Schwer bewacht: Der Polizeihelikopter mit Jörg W. (kl. Bild) ist am Bielefelder Polizeipräsidium gelandet. Links steht ein SEK-Beamter, der den Landeplatz absichert. - © Christian Mathiesen
Schwer bewacht: Der Polizeihelikopter mit Jörg W. (kl. Bild) ist am Bielefelder Polizeipräsidium gelandet. Links steht ein SEK-Beamter, der den Landeplatz absichert. | © Christian Mathiesen

Hille/Bielefeld Mordserie in Hille: Jörg W. zur Befragung nach Bielefeld verlegt

Auch die beiden am Mittwoch entdeckten Toten sind umgebracht worden. Der mutmaßliche Täter ist nach Bielefeld überstellt worden

Jürgen Mahncke
17.03.2018 | Stand 17.03.2018, 18:57 Uhr
Martin Fröhlich

Hille/Bielefeld. Vor grauem Himmel und in leichtem Schneetreiben schwebt am Freitag um 16.20 Uhr ein Helikopter in Bielefeld ein. Er landet am Polizeipräsidium - einem roten Klinkerbau an der Kurt-Schumacher-Straße. An Bord ist einer der wohl gefährlichsten Verbrecher in Ostwestfalens Geschichte: Jörg W. Der Landeplatz wird von schwer bewaffneten Spezialkräften abgesichert. Die Polizei will bei dem knapp zwei Meter großen, ehemaligen Fremdenlegionär kein Risiko eingehen. Schließlich steht der 51-Jährige in dem Verdacht, drei Menschen umgebracht zu haben. Und nicht nur das ist Grund für diese Maßnahme: Offenbar hat es aus dem Umfeld eines der Opfer ernstzunehmende Drohungen gegen W. gegeben. Deshalb brachte ihn die Polizei auch nicht mit dem Auto aus Bayern nach OWL, sondern auf dem sichereren Luftweg. Eine Tat hat er bereits gestanden - den Mord an dem 30-jährigen Familienvater Fadi S. aus Stadthagen. Nun vermuten die Ermittler, dass Jörg W. auch der Mörder des 71-jährigen Nachbarn Gerd F. und des 65-jährigen Hilfsarbeiters Jochen K. ist. Identität wird durch DNA-Test geklärt Die Obduktion der beiden Leichen hat klare Hinweise darauf ergeben, dass es sich um die beiden vermissten Männer handelt. Aufgrund von körperlichen Merkmalen gehe man davon aus, so die Ermittler. Die Identität soll in den nächsten Tagen durch einen DNA-Test zweifelsfrei geklärt werden. Sicher ist: Beide Opfer kamen durch heftige Gewalteinwirkungen ums Leben. Weitere Details dazu nannten die Bielefelder Ermittler nicht. Auch zum Mord an Fadi S. gibt es ein neues Detail: Die Polizei schließt nun aus, dass ein weiterer Täter daran beteiligt war. Die Tat geht allein auf das Konto von Jörg W. Er lebte bis zum Jahr 2012 in Duisburg, bis er vor einigen Jahren auf das Gehöft in Hille zog. Jörg W. war am Samstag vergangener Woche nach einer Öffentlichkeitsfahndung in Reit im Winkl durch Spezialeinheiten der bayerischen Polizei festgenommen worden. Ein Haftrichter in Traunstein vollstreckte dann den Untersuchungshaftbefehl der Staatsanwaltschaft Bielefeld und setzte Jörg W. fest. Offen ist weiterhin, warum W. die Taten begangen hat. Das gilt sowohl für Fadi S., zu dem eine geschäftliche Beziehung bestanden haben soll, als auch für die beiden älteren Männer, deren Verschwinden lange Zeit nicht bemerkt worden war. Verlegung in die JVA Ummeln Auch zu dem Erpressungsversuch an der Familie von Fadi S. gibt es neue Informationen. Die beiden Männer, die 45.000 Euro forderten, weil sie angeblich den 30-Jährigen in ihrer Gewalt hatten, kommen offenbar aus Bad Oeynhausen. Unbestätigten Informationen zufolge, haben sie sich auch deshalb der Polizei gestellt, weil sie sich von Angehörigen des Opfers unter Druck gesetzt fühlten, nachdem ihr Versuch aufgeflogen war. Fadi S. stammte aus einer libanesischen Großfamilie. Behördlich wird er aber als türkisch-syrisch-stämmig geführt. Geboren ist er in Deutschland und war nach Angaben seiner Familie als Maurer tätig. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder und wurde am Mittwoch in Hannover beerdigt. Noch am Freitagabend, kurz nach der Landung, vernahmen Beamte der Mordkommission "Wilhelm" den Tatverdächtigen. Heute wird Jörg W. in die Justizvollzugsanstalt Ummeln gebracht. Dort wird der mutmaßliche Dreifachmörder voraussichtlich bis zu Prozessbeginn bleiben.

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