So sieht Friedhelm Sauerländers Garten im Sommer aus. - © Friedhelm Sauerländer
So sieht Friedhelm Sauerländers Garten im Sommer aus. | © Friedhelm Sauerländer

Lübbecker Land Das sagt der Naturgarten-Experte zu Vorschriften für Vorgärten

Michael Lenger aus Hüllhorst spricht über die natürliche Gartengestaltung und über die Verantwortung der Kommunen

Judith Gladow
19.05.2019 | Stand 19.05.2019, 11:23 Uhr

Lübbecke/Hüllhorst. Stein- und Kiesgärten mit keinem bis wenig Grün sind ein Extrem. Die Stadt Herford hat sie für neue Baugebiete verboten. Auch der Bauausschuss in Lübbecke will sie in Eilhausen nicht mehr haben. Auf der anderen Seite der Bandbreite der Gartengestaltung liegt der Naturgarten. Einer, der sich damit genau auskennt, ist Michael Lenger. Entsprechend enthusiastisch wird der Naturgarten-Experte aus Hüllhorst, wenn er über sein Metier spricht. Wie etwa in Friedhelm Sauerländers Garten in Stockhausen. Der pensionierte Schulleiter des Wittekind-Gymnasiums hat sich hinter seinem Haus von dem Gartenbauer auf einer 2011 zusätzlich erworbenen Fläche einen Naturgarten anlegen lassen. Er grenzt direkt an seinen Bauerngarten. Ein Eldorado für Hummeln, Bienen und Singvögel Es gibt eine Wiese, zahlreiche Wildrosenarten, Hochbeete mit Stauden und mittendrin sogar ein Feuchtbiotop. Totholz wird direkt im Garten belassen und ist für viele Kleintiere ein guter Unterschlupf. „Viel Arbeit macht das nicht", meint Sauerländer. „Im Bauerngarten muss ich in der Hochsaison zwei Mal die Woche mähen, die Wiese hier mähe ich zwei Mal im Jahr." Und Michael Lenger fügt hinzu: „In einem konventionellen Garten kann man, wenn man den sehr akribisch pflegt, sehr viel Zeit lassen." Sauerländer und Lenger erklären beim Gang durch den Garten die Bedeutung verschiedener Pflanzen, die sich zum Teil einfach selbst ausgesät haben. Hier die breiten Blätter des Salbeis, dort bietet Weißdorn mit seinen leuchtend weißen Blüten ein Eldorado für Hummeln und Bienen. Die Wilde Karde ist die Naturgarten-Pflanze schlechthin Und richtig bunt wird es ab Ende Juni, wenn noch viel mehr Pflanzen um Bestäuber buhlen. „Das hier ist die Wilde Karde", sagt Lenger und zeigt auf einige kreisförmig angeordnete, spitze und lange Blätter. „Die ist die klassische Pflanze im Naturgarten." Sie bildet weißliche bis violette Blütenblätter aus, die in einem bis zu zehn Zentimeter großen, länglichen Blütenstand sitzen. Das ist den ganzen Sommer eine Nahrungsquelle für Bienen und andere Bestäuber. „Und die Samen fressen Stieglitze gerne", erzählt Sauerländer, der im vergangenen Jahr erstmals den bunten Vogel bei sich beobachten konnte. Insgesamt biete also ein Naturgarten mit heimischen Pflanzen nicht nur den Insekten ein Refugium, sondern auch zu jeder Jahreszeit was fürs Auge, findet Sauerländer. Auch für Vorgärten oder kleinere Flächen könne eine natürliche Gestaltung gewählt werden. Warum nährstoffreiche Böden schwieriger sind „Im Prinzip reichen zwei Quadratmeter", sagt Lenger. Dafür empfiehlt der Experte Stauden wie Katzenminze, flachen Oreganum oder Schafgarbe. Am besten eignen würden sich magere Böden. „Nährstoffreiche Beete erfordern mehr Sorgfalt, weil dort mehr Unkraut wächst." Wer Platz für einen kleinen Baum hat, könne etwa Zierapfel oder Weißdorn pflanzen.Bei all dieser Begeisterung für bunte, naturbelassene Gärten, wundert es kaum, dass weder Sauerländer noch Lenger betonierte oder versiegelte Flächen in Garten und Vorgarten begrüßen. Dennoch: „Von Verboten halte ich generell nicht viel", meint Michael Lenger und Friedhelm Sauerländer ergänzt: „Einsicht wäre besser." Auf der anderen Seite räumt der Naturgarten-Experte auch ein, dass ein Umdenken zwar spürbar vorhanden, aber längst nicht konsequent genug wäre. „Es wäre sinnvoller, wenn die Städte und Gemeinden mit gutem Beispiel voran gingen."

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