Kundgebung: Der Hof der Ilex-Halle war mit Zäunen abgesperrt, hinter denen im August 2017 rund 250 Demonstranten friedlich gegen die AfD und deren Spitzenmann Alexander Gauland protestierten. - © Foto: Joern spreen-Ledebur
Kundgebung: Der Hof der Ilex-Halle war mit Zäunen abgesperrt, hinter denen im August 2017 rund 250 Demonstranten friedlich gegen die AfD und deren Spitzenmann Alexander Gauland protestierten. | © Foto: Joern spreen-Ledebur

Hüllhorst AfD-Veranstaltung: Hüllhorster Parteien geben sich gelassen

Die AfD lädt erneut in die Ilex-Halle ein zum "Bürgerdialog"

Frank Hartmann
12.01.2019 | Stand 14.01.2019, 14:21 Uhr
Kirsten Tirre

Hüllhorst. Als im Herbst 2017 der damalige Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) und heutige Bundesvorsitzende Alexander Gauland in der Hüllhorster Ilex-Halle vor 200 Zuhörern sprach, rief das 250 Protestler auf den Plan, die friedlich vor der Halle demonstrierten. Jetzt lädt die AfD erneut in die Ilex-Halle ein. Beim "Bürgerdialog" am 21. Januar um 19 Uhr sprechen drei Abgeordnete der AfD-Bundestagsfraktion, die auch Gastgeber ist, über Wirtschafts- und Außenpolitik, Sicherheit und die NATO. Die drei Abgeordneten sind Harald Weyel, Jürgen Lucassen und Roland Hartwig. Harald Weyel (59), geboren in Herborn (Dillkreis), ist Professor der Betriebswirtschaft. Seit 2013 gehört er der AfD an und ist seit 2015 stellvertretender Kreissprecher der Partei im Rheinisch-Bergischen Kreis, Mitglied der Landesfachausschüsse Wirtschaft und Energie, Außen- und Sicherheitspolitik sowie EU, Euro, Banken. Seit 2017 ist er Mitglied des Bundestages. Jürgen Lucassen, geboren am 19. August 1951 in Dollerupholz, studierte Wirtschaftswissenschaft und war 34 Jahre bei der Bundeswehr beschäftigt. Mit dem Dienstgrad Oberst im Generalstab schied er 2006 aus der Truppe aus. Elf Jahre war er zudem Geschäftsführer einer Bonner Firma. Seit 2016 ist er in der AfD und Mitglied des Landesfachausschusses NRW für Außen- und Sicherheitspolitik. Lucassen ist verheiratet und hat zwei Kinder. Hartwig ist promovierter Jurist Roland Hartwig, geboren am 22. September 1954 in Berlin, ist promovierter Jurist. Er ist geschieden und hat fünf Kinder. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er am Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht mit, promovierte über das Thema "Vorteilsgewährung und Bestechung als Wirtschaftsstraftaten" und trat 1984 in die Rechtsabteilung der Bayer AG in Leverkusen ein. Er war Leiter der zentralen Patentabteilung und von 1999 bis 2016 Chefsyndikus des Bayer-Konzerns für die Bereiche Recht, Patente, Versicherungen und Datenschutz. Seit seinem altersbedingten Ausscheiden aus der Bayer AG ist er als Rechtsanwalt tätig. Mitglied der AfD ist er seit 2013. Auf der Facebookseite "AfD-Gemeindeverband Hüllhorst" (Anm. d. R.: der noch gar nicht existiert) wurde die Veranstaltung am 4. Januar geteilt. Der Post interessierte bis gestern lediglich 36 Leute. Nur zwei hatten ihn geliked. Dass die AfD zur Kommunalwahl 2020 mit eigenen Kandidaten in den Wahlkampf ziehen will, hält ein Hüllhorster Kommunalpolitiker für unzweifelhaft. Ob die Partei allerdings auch Kandidaten für alle Wahlbezirke finden wird, schon: "Es ist einfacher, sein Kreuz anonym auf einem Wahlzettel zu machen, als Gesicht zu zeigen." Im Herbst 2017 riefen der heutige SPD-Gemeindeverbandsvorsitzende Niklas Krusberski und Benjamin Rauer (Bündnis 90/Die