Seit Wochen sichern die Ermittler auf den betroffenen Grundstücken in Hille spuren. Dieses Foto wurde bei einer großangelegten Suche am 14. März auf dem Hof von Jörg W. aufgenommen. Später fand die Polizei dort die zwei Leichen von Gerd F. und Jochen K. MT- - © Foto: Alex Lehn (Archiv)
Seit Wochen sichern die Ermittler auf den betroffenen Grundstücken in Hille spuren. Dieses Foto wurde bei einer großangelegten Suche am 14. März auf dem Hof von Jörg W. aufgenommen. Später fand die Polizei dort die zwei Leichen von Gerd F. und Jochen K. MT- | © Foto: Alex Lehn (Archiv)

Hille Hiller Dreifach-Mord: Kevin R. soll Jörg W.s Komplize gewesen sein

Nina Könemann
Stefan Koch

Stefanie Dullweber

Hille. Die Übertragungswagen der Fernsehsender sind weg, die Berichte zum Dreifach-Mord in Hille merklich weniger geworden. Trotzdem kehrt in dem kleinen Ortsteil Neuenbaum nie so richtig Ruhe ein. Der weiße Bulli der Mordkommission – ein Hinweis, dass hier ein Verbrechen begangen wurde – steht seit Wochen immer wieder auf den Grundstücken des mutmaßlichen Dreifach-Mörders Jörg W. und des getöteten Rentners Gerd F. Die Ermittler suchen Spuren zu den drei Tötungen. Sie kennen zwar die Fundorte der Leichen, suchen aber nach Tatwerkzeugen und möglichen Tatorten. Dabei stoßen sie auch auf ein Messer, an dem DNA-Spuren des getöteten Hilfsarbeiters Jochen K. kleben. Vermutlich wurde er damit getötet. Außerdem stoßen sie auf einen SMS-Verkehr, der einen weiteren Verdächtigen ins Spiel bringt. Er soll laut Auskunft der Staatsanwaltschaft an der Tötung des 64-jährigen Hilfsarbeiters beteiligt gewesen sein. Bei einem weiteren Verdächtigen handelt es sich um einen 24-Jährigen Laut ersten Informationen handelt es sich bei dem festgenommenen Helfer um den 24-jährigen Kevin R., der am Donnerstag an seinem Arbeitsplatz in Schleswig-Holstein festgenommen wurde. R. soll als Zeitsoldat in Husum gearbeitet und an den Wochenenden auf dem Hof des mutmaßlichen Täters gewohnt haben. Die beiden sollen sich von früher kennen, stehen aber in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander. Leute aus dem Umfeld berichten, dass der 24-Jährige – genau wie Jörg W. – aus Duisburg stammen soll. Nachbarn gegenüber soll er sich als „eine Art Patenkind" von W.s Ehefrau bezeichnet haben. Er wird als mittelgroßer, muskulöser Mann mit sehr kurzen Haaren beschrieben, der auch in seiner Freizeit oft in Bundeswehr-Kleidung unterwegs war. Bekannte bezeichnen den jungen Mann – ähnlich wie Jörg W. – als einen Macher, der sehr freundlich, mitunter aber auch ein bisschen großspurig gewesen sein soll. Anders als Jörg W. integrierte Kevin R. sich aber stärker in die Dorfgemeinschaft, engagierte sich laut Informationen des Mindener Tageblatts (MT)stark in der Freiwilligen Feuerwehr. Auslandseinsatz war möglicherweise geplant Im vergangenen Herbst soll der 24-Jährige Bekannten erzählt haben, dass er demnächst in den Auslandseinsatz nach Mali gehe und seine Einheit danach voraussichtlich verlassen wolle. Ob er tatsächlich in Afrika stationiert war, ist nicht bestätigt. Offenbar war er bei seiner Festnahme am Donnerstag noch als Soldat in Husum beschäftigt. Der junge Mann wurde laut Staatsanwaltschaft mittlerweile ebenfalls nach Bielefeld gebracht und dort dem Haftrichter vorgeführt. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Den Ermittlern gegenüber hat Kevin R. angegeben, nicht aktiv an den Tötungen beteiligt, sondern lediglich anwesend gewesen zu sein. Er belastet den mutmaßlichen Täter Jörg W. schwer. Die Mordkommission war dem 24-Jährigen bei der Auswertungen von Beweismitteln aus dem IT-Bereich von Jörg W. auf die Schliche gekommen. Neben dem Mobiltelefon durchsuchten die Ermittler auch den Computer des mutmaßlichen Täters. Ebenso wurden die W-Lan-Verbindungen der Nachbarn geprüft. Die Ermittler wollten wissen, ob diese Daten untereinander ausgetauscht hatten. Wahrscheinlich, dass Kevin R. mit Fadi S. in die Baubranche einsteigen wollte Laut MT-Informationen ist es außerdem wahrscheinlich, dass der 24-Jährige zusammen mit Fadi S., dem Opfer aus Stadthagen, in die Baubranche einsteigen wollte. Einen entsprechenden Verdacht äußerte am Freitag Samir Omeirat, der Anwalt der Familie des Getöteten gegenüber dem MT. Der gelernte Maurer war offenbar Geschäftspartner des Zeitsoldaten und Jörg W.. Sie wollten mit einem eigenen Unternehmen Altbauten sanieren und dann mit Gewinn auf dem Immobilienmarkt verkaufen. Anwalt Omeirat hat bereits Einsicht in die Ermittlungsakten beantragt, die sich zurzeit bei der Staatsanwaltschaft in Bielefeld befinden. Er rechnet damit, dass er die Unterlagen in fünf Wochen erhält. Derweil betrauert die Familie aus Stadthagen ihren Angehörigen. Nach dem Ritus der Kurden aus dem Libanon folgt 40 Tage nach dem Tod eines Angehörigen ein weiteres Fest. Das wird am heutigen Samstag sein.

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