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Es läuft wieder: (v.l.) Michael Möller, Hüllhorster Feuerwehrchef und Angestellter bei Wortmann, und Qualitätsmanager Meik Blase stehen an genau der Stelle, wo am 23. August 2014 der Brand in der Produktionshalle ausbrach. Durch das Feuer entstand ein Schaden im zweistelligen Millionenbereich. - © Tyler Larkin
Es läuft wieder: (v.l.) Michael Möller, Hüllhorster Feuerwehrchef und Angestellter bei Wortmann, und Qualitätsmanager Meik Blase stehen an genau der Stelle, wo am 23. August 2014 der Brand in der Produktionshalle ausbrach. Durch das Feuer entstand ein Schaden im zweistelligen Millionenbereich. | © Tyler Larkin

Hüllhorst Brand in Hüllhorst konnte Wortmann AG nicht aufhalten

Trotz des Feuers in einer Produktionshalle wurde 2014 das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte

Tyler Larkin
25.08.2015 | Stand 24.08.2015, 18:55 Uhr

Hüllhorst. "Der 23. August hat sich bei mir als Datum eingebrannt", sagt Meik Blase mit breitem Lächeln. Der Beauftragte für das Qualitätsmanagement ist sich der Doppeldeutigkeit bewusst und tritt 367 Tage nach dem Feuer in der Produktionshalle gewohnt selbstsicher auf. "Am ersten Arbeitstag nach dem Brand wurden schon wieder Computer montiert", sagt Blase. Woran andere Firmen zugrunde gehen, scheint bei der Wortmann AG neue Kräfte zu mobilisieren. Michael Möller, Chef der Hüllhorster Feuerwehr und hauptberuflich Angestellter bei Wortmann, steht zwischen Arbeitstischen und Laufbändern, um ihn herum ein Dutzend Frauen und Männer, die PC montieren und überprüfen. Alles ist picobello sauber und hell erleuchtet. "Genau hier befand sich am Vormittag des 23. August 2014 der Brandherd. Als meine Kameraden hier eindrangen, konnten sie die Hand vor Augen nicht sehen", sagt Möller und spricht von undurchdringlichem Rauch, der den Angriffstrupps entgegenschlug. Die Brandermittler der Polizei ermittelten einen technischen Defekt als Ursache für das Feuer. Was genau den Brand ausgelöst hatte, konnte nie ermittelt werden. Da die Produktionshalle noch stand, schien es so, als wäre der Schaden schnell zu beheben. "Habe ich auch erst gedacht", sagt Meik Blase mit hochgezogenen Augenbrauen. Was jedoch folgte, war eine monatelange Belastungsprobe für die gesamte Firma, beginnend mit der unmittelbaren Abwesenheit aus dem Internet. "1.600 Quadratmeter waren komplett verrußt und das Gebäude durch die Polizei gesperrt", erzählt Blase. Im Stockwerk über der Produktionshalle befand sich jedoch der Serverraum, das Herzstück der Wortmann AG. Feuerwehrchef Möller wägte die Gefahren ab und vermittelte zwischen Polizei und Firmenleitung. "Schließlich konnten wir eine externe Stromversorgung legen und nach fünf Stunden waren wir wieder online", sagt Pressesprecher Sven Öpping nicht ohne Stolz. 100 Arbeitsplätze in der Produktionshalle waren nach dem Brand nicht mehr zu gebrauchen. "In zwei benachbarten Hallen rückten die Mitarbeiter zusammen, um die Kollegen dort aufzunehmen", sagt Blase. "Und das klappt nur, wenn ein gutes Arbeitsklima herrscht." In der verrußten Halle fing eine auf Brandschäden spezialisierte Firma mit den Aufräumungsarbeiten an. Das Gebäude betraten sie nur in Einmal-Overalls und Mundschutz. "Es sah so aus, als würde ein Dutzend Tatortreiniger am Werk sein", sagt Pressesprecher Öpping, der viel Respekt für deren hartes Schaffen zeigte: "Echte Knochenarbeit". Die Männer holten mit Hilfe von aufgesprühtem Latex den Ruß von den Wänden, wuschen die Halle mehrfach durch und sortierten Computerbauteile aus dem Hochlager in drei Kategorien. "Geht noch, geht vielleicht noch, geht gar nicht mehr", erklärt Meik Blase das System mit vereinfachten Worten. Am Ende mussten über 100 Tonnen Schrott aus der Halle entsorgt werden. Mehr als sieben Monate nach dem Unglück konnten die ersten Arbeitsplätze zurück verlegt werden. "Vorher musste noch ein Teil der Dachkonstruktion erneuert werden, was viel Zeit kostete", sagt Blase. Auch die Lieferzeiten für das neue Hochregallager und die Laufbänder, auf denen die Computer zur nächsten Arbeitsstation rollen, waren länger als gedacht. Trotz des Brandes schaffte es die Wortmann AG, 2014 zum bislang erfolgreichsten Geschäftsjahr zu machen (660 Millionen Euro Umsatz, 600 Mitarbeiter). Vielleicht lag es am Auftreten von Firmenchef Siegbert Wortmann, der vor Ort Ruhe bewahrte. "Wir haben schon schlimmere Krisen bewältigt. Niemand wurde verletzt. Und den Rest kriegen wir wieder hin", sagte er am 23. August 2014. Er sollte recht behalten.

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