Um diese Fläche geht es: Hier soll der neue Wertstoffhof in Hüllhorst entstehen. Im Hintergrund sind im Industriegebiet ansässige Firmen zu erkennen, links hinter dem Wäldchen liegt die Kläranlage. - © Timo Rosenbohm|
Um diese Fläche geht es: Hier soll der neue Wertstoffhof in Hüllhorst entstehen. Im Hintergrund sind im Industriegebiet ansässige Firmen zu erkennen, links hinter dem Wäldchen liegt die Kläranlage. | © Timo Rosenbohm|

Hüllhorst Wertstoffhof bleibt Thema

Kritik: Anwohner hält auch den neuen Standort östlich der Kläranlage für wenig sinnvoll und appelliert an die Entscheidungsträger

Kirsten Tirre

Hüllhorst. Im Mai stellte die Kreisabfallverwertungsgesellschaft KAVG im Bau- und Umweltausschuss ihre Pläne zur Errichtung eines Wertstoffhofes in Tengern vor. Nach einer Überprüfung mehrerer Standorte war die Wahl des Unternehmens auf ein Grundstück neben der Kläranlage gefallen. Das sorgte für Bedenken insbesondere der Anlieger hinsichtlich Verkehrs- und Geruchsbelastung. Nun ist die Wahl auf ein anderes Grundstück gefallen, doch auch da gibt es aus Sicht von Anlieger Hans-Rudolf Kracht Argumente, die dagegen sprechen. Dass nunmehr ein Grundstück weiter östlich von der KAVG bevorzugt wird, hat auch rechtliche Gründe, wie im Gemeindeentwicklungsausschuss mitgeteilt wurde (die NW berichtete). Unter anderem liegt unter dem Grundstück ein Abwasserkanal als Hauptzuleitung zum Klärwerk und der darf nicht überbaut werden. Eine Verlegung wäre nur unter großem finanziellen Aufwand möglich. Aus diesem und weiteren Gründen verwarf die KAVG ihre ursprünglichen Pläne. Die Wahl ist nunmehr auf ein Grundstück östlich der Kläranlage und nördlich des Regenrückhaltebeckens gefallen, das zudem im ausgewiesenen Industriegebiet "Weidehorst" liegt. Für das ursprünglich ausgewählte Areal hätte es nämlich noch einer Änderung des Flächennutzungsplanes bedurft. Auf dem neuen Grundstück ist die Errichtung eines Wertstoffhofes zulässig, die KAVG möchte das Areal, das sich im Besitz der Gemeinde befindet, erwerben. »Denken Sie bitte nicht an den schnellen Euro« Hans-Rudolf Kracht hatte im Juli 372 Unterschriften gegen den Wertstoffhof in Tengern gesammelt. Auch das neue Grundstück macht es aus seiner Sicht nicht besser. Seine Argumentation: "Nach den Festsetzungen im Bebauungsplan dürfen an dieser Stelle Betriebe errichtet werden, die im Drei-Schicht-Betrieb, also rund um die Uhr, arbeiten. Gewerbliche Grundstücke, die mit solch geringen Einschränkungen für die Nutzung belastet sind, werden sicherlich gesucht und sollten dem produzierenden Gewerbe vorbehalten bleiben. Nur dann können hier möglichst viele ortsnahe Arbeitsplätze entstehen." Und weiter: "Wenn nun an dieser Stelle ein Grundstück von rund 8.000 Quadratmetern Fläche für die Errichtung eines - wahrscheinlich defizitären - Wertstoffhofes mit voraussichtlich zwei Arbeitsplätzen veräußert wird, erscheint mir dieses nicht sinnvoll, besonders im Hinblick auf die in den nächsten Jahrzehnten zu erwartenden Steuereinnahmen und Arbeitsplätze für die Gemeinde Hüllhorst." Deshalb fordere er Rat und Verwaltung der Gemeinde Hüllhorst auf, den dort geplanten Grundstücksverkauf an die KAVG nicht zu realisieren. Kracht: "Denken Sie bitte nicht an den schnellen Euro (wieder ein Gewerbegrundstück verkauft), sondern an die langfristige wirtschaftliche Situation der Gemeinde durch Gewerbesteuereinnahmen, die uns allen Bürgern entgegenkommt, ebenso wie die zusätzlichen ortsnahen Arbeitsplätze." Wie Bürgermeister Bernd Rührup sagte, sei es nicht Sache der Verwaltung, sondern ausschließlich des Rates, dem Grundstücksverkauf zuzustimmen. Auf die Zustimmung zum Erwerb würde dann im nächsten Schritt das Baugenehmigungsverfahren folgen. Der Verwaltungschef hält allerdings auch nicht damit hinter dem Berg, dass er das Projekt befürwortet. "Ich halte den Wertstoffhof für ein tolles Angebot für unsere Bürger. Egal an welchem Standort." Und die Prüfung durch die KAVG habe eben ergeben, dass es nicht viele Alternativen gibt. An den anderen potenziellen Standorten hätte sich der Wertstoffhof nicht umsetzen lassen. Dieser arbeite im Übrigen auch nicht defizitär zu Lasten der Steuerzahler. Er habe von vielen Seiten und aus allen Ortsteilen Zustimmung zur Idee eines Wertstoffhofes gehört. Zudem habe die Gemeinde laut Paragraf 3 der Abfallentsorgungssatzung des Kreises auch die Verpflichtung zur Errichtung eines Wertstoffhofes auf dem eigenen Gebiet oder in Kooperation mit anderen. Und was das Grundstück betrifft, gebe es aktuell auch keinerlei andere Interessenten. Der Rat habe auch die Möglichkeit, dem Verkauf der Industriefläche zunächst einmal unter Vorbehalt zuzustimmen. Ob der Rat am heutigen Mittwoch bereits eine Entscheidung fällen wird, ließ der Bürgermeister offen.

realisiert durch evolver group