0
Kreis Minden-Lübbecke

"Ausdruck persönlicher Ablehnung"

Korte äußert sich zu Niermann-Wunsch nach neuem Stellvertreter / Verluste im CDU-Kernland

von tyler larkin und Joern Spreen-Ledebur
19.06.2014 | Stand 17.06.2014, 18:58 Uhr
CDU-Kandidat Hans-Joerg Deichholz (l.) und der wiedergewählte SPD-Landrat Ralf Niermann. - © FOTO: TYLER LARKIN
CDU-Kandidat Hans-Joerg Deichholz (l.) und der wiedergewählte SPD-Landrat Ralf Niermann. | © FOTO: TYLER LARKIN

Kreis Minden-Lübbecke. Der Stichwahlsonntag war ein guter Tag für Ralf Niermann. Wie schon vor drei Wochen, ließ er seinen CDU-Konkurrenten Hans-Joerg Deichholz klar hinter sich und erhielt deutliche 64 Prozent der Wählerstimmen. Niermanns Stimmung hätte unbeschwert sein können, doch er nutzte die Gelegenheit für eine Abrechnung mit dem politischen Gegner, der wiederum Stimmenverluste im christdemokratischem Kernland verarbeiten muss.

Ralf Niermann hatte Sonntagabend den Wunsch geäußert, dass die CDU-Kreisvorsitzende Kirstin Korte in der kommenden Amtsperiode nicht mehr seine Stellvertreterin sein solle. "Das ist meine persönliche Meinung", sagte Niermann dieser Zeitung. Die Betroffene nahm die Äußerung gestern gelassen hin. "Der Landrat hat diesen Satz nach einem Wahlkampf im Moment des Sieges formuliert. Das mag man ihm zugute halten", sagte Korte. "Inhaltlich ist sein Statement Ausdruck der persönlichen Ablehnung, die mir Niermann seit Beginn seiner Amtszeit entgegen bringt - warum auch immer."

Korte wies darauf hin, dass die Entscheidung über die stellvertretenden Landräte nicht bei Niermann liege. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Kampeter, der sich gestern auf dem Weg nach Paris befand, meldete sich zu diesem Thema. "Ich gratuliere Ralf Niermann zum Wahlerfolg. Gleichzeitig weise ich freundlich darauf hin, dass die CDU als stärkste Fraktion im Kreistag selbst entscheiden wird, wen sie als die erste politische Stellvertretung des Landrates vorschlagen wird. Ich bin mir sicher, dass alle Fraktionen im Kreistag die Gemeindeordnung kennen und dem Landrat einen freundlichen Hinweis geben können", sagte Kampeter.

Information

Niermann nach dem Wahlsieg

Unschönes Nachtreten

Tyler Larkin
Zur sonntäglichen Tatort-Zeit war die Welt der Genossen schwer in Ordnung. Nach der knapp verpassten absoluten Mehrheit am 25. Mai machte Ralf Niermann im zweiten Anlauf mit über 60 Prozent alles klar. Von der mageren Wahlbeteiligung mal abgesehen, hätte der Tag kaum besser laufen können.

Doch der Landrat hatte noch ein paar Rechnungen offen. Zwischen Chef und Mitarbeiter könne ein Wahlkampf Spuren hinterlassen, sagte Niermann vieldeutig. Muss sein Sozialdezernent Hans-Joerg Deichholz nun mit Konsequenzen am Arbeitsplatz rechnen? Auch seine private Meinung über Kirstin Korte hätte der Landrat weiterhin für sich behalten können.
 
Eigentlich ist der Wahlkampf mit der Stimmauszählung beendet. Das öffentliche Nachtreten hinterlässt unschöne Flecken auf dem ansonsten makellosen Wahl-erfolg der Sozialdemokraten.

Mit den Ergebnissen der Stichwahl dürften sich die Christdemokraten in Espelkamp, Rahden und Stemwede beschäftigen. Der Nordkreis war bislang das sichere Kernland für die CDU, doch gab es am Sonntag im Norden des Lübbecker Landes einige überraschende Ergebnisse. In Espelkamp etwa lag CDU-Kandidat Hans-Joerg Deichholz zwar unterm Strich vor SPD-Mann Ralf Niermann - allerdings gerade einmal um einen halben Prozentpunkt. Beide Bewerber trennten lediglich 22 Stimmen.

In Teilen des Zentrums lag Niermann sogar vorn, und in Frotheim landete Niermann mit 70,06 Prozent vor Deichholz. Mit 76,4 Prozent holte Deichholz im Zentrums-Bezirk 1 sein bestes Espelkamper Ergebnis.

Verwundert die Augen gerieben haben dürften sich aber auch die Stemweder Christdemokraten. Im Rat haben sie gerade erstmals seit Bestehen der Gemeinde Stemwede keine absolute Mehrheit mehr, und auch bei der Stichwahl gab es Niederlagen - die bei der SPD wiederum für Frohlocken gesorgt haben dürften. Nicht einmal drei Prozent trennten in Stemwede die beiden Kandidaten.

In den Stimmbezirken Dielingen II, Drohne/Dielingen, Haldem I, Haldem-Arrenkamp, Westrup-Wehdem und Levern lag Niermann vorn - in Levern sogar mit 69,7 Prozent. Die schlechteste Wahlbeteiligung gab es im Bezirk Dielingen I - magere 7,95 Prozent.

In Rahden sieht das ähnlich aus, wenngleich dort rund sechs Prozent die Kandidaten trennen. In Wehe-Dorf, Kleinendorf-West, Rahden-Stelle und Rahden-Nord lag Niermann teils deutlich vor Deichholz. Deichholz verbuchte mit knapp 71 Prozent sein bestes Ergebnis in Kleinendorf-Nord, Niermann mit gut 60 Prozent sein bestes Ergebnis in Rahden-Stelle. Mit 11 Prozent hatte Rahden-Mitte übrigens die schlechteste Wahlbeteiligung. Ob?s am Stadtfest lag?

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

Newsletter abonnieren

Newsletter Lübbecker Land

Im Lübbecker Land sind wir für Sie ganz nah dran an den Themen, die Sie interessieren. Aktuelle Nachrichten, spannende Geschichten, wichtige Infos. Das alles senden wir Ihnen zwei Mal in der Woche, immer am Dienstag und am Donnerstag, in unserem Newsletter zu.

Wunderbar. Fast geschafft!