Viele Fragen konnten im Prozess bisher nicht beantwortet werden. - © Stefanie Dullweber
Viele Fragen konnten im Prozess bisher nicht beantwortet werden. | © Stefanie Dullweber

Hille/Bielefeld Prozess um Dreifachmord in Hille wirft weitere Fragen auf

Stefanie Dullweber

Hille/Bielefeld. Der Prozess um die Dreifachmorde in Hille, der aktuell vor dem Landgericht Bielefeld verhandelt wird, wirft immer mehr Fragen auf. Da die beiden Angeklagten Jörg W. und sein Ziehsohn Kevin R. weiterhin schweigen, sollte gestern die Aussage des Pflegekindes, das ebenfalls auf dem Reiterhof lebte, Licht ins Dunkel bringen. Die Vernehmung der erst 17-jährigen Zeugin fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wie jedoch am Rande des Prozesses bekannt wurde, hat die Aussage keine Klarheit gebracht, sondern Verwirrung gestiftet. Fest steht: Es gibt widersprüchliche Aussagen zur Anwesenheit von Doris W. – der Ehefrau des Angeklagten – an dem Abend, als der landwirtschaftliche Helfer Jochen K. vermutlich ermordet wurde. War Doris W. auf dem Hof, als Jochen K. getötet wurde? Nachbarn hatten im Prozess ausgesagt, dass Doris W. an dem besagten 26. August 2017 nicht in Hille gewesen sei, sondern in Duisburg, um auf die Enkelkinder aufzupassen. Als die Nachbarn auf den Hof gekommen seien, um vor ihrem Urlaub den Schlüssel abzugeben, hätten Jörg W., Kevin R., das Mordopfer Jochen K. und das Pflegekind vor der Gartenhütte zusammengesessen, sagte das Ehepaar übereinstimmend aus. Die Aussage des Pflegekindes deckt sich jedoch nicht mit der Zeugenaussage der Nachbarn, wie das MT gestern von mehreren Seiten erfuhr. Den Angaben der 17-Jährigen zufolge sei Doris W. bei dem Grillabend an der Hütte dabei gewesen. Was diese widersprüchlichen Aussagen für den Prozess bedeuten, ist unklar – zumal sich die Ehefrau des Angeklagten auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht beruft. Auch wie es mit dem Prozess an sich weitergeht, ist ungewiss. Die Prozessbeteiligten haben bis heute Zeit, zu den Befangenheitswürfen Stellung zu nehmen.

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