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Hermann Korfmacher gratulierte Rainer Kütemann und Matthias Hartsieker vom Schnathorster SV.
Hermann Korfmacher gratulierte Rainer Kütemann und Matthias Hartsieker vom Schnathorster SV.

Hüllhorst/Mannheim Anstoß für ein neues Leben

Bundesweite Auszeichnung für SV Schnathorst /Verleihung der Sepp-Herberger-Urkunde für Resozialisierungsprojekt

VON ANJA SCHWEPPE
17.05.2014 | Stand 15.05.2014, 20:02 Uhr

Hüllhorst/Mannheim. Jedes Jahr erhalten Vereine und Gruppen aus ganz Deutschland die Sepp-Herberger-Urkunde als Auszeichnung für außergewöhnliches Engagement. In drei Kategorien werden die Besten prämiert. In diesem Jahr belegte der SV Schnathorst bundesweit den 3. Platz in der Sparte "Resozialisierung".

"Kongress-Center, festlich geschmückter Saal und viele Prominente, auf den Tischen echter Rasen als Deko...", erzählen Rainer Kütemann und Matthias Hartsieker vom SV Schnathorst begeistert. Sie fuhren zur Siegerehrung nach Mannheim, um die Urkunde und 2.000 Euro für das Projekt "Anstoß für ein neues Leben" entgegen zu nehmen. "Wir sind so stolz über diesen Preis. Der ganze Abend war toll und die Ausrichter haben die Ehrung richtig hoch aufgehängt."

Seit 2011 kümmern sich Kütemann und Hartsieker darum, dass jugendliche Strafgefangene aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Herford für den Schnathorster Fußballverein als Schiedsrichter Spiele pfeifen können - außerhalb des Gefängnisses. In der JVA werden einige Jugendliche zu Schiedsrichtern ausgebildet, die sich durch vorbildhaftes Verhalten hervorheben. "Seit 2012 sind vier Insassen der JVA Herford bei uns im Verein als Schiris gemeldet und pfeifen", erzählt Rainer Kütemann, der von Anfang an das Projekt mit vorangebracht hat. Eine große Verantwortung, die in den Händen der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder liegt. "Zugegeben. Anfangs waren alle skeptisch, aber die Einstellung ist jetzt echt positiv.

Mit Hans-Jürgen Bredenkamp (Sportbeauftragter der JVA) und Ralf Noltemeyer (Vizepräsident der Handwerkskammer OWL) haben wir gute Kooperationspartner", blickt der damalige Fußballfachwart auch auf die Anfänge zurück. Dass sie jetzt bundesweit den 3. Platz belegt haben, zeige, dass sie wahrgenommen werden und "dass Fußball mehr als Sport ist", so Hartsieker.

Die Urkunde überreichte der Präsident des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV) Hermann Korfmacher und gratulierte den Preisträgern. "Wir sind unglaublich stolz, in der Kategorie Resozialisierung bundesweit den 3. Platz errungen zu haben", so die Schnathorster. Den ersten Platz in der Kategorie "Resozialisierung" belegte der SV Bruchsal. "Ausgerechnet das Gefängnis, das Sepp Herberger vor 40 Jahren besuchte; der Besuch, mit dem alles begann", sagte Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident und Kuratoriumsmitglied.

Auch Dieter Kürten gratulierte den Schnathorstern sowie den anwesenden zehn Projektgruppen aus ganz Deutschland, die von der Sepp-Herberger-Stiftung geehrt wurden.

Mehr als 90 Gäste besuchten die Gala der Preisverleihung in Mannheim. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock und DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel zeigten sich "beeindruckt vom Einsatz der Preisträger", wie auch Eugen Gehlenborg, DFB-Vizepräsident: "Sie packen die Dinge an und machen auf tolle Weise deutlich, welche Kraft vom Fußball außerhalb des Platzes ausgeht." Rainer Kütemann und Matthias Hartsieker bleiben auch in Schnathorst am Ball, wenn es heißt "Anstoß für ein neues Leben". Diese Auszeichnung sei die Krönung gewesen und gar nicht so leicht zu erreichen, denn zunächst hätten sie ihre Bewerbung an den FLVW schicken müssen. "Dort wurden die besten Projekte zunächst vorsortiert und dann erst an die Sepp-Herberger-Stiftung weitergegeben", beschreibt Hartsieker, 2. Vorsitzender des SV Schnathorst, "das ist eine große Ehre für uns."

Jetzt wird das Projekt mit der JVA Herford in Schnathorst von Daniel Oepping, stellvertretender Fußballfachwart und Schiedsrichter-Obmann federführend weitergemacht. Er wird künftig die jugendlichen Strafgefangenen aus der JVA abholen, sie zum Spiel fahren, wo die jungen Schiedsrichter pfeifen und von ihm auch betreut werden.

Anschließend bringt der Schiedsrichter-Obmann den Jugendlichen nach Herford zurück, schreibt eine fachliche Beurteilung und Einschätzung. "Das setzt großes gegenseitiges Vertrauen voraus", weiß Kütemann aus Erfahrung. Aber jetzt freuen sie sich über so viel Lob und Anerkennung durch die Preisverleihung. "Sepp Herberger wäre stolz auf die Entwicklung seiner Stiftung", so der DFB-Vizepräsident.

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