Fadi S. soll mit Hammerschlägen gegen den Kopf getötet worden sein. Die Mordkommission hatte zwei Fäustel in der Scheune in Neuenbaum sichergestellt, in der sie auch die Leiche des 30-Jährigen fanden. - © Archivfoto: Stefanie Dullweber
Fadi S. soll mit Hammerschlägen gegen den Kopf getötet worden sein. Die Mordkommission hatte zwei Fäustel in der Scheune in Neuenbaum sichergestellt, in der sie auch die Leiche des 30-Jährigen fanden. | © Archivfoto: Stefanie Dullweber

Hille Dreifachmord Hille: Witwe von Fadi S. berichtet - Tränen im Gerichtssaal

Stefanie Dullweber

Hille/Bielefeld. „Ich habe ihn angefleht, meinem Mann nichts anzutun, aber er war eiskalt", berichtet die Witwe des getöteten Fadi S. gestern im Bielefelder Landgericht von einem Telefongespräch mit Jörg W. an dem Tag, als ihr Mann verschwand. Die 24-Jährige schildert, wie S. den Angeklagten aus Hille kennenlernte. Demnach wollte der Libanese sich im Baugewerbe selbstständig machen und schaltete eine Anzeige bei Ebay. Daraufhin habe sich Jörg W. gemeldet und gesagt, dass er ein Bauunternehmen habe, in das ihr Mann gegen eine Summe von 30.000 Euro einsteigen könne. Sie würden Häuser kaufen, sanieren und anschließend teuer weiterverkaufen. Beide hätten sich auf eine Anzahlung in Höhe von 5.000 Euro geeinigt, die restliche Summe sollte Fadi S. abarbeiten. Allerdings sollte S. mit niemandem über die Pläne sprechen, so die Witwe. Über die Geschäftsbeziehung existiert ein Vertrag, über die gezahlten 5.000 Euro gibt es eine Quittung – auf der neben Fadi S., Jörg. W. und Kevin R. auch eine vierte Person namens Manuel S. vermerkt ist. Manuel S. sei ein weiterer Geschäftspartner in Spanien, habe der Hiller ihrem Mann erklärt. "Vermutlich plante er ein Familienmassaker" Jörg W. habe auch sie kennenlernen wollen, so die Zeugin. „Vermutlich plante er ein Familienmassaker", sagt die Witwe vor Gericht, die bei keinem Treffen der beiden Männer dabei war, weil sie auf die beiden kleinen Kinder aufgepasst habe. „Mir kam die ganze Sache von Anfang an komisch vor", erklärt die 24-Jährige rückblickend. Als die Witwe ihre Erinnerungen an den 4. März schildert – der Tag, an dem Fadi S. getötet wurde – fällt es ihr schwer, die Tränen zurückzuhalten. Ihr Mann sei gegen Mittag losgefahren, um sich mit Jörg W. zu treffen. Sie wollten gemeinsam die Scheune des Nachbarhauses ausräumen, das W. bereits für die gemeinsamen Geschäfte gekauft hätte. „Um 20 Uhr bekam ich Panik", sagt sie. Schließlich habe sie bei Jörg W. angerufen, der behauptet hätte, ihr Mann sei nie in Hille angekommen. Womöglich hätte er sich mit zwei Kollegen getroffen, so W. Außerdem habe der 51-Jährige ihr mit einer Anzeige gedroht, „wenn sie weiter so spinnen würde". Noch am selben Abend meldete die Ehefrau ihren Mann bei der Polizei in Stadthagen – dem früheren Wohnort der Familie – als vermisst. Die Beamten hätten ihre Sorgen jedoch nicht ernst genommen, sagt sie. Fünf Tage später fand die Polizei die Leiche von S. auf dem Nachbargrundstück von Jörg W. Fadi S. soll mit Hammerschlägen gegen den Kopf getötet worden sein. „Keiner wird nachvollziehen können, was ich in dieser Woche durchmachen musste", sagt