Grünen Hüllhorst) zu der Demonstration gegen den Gauland-Auftritt in der Ilex-Halle auf. Das Motto damals: "Menschenrechte statt rechte Menschen". Und auch bei der Veranstaltung am 21. Januar muss die Alternative für Deutschland wohl mit Gegenwind von verschiedenen Seiten rechnen. Zumindest gibt es nach NW-Informationen entsprechende Vorgespräche, und das Bündnis "Hüllhorst ist bunt" hat bei Facebook zu einer "Gegendemo" aufgerufen. »Standfeste Demokratie kann so etwas aushalten« Gefragt nach seiner Meinung zu der erneuten Veranstaltung der AfD in Hüllhorst, antwortet Kommunalpolitiker Lars Wunderlich (UHU): "Wir sehen in der Veranstaltung einen normalen Akt der Vermietung der Halle. Nicht mehr und nicht weniger. Nach dem demokratischen Grundgedanken sehen wir hier keine Veranlassung zu weiteren Aktivitäten unsererseits hinsichtlich der Veranstaltung." Jürgen Friese, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hält es mit knappen, aber deutlichen Worten: "Ich will die Partei nicht kennen und sie interessiert mich auch nicht. Die AfD wird viel zu stark in den Mittelpunkt gerückt." CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Kasche sagt, er könne keine Aussage treffen: "Wir von der Fraktion hatten hierzu noch kein Treffen in diesem Jahr, auf dem wir dies besprechen konnten. Daher kann ich keine Fraktionsaussage tätigen." FDP-Ratsmitglied Andreas Sand sagt, dass es das gute Recht der AfD sei, die Halle anzumieten: "Gemeinschaftlich haben die Hüllhorster Parteien im Rat sich dazu entschieden, dass auch politische Parteien die Ilex-Halle mieten können. Sie steht also auch anderen politischen Organisationen zur Verfügung. Eine Absage oder eine dementsprechende Verortung in den Nutzungsbedingungen der Ilex- Halle wäre rechtlich womöglich angreifbar und könnte vor Gericht gekippt werden. Diese Blöße sollte sich die Gemeinde nicht geben." Eine standfeste Demokratie könne so eine Veranstaltung aushalten: "Im Gegenteil. Durch diese Veranstaltung haben wir als Hüllhorster Bürger wieder Gelegenheit, uns als Einheit darzustellen und allen deutlich zu machen, dass rechtspopulistische Parteien in Hüllhorst keine allzu großen Sympathien vorfinden werden." "Als Einheit darstellen" Ob der Protest lautstark durch trommeln und pfeifen kundgetan wird oder durch einen stillen Protest, bleibe jedem selbst überlassen. Wichtig sei, dass es friedlich bleibe: "Bei der ersten Veranstaltung konnte man sehr viele Jugendliche und Schüler unserer Gesamtschule beobachten, wie sie sich am Protest beteiligt haben. Das war auch ein ganz starkes Signal. Die Jugend steht zusammen gegen rechtspopulistisches Gedankengut. Als Freier Demokrat erfüllt mich das mit einer gewissen Freude, zeigt es doch, dass unsere Jugend keinen Nährboden für braune Ideale bietet. Weiter so." SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Picker sieht es so: "Als die AfD das erste Mal eine Veranstaltung in der Ilexhalle durchgeführt hat, haben mehrere hundert Hüllhorster mit ihrem Protest sehr lautstark und deutlich gezeigt, was sie von Herrn Gauland und der Politik der AfD halten. Dieses Mal sollte man der Sache keine Aufmerksamkeit schenken, frei nach dem Motto: Die AfD ist da und keinen interessiert es." Und was sagt der Bürgermeister und Hausherr der Ilex-Halle zur erneuten Veranstaltung der AfD in Hüllhorst? Schlicht: "Kein Kommentar."

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