Einsatzbesprechung: Der Leitende Notarzt (LNA) Jan Persson, Einsatzleiter (EL) Meik Knollmann und der Organisatorische Leiter Rettungsdienst (OrgL RD) Hans-Jürgen Knizewski stimmen das taktische Vorgehen ab. - © Volker Dau
Einsatzbesprechung: Der Leitende Notarzt (LNA) Jan Persson, Einsatzleiter (EL) Meik Knollmann und der Organisatorische Leiter Rettungsdienst (OrgL RD) Hans-Jürgen Knizewski stimmen das taktische Vorgehen ab. | © Volker Dau

Hüllhorst Für den Ernstfall gut gerüstet

Rettung geglückt: Feuerwehr Hüllhorst und der Rettungsdienst des Kreises Minden-Lübbecke veranstalten gemeinsame Einsatzübung

Hüllhorst. Am Wohnheim "Holzfeld" der Lebenshilfe in Hüllhorst versorgen Notärzte, Notfallsanitäter und andere Helfer verletzte Menschen auf einer Rasenfläche. Aus einigen Fenstern des Wohnheims dringt Rauch. Vorsichtig transportieren Einsatzkräfte der Feuerwehr Menschen auf Krankentragen zu bereitstehenden Rettungswagen. Was auf den ersten Blick wie ein großes Brand- und Unfallszenario aussieht, ist aber kein realer Einsatz, sondern eine gemeinsame Übung des Rettungsdienstes des Kreises Minden-Lübbecke, des DRK und der Feuerwehr Hüllhorst. Für die Übung haben die etwa 100 beteiligten Einsatzkräfte ein Schadensereignis angenommen: Im Erdgeschoss des Wohnheims ist es zu einer starken Rauchentwicklung wegen eines Feuers in einem Bewohnerzimmer gekommen. Innerhalb kürzester Zeit ist das Erdgeschoss des Gebäudes verraucht. Die Feuerwehr wird durch Auslösen der Brandmeldeanlage alarmiert. Etwa zehn Personen werden vermisst. Daher wird sofort zusätzlich Alarm für weitere Rettungskräfte nach dem Einsatzstichwort "MANV 10" (Massenanfall von Verletzten) ausgelöst. Drei Einsatzabschnitte bildete Einsatzleiter Gemeindebrandinspektor Meik Knollmann von der Feuerwehr Hüllhorst. Der Einsatzabschnitt 1 mit drei Löschfahrzeugen (HLF 20 aus Hüllhorst, Schnathorst und Oberbauerschaft) hatte die Aufgabe, die Vermissten zu suchen und zu retten sowie die Brandbekämpfung im Haus einzuleiten. Der Einsatzabschnitt 2 mit zwei Löschfahrzeugen (LF 20 Holsen und TSF-W Bröderhausen), dem Gerätewagen Logistik der Löschgruppe Schnathorst, dem Vorausrüstwagen (VRW) und Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) der Löschgruppe Hüllhorst schützte mit einer sogenannten Riegelstellung den vom Feuer noch nicht betroffenen Gebäudekomplex und unterstützte den Rettungsdienst. Die medizinische Rettung bildete den dritten Einsatzabschnitt. »Jeder Handgriff muss sitzen, alle Abläufe müssen geprobt sein« Der Ablauf bei einer Schadenslage mit einer Vielzahl von verletzten oder erkrankten Personen muss bereits im Vorfeld umfassend geplant und vorbereitet werden. Alle Rettungskräfte müssen vorbereitet sein, jeder Handgriff muss sitzen, alle Ablaufe müssen einstudiert sein. Der Kreis Minden-Lübbecke hat für dieses glücklicherweise recht seltene Szenario einen Einsatzplan für Schadensereignisse mit einer größeren Anzahl Verletzter oder Erkrankter, den sogenannten "MANV-Plan", aufgestellt. Bei der Übung in Hüllhorst gab es dieses Mal sogar eine Besonderheit: Es wurden nicht, wie sonst oft üblich, verletzte oder vermisste Personen von Statisten gemimt, sondern von den tatsächlichen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Wohnheims. Bei den Bewohnern handelt es sich um Menschen mit geistiger und teilweise mit körperlicher Behinderung - vom Rollstuhlfahrer bis hin zum bettlägerigen Patienten. Das Szenario war damit sehr authentisch, denn auch in realen Einsatzlagen haben die Rettungskräfte oft mit Menschen zu tun, die besondere Hilfe benötigen. Bei einem Ereignis dieser Art sind in engen zeitlichen Grenzen die Patienten zu sichten, zu behandeln und in geeignete Krankenhäuser zu transportieren. Als rettungsdienstliche Besonderheit ist zu beachten, dass die Kapazitäten des Regelrettungsdienstes nicht ausreichen, um rasch im erforderlichen Umfang tätig werden zu können. Es müssen vielmehr zusätzliche Kräfte herangeführt werden. Neben dem Einsatzpersonal sind auch zahlreiche Führungsfunktionen zu besetzen, die die besondere Lage strukturieren und organisieren können. Die Patienten müssen durch einen Notarzt gesichtet werden, um die Behandlungs- und Transportpriorität festzulegen. Gegebenenfalls muss eine Behandlung vor Ort stattfinden. Diese Aufgaben werden federführend vom Leitenden Notarzt (LNA) und dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL RD) durchgeführt. Das Übungsszenario endete mit dem Abtransport der Patienten in verschiedene fiktive Krankenhäuser. Die Verantwortlichen, darunter der Ärztliche Leiter Rettungsdienst Gunter Veit sowie der stellvertretende Kreisbrandmeister Thomas Podschadly waren zufrieden mit dem Verlauf des Einsatzes. Eine differenzierte Auswertung wird noch erfolgen.

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