Es darf gefeiert werden: Zum 20. Jubiläum der Gleichstellungsstelle in Hüllhorst bieten Edith Nedelmann (r.) und Monika Rieke ein buntes Programm an. - © Melissa Petring
Es darf gefeiert werden: Zum 20. Jubiläum der Gleichstellungsstelle in Hüllhorst bieten Edith Nedelmann (r.) und Monika Rieke ein buntes Programm an. | © Melissa Petring

Hüllhorst Gleichstellung in Hüllhorst: "Gewalt gibt es überall"

Vielseitige Arbeit: Die Gleichstellungsbeauftragten von Hüllhorst berichten zum 20. Jubiläum von Herausforderungen, die Männer und Frauen betreffen

Melissa Petring

Hüllhorst. Gewalt, Trennung, Familie: Das sind Themen, mit denen sich Gleichstellungsbeauftragte auseinandersetzen müssen. "In letzter Zeit kommt es allerdings selten vor, dass sich Bürgerinnen und Bürger an uns wenden", erzählt Edith Nedelmann, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Hüllhorst. Vor ein paar Jahren sah das anders aus. "Da kamen sehr viele Frauen zu uns", ergänzt Monika Rieke, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte. "Heute geht es meistens um Bedarfe und nicht um Probleme. Es kommen Fragen zu Kinderbetreuung oder den Wiedereinstieg in den Beruf." Veränderungen, Probleme und mehr Akzeptanz Dass weniger Menschen mit Problemen zu ihnen kommen, sei schwer zu erklären. "Vielleicht trauen sie sich nicht. Manche Bürgerinnen und Bürger wissen vielleicht nicht, dass sich die Gleichstellungsstelle auch um sie und ihre Probleme kümmert", vermutet die Stellvertreterin. Seit 20 Jahren gibt es die Gleichstellungsstelle mittlerweile in Hüllhorst. "Und genau so lange bin ich dabei", sagt Nedelmann. "Am 1. November 1998 hatte ich hier meinen ersten Tag. Der Beruf ist einfach unglaublich spannend." Seit 15 Jahren wird sie von Monika Rieke unterstützt. Beide fingen zu einer Zeit an, als die Gleichstellung noch in den Kinderschuhen steckte. "Seitdem hat sich viel verändert. Die Akzeptanz für unsere Stelle ist gewachsen - auch innerhalb der Verwaltung und bei den Politikern. Außerdem ist der Informationsfluss besser geworden und das Problembewusstsein für Gleichstellungsfragen gewachsen", spricht Nedelmann aus ihrer 20-jährigen Erfahrung. "Innerhalb der Verwaltung hat die Familienfreundlichkeit zugenommen", erklärt Rieke und fährt fort: "Da ich aus der Personalabteilung komme, kümmere ich mich vor allem um die internen Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Als Diplom-Pädagogin und ausgebildete systemische Familienberaterin nimmt sich Nedelmann den Frauen an, die von außerhalb auf sie zukommen. "Aus Zeitgründen kann ich leider keine fortlaufende Beratung anbieten. Trotzdem bin ich stets darum bemüht, die Frauen so gut es geht zu beraten und zu vermitteln." Da einige die Hürde des persönlichen Gesprächs nicht überwinden können, bieten die Gleichstellungsbeauftragten auch telefonische Beratungen an. "Hüllhorst ist eine kleine Kommune. Hier kennt jeder jeden. Deshalb haben einige Hemmungen, ins Rathaus zu kommen." "Männer fürchten, dass ihnen etwas genommen wird" Noch seltener wenden sich nur Männer an die Gleichstellungsstelle. "Viele denken vermutlich, dass wir nicht für sie zuständig sind. Dabei ist das nicht richtig. Wir kümmern uns genauso um ihre Probleme. Einige sind der Meinung, dass ihnen durch Gleichstellung etwas genommen werden soll. Auch das entspricht nicht der Wahrheit", betont Nedelmann. Ihnen gehe es auch um die Gleichstellung von Männern, beispielsweise wenn es um Elternzeit oder Teilzeitanstellungen geht. "Einerseits sollten mehr Frauen in Führungspositionen eingesetzt werden, andererseits sollte aber auch die Teilzeitarbeit zwischen Männern und Frauen ausgeglichen sein", sagt Nedelmann. Damit spricht sie nur zwei Herausforderungen an, denen sich nicht nur die Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Hüllhorst stellen müssen. "Altersarmut von Frauen, Wohnungslosigkeit von Frauen, Lohnungleichheit, Gewalt an Frauen: All das sind Themen, mit denen wir uns in der Gesellschaft beschäftigen müssen." Aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderbetreuung und Anlaufstellen für aggressive Männer sowie Gewaltprävention seien nach wie vor aktuell und werden auch in Zukunft aktuell bleiben. "Gewalt gibt es überall - auch in kleinen Gemeinden wie Hüllhorst. Vielleicht gibt es hier nicht so viel, vielleicht wird das Thema auch nur heruntergespielt. Häufig ist Scham dabei: Viele Frauen trauen sich nicht, um Hilfe zu bitten", so Rieke. Beide würden sich wünschen, dass es mehr Frauenhäuser gibt, wo Opfer Schutz finden. Die wenigen, die es gebe, seien oftmals überfüllt. "Aber auch den Tätern sollten Anlaufstellen geboten werden. Sie haben häufig ein Gewaltproblem", weiß Nedelmann.

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