die Witwe unter Tränen. Ihr Mann sei gutherzig gewesen und habe Jörg W. jedes Wort geglaubt. Und in Richtung des Angeklagten: „Nimm doch die 5.000 Euro und geh. Warum tötest du ihn?". Die Frage lässt Jörg W. unbeantwortet. DNA-Spuren an der Kleidung der Angeklagten Zu zwei Hämmern als Mordwaffe im Fall Fadi S. und zu weiteren Beweismitteln äußert sich gestern ein DNA-Gutachter des Landeskriminalamtes. Laut Dr. Christoph Leuker habe er an beiden Maurerfäusteln Blut des ermordeten Familienvaters gefunden. Das Blut von Fadi S. stellte der Gutachter außerdem auf einer Jacke von Kevin R. und auf einer Hose von Jörg W. fest. Auch auf einer Kappe für einen Hammer sowie auf einer Klebebandrolle gibt es DNA-Spuren des 30-Jährigen. Außerdem sicherte der Gutachter an einem Messer DNA-Spuren des ermordeten landwirtschaftlichen Helfers Jochen K. und des Angeklagten Jörg W. Das Messer hatte die Polizei im Haus des Angeklagten auf dem Dachboden gefunden. Ein weiterer Zeuge im Prozess um den Dreifachmord ist der vermeintliche Geschäftspartner aus Spanien. Sein Name – Manuel S. – ist auf der Quittung vermerkt, die belegt, dass Fadi S. 5.000 Euro für eine gemeinsame Geschäftsbeziehung angezahlt hat. Der 58-Jährige Manuel S. sagt vor Gericht aus, dass er weder Geld bekommen noch etwas mit der Baubranche zu tun habe. Er kenne Jörg W. seit 1990 und der gemeinsamen Zeit in Duisburg. Es hätte sich eine Freundschaft entwickelt, die auch gehalten habe, als er zunächst nach Ostfriesland und später nach Spanien gezogen sei. Dort hätte auch Jörg W. für etwa ein Jahr gelebt, zunächst bei ihm, dann sei er in die Nähe gezogen. Fragen zur Rolle der Ehefrau von Jörg W. offen Als beide zurück in Deutschland waren – Jörg in Hille und er in Diepholz – hätte er seinen Freund mehrmals besucht, so Manuel S. Eines Tages hätte Jörgs Ehefrau Doris W. bei ihm angerufen und erklärt, dass ihr Mann verschwunden sei. Sie habe von Drohungen gegen ihre Person berichtet und dass sie glaube, ihr Mann sei in Schwierigkeiten. Die Rolle von Doris W. ist gestern nicht nur in diesem Zusammenhang Thema, sondern soll es auch grundsätzlich werden – zumindest wenn es nach den Anwälten der Nebenklage geht. „Hier fehlt eine dritte Angeklagte", sagt Rechtsanwalt Samir Omeirat gestern am Rand des Prozesses. Das sieht auch Rechtsanwalt Christian Thüner so: „Wir müssen unterstellen, dass die Ehefrau des Angeklagten wusste, dass es Tote gibt." Immerhin habe der Vorsitzende Richter am Dienstag offiziell den SMS-Verkehr verlesen, wo Jörg am 27. August schreibt: „Doris weiß Bescheid. Alles bestens". Daraufhin Kevin R.: „Worüber?" Und die Antwort von Jörg W.: „Über die Kaputten." Samir Omeirat weist zudem darauf hin, dass das Ehepaar W. einen gemeinsamen Ebay-Account hatte. Doris W. müsse demnach Kenntnis davon gehabt haben, dass ihr Mann keine ernsthaften Geschäfte mit Fadi S. machen wollte. Wie der Rechtsanwalt gestern weiter mitteilt, will er bei der Staatsanwaltschaft anregen, ein Ermittlungsverfahren gegen Doris W. einzuleiten. Die Staatsanwaltschaft geht bislang davon aus, dass kein Anfangsverdacht vorliegt.

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