verlieren. Boris Pfeiffer liest und liest, die drei Detektive verirren sich immer weiter in den dunklen Stollen und die Augen der Jungen und Mädchen werden vor Anspannung immer größer. Schließlich, als die Spannung im kleinen Saal der Stadthalle kaum noch zu ertragen ist, klappt Pfeiffer das Buch zu und grinst. Wie die Geschichte ausgeht, müssen die Kinder selbst herausfinden. Nach einer Fragerunde wird der Schriftsteller mit Autogramm- und Fotoanfragen beinahe überrannt. Woher er, der selbst keine Kinder hat, die Begeisterung und Kreativität für seine Bücher und Lesungen nehme, fragt ihn ein Junge aus dem Publikum. „Ich habe selbst als Junge begeistert Die Drei Fragezeichen gelesen. In mir drin bin ich vielleicht auch noch ein großes Kind“, sagt er und lächelt.

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