Polizeibeamten bei weiteren Suchmassnahmen am Mittwoch in Hille. - © Stefanie Dullweber
Polizeibeamten bei weiteren Suchmassnahmen am Mittwoch in Hille. | © Stefanie Dullweber

Hille Mordermittlungen in Hille: Polizei findet zwei weitere Leichen

Ilja Regier
Dorothee Meinhardt

Stefanie Dullweber

Hille/Bielefeld. Die Ermittler der Mordkommission "Wilhelm" haben auf dem Grundstück des 51-jährigen inhaftierten Jörg W. in Hille eine weitere Leiche entdeckt, teilte die Staatsanwaltschaft Bielefeld mit. Beim Durchsuchen des Außenbereiches an einem kleinen Wäldchen schlugen die Leichenspürhunde an und führten die Ermittler zu einer kleinen Senke. Dort fanden die Beamten einen Leichnam, der etwa einen Meter tief in dem Waldboden vergraben war, heißt es. Am Abend fanden die Ermittler einen dritten Leichnam. Die Identitäten werden erst nach den am Donnerstag stattfindenden Obduktionen zweifelsfrei feststehen. Möglicherweise handelt es sich um die beiden Männer aus Hille, die verschwunden sind. Sowohl der 71-jährige Nachbar Gerd F. als auch ein zweiter 65-jähriger Mann, der bei dem Tatverdächtigen Jörg W., einem ehemaligen Fremdenlegionär, auf dem Hof gearbeitet haben und kurzzeitig bei Gerd F. gewohnt haben soll, werden vermisst. Die Ermittlungen dauern an. Die Suchmaßnahmen werden fortgeführt. Der Tatverdächtige Jörg W. hat Polizeibeamten gegenüber bereits gestanden, den 30-jährigen Fadi S. aus Stadthagen mit einem Hammer erschlagen zu haben, teilen Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Nach seiner Flucht war er am Samstag in Bayern von Spezialkräften festgenommen worden. Am Sonntag hatte ein Richter Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen. Bislang ist der Verdächtige noch nicht nach Nordrhein-Westfalen überstellt worden. Erste Hinweise zum Motiv des Tatverdächtigen Zum Motiv für den Tod des 30-Jährigen gebe es erste Hinweise, allerdings seien die Informationen noch schwammig und unkonkret. "Der mutmaßliche Täter und das Opfer standen in einer Geschäftsbeziehung zueinander", erklärte eine Polizeisprecherin. Jörg W. sei zuvor nicht durch Gewaltdelikte in Erscheinung getreten oder vorbestraft. Im Laufe des Tages hatte die Polizei insbesondere das Wohnhaus und Grundstück des 51-Jährigen sowie das Grundstück des nach wie vor vermissten Gerd F. und die nähere Umgebung nach Beweismitteln durchsucht. Gerd F. ist Eigentümer des Anwesens, in dem die Ermittler am Freitag vergangener Woche den toten Stadthäger Fadi S. entdeckten. Vor Ort waren Staatsanwalt Christopher York und Markus Mertens, Leiter der Mordkommission "Wilhelm". Laut ihrer Aussage suchten die Ermittler gezielt die Objekte ab. Man wisse auch was man suche, es habe aber keine Hinweise von außen gegeben, heißt es. Jörg W. habe keine Aussage gemacht, wo oder wonach gesucht werden könnte. Man habe den geständigen 51-Jährigen auch zum Verbleib seines Nachbarn Gerd F. befragt, könne dazu aber keine Angaben machen. Es waren erneut Polizeibeamte mit Leichenspürhunden vor Ort, die das Gelände rund um das Haus durchsucht haben. Auch ein Hubschrauber war über dem Gebiet im Einsatz. Ein Kanalreinigungsunternehmen war zum Grundstück des vermissten 71-jährigen Gerd F. gerufen worden. Einsatzkräfte des THW trafen mit schwerem Gerät am Ermittlungsort ein. Sie haben dort Grabungsarbeiten vorgenommen. Auch eine Tauchergruppe sollte zum Einsatz kommen, um einen Gartenteich, eine Sickergrube und eine Klärgrube die verschlammt sind, zu durchsuchen, hieß es zunächst. Im Rahmen der Ermittlungen ist der Mordkommission bekannt geworden, dass auf dem Hof des 51-jährigen Jörg W. neben seiner Familie auch ein 65-jähriger Mann aus Hille gelebt haben soll, der in der Vergangenheit Arbeiten auf dem Hof des Tatverdächtigen ausgeübt hat. Der Vermisste soll mit einem weiteren ortsfremden Mann auf dem Hof gewohnt haben. Er lebte in einem Anbau am Pferdestall, den Jörg W. für ihn gebaut hatte. Kurzzeitig hat der 65-Jährige auch in einer Einliegerwohnung im Haus des vermissten Nachbarn Gerd F. gewohnt. Später war der Gast offenbar spurlos verschwunden. Angehörige hatten zuletzt im Herbst 2017 Kontakt zu dem Senior. Der zweite Mann von Jörg W.s Hof, ist nach Minden gezogen. Gegenüber Journalisten gab er an, dass er bereits vor mehreren Jahren von dem Hof weggezogen sei. Mehr wollte er dazu nicht sagen. Weder zu dem 71-jährigen Nachbarn Gerd F. noch zu dem 65-Jährigen liegen der Polizei bislang Vermisstenmeldungen vor. Die Möglichkeit, dass der 71-jährige Gerd F. sich nach ersten Informationen in einer Entzugsklinik aufhalten könnte, wurde überprüft. Zum Ergebnis machte die Polizei keine Angaben.

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