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Eine charmante Geschichte: Karin Müller hat das Stück "Vom Winde verwirrt" mit Don Quijote de la Mancha und Sancho Panza nur einmal aufgeführt. Viel zu schade für den großen Aufwand. - © Heike von Schulz
Eine charmante Geschichte: Karin Müller hat das Stück "Vom Winde verwirrt" mit Don Quijote de la Mancha und Sancho Panza nur einmal aufgeführt. Viel zu schade für den großen Aufwand. | © Heike von Schulz

Hüllhorst Diese Frau lässt die Puppen tanzen

Karin Müller hat eine Welt der Fantasie geschaffen und lässt andere an ihren herzerwärmenden Geschichten teilhaben. Ein neues Projekt ist auch geplant.

Heike von Schulz
23.05.2019 | Stand 22.05.2019, 17:03 Uhr

Hüllhorst-Büttendorf. So viele Geschichten, die erzählt werden wollen. Könnten die Wesen in der Büttendorfer Mühle sprechen, wäre das Stimmengewirr undurchdringlich. Karin Müllers Augen leuchten, wenn sie durch den Mühlenturm geht. Sie ist die Erschafferin der Figuren, Marionetten und Puppen, die auf den vier Ebenen in dem kleinen Museum wohnen. Sie hat sie gebaut und ihnen mit ihren Geschichten, die zum Lachen, zum Nachdenken anregen und die Seele berühren, Leben eingehaucht. „Ich rede mich noch um Kopf und Kragen", meint sie, weil sie so gerne erzählt. Dabei soll sie bei ihrem neuesten Projekt nichts sagen. „Das wird eine harte Schule", meint sie lachend. Es gehe um Hermann Hesses Gedicht „Sprache" und das Gedicht „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren" von Novalis und um den armen Poeten aus dem Bild des Malers Carl Spitzweg. Mit einfacher Kulisse, Licht und Ton Wirkung erzielen Zusammen mit der Stimm- und Sprechtherapeutin Ronja Ernsting aus Minden plant sie ein Stück mit Pantomime, Masken, leichten Figuren. Mit einfacher Kulisse, Licht und Ton möchte sie tiefe Wirkung erzielen. Im September könnte das Projekt auf Bühnen in Minden uraufgeführt werden. Karin Müller ist in der Region bekannt durch ihre herzerwärmenden Figurentheaterstücke zur Weihnachtszeit und anderen Anlässen, an denen nicht nur Kinder Freude haben. Die 61-Jährige ist seit 30 Jahren Marionettenbauerin, Malerin, Drehbuchautorin, Bühnenbildnerin, Schauspielerin. Eine Künstlerin, der die Ideen nicht ausgehen. Liebevoll packt sie Luther am Nacken, der auf einem Stuhl mit Katharina von Bora, Melanchthon und Ablassprediger Tetzel hockt. Die „Tafelrunde" heißt das Stück, dass sie passend zum Lutherjahr in Kirchen in Ennigloh, Lübbecke und Hüllhorst aufführte. „Bei den Dialogen haben Ehrenamtliche aus den Kirchengemeinden mitgewirkt, das kam gut an", erzählt sie. Nicht weit davon lümmeln Don Quijote de la Mancha und Sancho Panza in einem Sessel. Viel Arbeit und viel Energie Sie sind die Protagonisten des Theaterstückes „Vom Winde verwirrt" für Erwachsene, das Karin Müller zum Theatersommer des Land-Art-Festivals vor zwei Jahren in ihrem Garten aufführte. Nur einmal und dann nie wieder. „Das macht alles unheimlich viel Arbeit", sagt sie und berichtet von den aufwendigen Figuren und Kulissen. Alles entsteht in ihrer Werkstatt in Handarbeit. Eigentlich sei ihr Leben im Moment ein Desaster. Sie erwähnt den Wasserschaden in ihrem Wohnhaus, die Lungenentzündung, die sie im vergangenen Jahr gerade so überstanden hat und ihre demente Mutter. „Meine Energie ist wieder da, aber ich möchte sie anders dosieren", hat sie sich vorgenommen. Leichte Kulissen, fragile Puppen, wenig Material schweben ihr vor. Vor 30 Jahren hat sie mit ihrem Mann Peter die Büttendorfer Mühle übernommen und zu einem Kleinod der Puppenspielkunst gemacht, wo Fantasie und Wirklichkeit verschmelzen und wo sie ihren Besucher ein „Stück vom Glück" mit auf den Weg gibt. »Manchmal machen die Figuren, was sie wollen« Für ihre wunderschönen Marionetten ist sie in der Puppenspielerszene bekannt. Beigebracht hat sich die gelernte Krankenpflegerin, die in psychiatrischen Abteilungen in Lübbecke, Bethel und Berlin gearbeitet hat, ihre Fertigkeiten selbst. „Ich habe handwerklich viel ausprobiert. Das Zeichnen und Malen wurde mir in die Wiege gelegt", sagt sie. Gesicht und Körperteile der Puppen gestaltet sie aus Schaumstoff, Pappmaché oder Ton. Manchmal würden die Figuren machen, was sie wollen. Die Künstlerin: „Sie entwickeln eine Eigendynamik, das ist die eigentliche Magie." Eine neue Idee für das 15. Figurentheaterstück für die kommende Weihnachtszeit hat sie bereits im Kopf und erzählt von einer kleinen Seele, die nicht zur Ruhe kommt und von den Menschen durchs Leben geschleppt wird. Hauptsache, die Geschichte kommt von Herzen und hat Tiefgang mit Glück, Traurigkeit und Humor. Das ist ihre Devise. Nebenbei übt die Puppenspielerin Akkordeon Wenn der Wind schräge Töne in Moll durch den wilden Garten an der Büttendorfer Mühle trägt, alte Klezmer-Melodien oder melancholische irische Volkslieder erklingen, dann übt Karin Müller auf ihrem Akkordeon. „Ich bin hin und weg von diesem Instrument. Vor einem Monat überkam es mich wie aus heiterem Himmel. Jetzt übe ich jeden Tag", so die Frau, die sich selbst gerne überrascht. Info: Wer sich für die Marionetten-Sammlung in der Büttendorfer Mühle interessiert, kann einen Besichtigungstermin unter Tel. (0 57 44) 92 06 55 oder per E-Mail unterinfo@millart.devereinbaren.

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