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Handwerkskunst aus dem Erzgebirge: Siegfried und Sigrid Israel präsentieren zwei prägenden Figuren - ein Räuchermännchen und einen Nussknacker-König. - © Klaus Frensing
Handwerkskunst aus dem Erzgebirge: Siegfried und Sigrid Israel präsentieren zwei prägenden Figuren - ein Räuchermännchen und einen Nussknacker-König. | © Klaus Frensing

Hüllhorst Spielzeugmuseum zeigt Sonderausstellung "Weihnachtliches Erzgebirge"

Sigrid und Siegfried Israel präsentieren den Besuchern eine umfassende Sammlung erzgebirgischer Handwerkskunst. Was sich dort alles entdecken lässt.

Klaus Frensing
08.11.2019 | Stand 08.11.2019, 16:38 Uhr

Hüllhorst-Schnathorst. Nussknacker-König und Räuchermännchen, Pyramiden und Schwibbögen, Kurende-Sänger und Engelskapellen, Leuchter, Krippen und unzählige Figuren - das Spielzeugmuseum im Mühlenkreis in Schnathorst an der Dorfstraße lädt ab dem 10. November zu einer Sonderausstellung "Weihnachtliches Erzgebirge" ein und präsentiert eine umfassende Sammlung erzgebirgischer Handwerkskunst . Zu jedem Exponat gibt es eine Geschichte Ihre Leidenschaft für ihr Museum ist ihnen mit jedem Wort anzumerken. Mit leuchtendem Augen führen Sigrid und Siegfried Israel die Besucher vom Keller bis unters Dach durch ihr Spielzeugmuseum und können zu jedem Exponat eine Geschichte erzählen. Ein Stück Kultur- und Wirtschaftsgeschichte In den kommenden Wochen steht die in der ganzen Welt bekannte erzgebirgische Handwerkskunst von Holzspielzeug und Weihnachtsschmuck im Mittelpunkt. Ihre Sonderausstellung "Weihnachtliches Erzgebirge" präsentiert aber nicht nur viele wunderschöne Exponate, sondern erzählt auch ein Stück Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Bereits im 13. Jahrhundert begann der Abbau von Erzen im Erzgebirge. Im östlichen Teil, im heutigen Seiffener Gebiet, wurde vor allem Zinn abgebaut, anfangs hauptsächlich durch Auswaschen des Talschutts. Dieses "Ausseifen" hat dem heute gut 2.000 Einwohner zählende Ort seinen Namen verliehen. Stollen und Schächte in den Berg getrieben Ab dem 16. Jahrhundert wurden Stollen und Schächte in den Berg getrieben. Die Ausbeute war jedoch so gering, dass die Bergleute, die als "Eigenlehner" selbstständig in ihren eigenen Gruben arbeiteten, darauf angewiesen waren im Nebenerwerb eine Landwirtschaft zu betreiben oder einen zweiten Beruf auszuüben. Da Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung stand wurde in Seiffen Holz schon im 16. Jahrhundert zu Schüsseln und Schaufeln verarbeitet. Mitte des 17. Jahrhunderts wurden erstmals ansässige Holzdrechsler urkundlich genannt, die Gebrauchsgegenstände wie Teller, Knöpfe oder Spindeln herstellten. "Auch die Kinder mussten mitarbeitern" Mit dem Niedergang des Bergbaus Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Holzbearbeitung in immer stärkerem Maße. "Bereits frühzeitig wurde dabei neben Gebrauchsgegenständen auch Spielzeug hergestellt und in Seiffen entwickelte sich eine bis heute etablierte Spiel- und Weihnachtswarenherstellung auf Basis von Familienunternehmen. "Alle Familienmitglieder, auch die Kinder mussten damals mitarbeiten, um das Überleben zu sichern.", berichtet Sigrid Israel. Ab 1760 wurde „Seiffener Ware" über die Handelsplätze Nürnberg und Leipzig europaweit gehandelt, ab 1784 auch nach Übersee exportiert. Die Seiffener Holzprodukte konnten sich gegenüber den Erzeugnissen anderer Spielzeugzentren rasch durchsetzen, da sie wegen des niedrigen Lohnniveaus im Erzgebirge günstig und zudem in großer Sortimentsvielfalt massenweise produziert werden konnten."Um 1850 wurden für 60 springende Pferde mit Reiter 1,20 Reichsmark bezahlt", weiß Siegfried Israel um die Geschichte. Das Holzwarengewerbe wurde Anfang des 19. Jahrhunderts um das Reifendrehen erweitert und aus den gedrechselten Holzreifen wurden filigrane Figuren geschnitzt. Dieses Handwerk entwickelte sich bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum bestimmenden Wirtschaftsfaktor Seiffens. 1868 verdienten 937 von 1.438 Einwohner ihren Lebensunterhalt mit der Spiel- und Holzwarenherstellung. Seiffen wird auch als Spielzeugdorf bezeichnet Die Wirtschaftsstruktur Seiffens wird von Herstellung und Vertrieb traditioneller erzgebirgischer Volkskunsterzeugnisse geprägt. Innerhalb des Erzgebirges ist Seiffen eine zentrale Produktions- und Verkaufsstätte von Holzspielwaren und wird deshalb auch als Spielzeugdorf bezeichnet. Die Herstellung der Volkskunstprodukte erfolgt überwiegend in über 140 klein- und mittelständischen Werkstätten, Familien- und Handwerksbetrieben. "Produktion und Verkauf von Volkskunstprodukten prägen das Ortsbild, entlang der Hauptstraße reihen sich zahlreiche Schauwerkstätten und Volkskunstgeschäfte. Während der Adventszeit besuchen an den Wochenenden tausende von Besuchern Seiffen", erzählen Israels. Die Besuchszeiten der Sonderausstellung Der Besuch des Sonderausstellung und des Spielzeugmuseums ist einfach ein Muss für jeden Spielzeugfreund. Eröffnet wird das "Weihnachtliche Erzgebirge" am Sonntag, 10. November, um 14 Uhr. Anschließend ist das Spielzeugmuseum am 24. und 25. November, am 7. und 8. sowie 21. und 22. Dezember und im neuen Jahr am 11. und 12. sowie am 25. und 25. Januar jeweils in der Zeit von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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