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Der Hof, auf dem der mutmaßliche Dreifachmörder und sein Helfer gewohnt haben. - © Edwin Dodd.
Der Hof, auf dem der mutmaßliche Dreifachmörder und sein Helfer gewohnt haben. | © Edwin Dodd.

Hille Dreifachmord-Prozess: Zwei Nachbarinnen sollen als Zeugen aussagen

Die Verteidigung von Jörg W. beantragt, zwei Nachbarinnen als 
weitere Zeugen zu hören. Die neuen Hauseigentümer bekommen Besuch von der Polizei.

Stefanie Dullweber
05.04.2019 | Stand 05.04.2019, 19:40 Uhr

Hille/Bielefeld. Der Hiller Dreifachmord-Prozess wird sich noch einige Wochen hinziehen. Mehrere Anträge der Verteidigerin des Angeklagten Jörg W. veranlassen das Gericht dazu, für die nächste Woche weitere Zeugen zu laden. Außerdem soll der Rechtsmediziner Bernd Karger zu den neuen Angaben des Angeklagten Kevin R. (25) Stellung nehmen. Weitere Durchsuchungen des Anwesens von Jörg W. (52) schloss der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann ebenfalls nicht aus. Dabei geht es um ein Handy, das Kevin R, auf dem Anwesen an der Frotheimer Straße versteckt haben will. Karger hatte die Blutspritzer auf der Jacke von Kevin R. untersucht und war zu dem Schluss gekommen, dass nur der Träger dieser Jacke auf den am Boden liegenden Libanesen Fadi S. eingeschlagen haben kann. Sein Ziehvater soll die tödlichen Schläge ausgeführt haben Kevin R. behauptet nun, dass er das Opfer lediglich nach Handy und Autoschlüssel durchsucht hat, während sein Ziehvater dem Libanesen die tödlichen Schläge gegen den Kopf versetzte. Wie der Richter am 21. Prozesstag mitteilte, habe er mit Karger am Telefon über diese neuen Angaben gesprochen. Der Rechtsmediziner habe ihm mitgeteilt, dass das Spritzerbild auf dem Ärmel mit einer so großen Distanz nicht vereinbar sei. Der Rechtsmediziner wird seine Einschätzung am Mittwoch, 10. April, vor Gericht erneut vortragen. Nachbarinnen sollen bezeugen, dass sich Jörg W. um den Rentner gekümmert Karger wird nicht der einzige Zeuge sein, der in der kommenden Woche vor dem Landgericht Bielefeld im Dreifachmord-Prozess aussagt. Rechtsanwältin Friedrich beantragte die Vernehmung von zwei Nachbarinnen des Mordopfers Gerd F.. Beide sollen bezeugen können, dass Jörg W. sich intensiv um den alkoholkranken Rentner gekümmert und ihm sogar zweimal das Leben gerettet habe. Die beiden Frauen könnten bestätigen, so Friedrich weiter, dass Jörg W. für den 71-Jährigen eingekauft habe und ihn zu Arztbesuchen begleitet habe. Gerd F. sei dem 51-Jährigen so dankbar gewesen, dass er ihn 2013 als Erben für sein Haus eingesetzt habe. Und als Gerd F. im Jahr 2015 versuchte, sich das Leben zu nehmen, indem er Tabletten schluckte und den Gashahn aufdrehte, soll Jörg W. ihn aus dem Haus gerettet haben. Demzufolge könne er gar kein Interesse am Tod des Rentners gehabt haben. Jörg W, wartete ungeduldig darauf, in das Haus des Opfers einziehen zu können Ob die beiden Nachbarinnen am nächsten Mittwoch tatsächlich als Zeuginnen aussagen, war gestern noch unklar. Die eine Frau sei derzeit noch im Urlaub, die andere bereits 93 Jahre alt. Fest steht hingegen, dass ein Schulfreund von Kevin R. am Mittwoch eine Aussage machen wird. Auch seine Vernehmung hatte die Anwältin von Jörg W. beantragt. Dieser Zeuge soll mit Kevin R. nach dessen Umzug nach Hille über die sozialen Medien weiter Kontakt gehabt haben. Er könne bestätigen, dass sein Freund ungeduldig darauf wartete, in das Haus von Gerd F. einzuziehen. Sobald der alte, alkoholkranke Mann, der dort noch leben würde, tot sei, könne er dort wohnen. Wichtig waren auch die neuen Beweismittel Thema vor Gericht waren gestern außerdem die neuen Beweismittel, auf deren Spur Kevin R. die Ermittler in der vergangenen Woche gebracht hatte. Eine zerschnittene Handykarte von Fadi S. fanden die Polizisten in der Scheune von Gerd F.. Ein Handy, das der 25-Jährige auf dem Hof von Jörg W. versteckt haben will, fanden sie nicht. Kevins Verteidiger Peter Jahn betonte, er sei der Ansicht, dass weiter nach dem Mobiltelefon gesucht werden sollte. In diesem Zusammenhang waren auch die neuen Bewohner des Hofes Thema, die gründlich entrümpelt und das Handy möglicherweise im Müll entsorgt hatten. Laut Zimmermann sollen sie von der Polizei befragt werden. Wie Christian Thüner, Anwalt der Nebenklage erklärte, sei das Anwesen an der Frotheimer Straße bereits entrümpelt worden, bevor die neuen Eigentümer den Hof übernommen haben. Möglicherweise sei das Beweismaterial da bereits abhanden gekommen. Am 10. April wird der Prozess fortgesetzt Unterdessen habe sich, so Zimmermann weiter, auch ein Nachlasspfleger gemeldet und bei Gericht angefragt, ob das Anwesen von Gerd F. freigegeben oder noch Gegenstand von Ermittlungen sei. Laut Staatsanwalt Christopher York bestünden keine Bedenken gegen eine Freigabe. Der 22. Prozesstag am Mittwoch, 10. April, beginnt um 12.45 Uhr. Die weiteren Verhandlungstage sind bislang nicht terminiert.

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