An den Klingeln des verschollenen Gerd F. hat die Spurensicherung ihre Markierungen hinterlassen. Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise zu dem 71-Jährigen. - © Stefanie Dullweber
An den Klingeln des verschollenen Gerd F. hat die Spurensicherung ihre Markierungen hinterlassen. Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise zu dem 71-Jährigen. | © Stefanie Dullweber

Mord in Hille: Wo ist der verschwundene Nachbar (71) des Verdächtigen?

Nina Könemann
Stefan Koch

Nadine Schwan

Hille. Keine Leichenspürhunde, keine Ermittler in weißen Anzügen, keine Kommissare: Nur noch die Siegel der Polizei am Haus von Gerd F. deuten am Montagmittag auf die dramatischen Ereignisse hin, die sich in der vergangenen Woche hier abgespielt haben. Dafür, dass der 71-Jährige jetzt in den Fokus der Ermittlungen geraten ist, ist es verdächtig ruhig. Der Fall wird immer undurchsichtiger. Es geht um drei Männer: Jörg W., Fadi S. und Gerd F. Die Fragen, die sie um ranken: Wo steckt Gerd F.? Was hat dieser Fall mit dem 30-jährigen Fadi S. zu tun, dessen Leiche am Freitag auf dem Anwesen von F. gefunden wurde? Und warum flüchtete der unter Mordverdacht stehende Jörg W., der jetzt die Tat bestreitet? Zuletzt wurde Gerd F. mit seinem roten Mofa vor einem Jahr in Hille gesehen. Für das Fahrzeug hatte er zu diesem Zeitpunkt noch eine gültige Zulassung beantragt. Der 71-jährige Witwer gilt als jähzornig, sagen Menschen, die ihn kennen. „Er ist immer schwieriger geworden", sagt ein Nahestehender. Auch mit seiner Frau soll F. grob umgegangen sein. Mit seiner Familie hatte er schon lange keinen Kontakt mehr. Sein Schäferhund ist vor einigen Jahren gestorben. Auf MT-Nachfrage wissen Angehörige angeblich nicht, wo er sich aufhält. Sie seien auch von der Polizei noch nicht befragt worden. Undurchsichtige Besitzverhältnisse des Gehöfts Jörg W. soll sein Verschwinden damit erklärt haben, dass Gerd F. sich in einer Entzugsklinik für Alkoholkranke befinde. Offenbar war W. der letzte, der ihn gesehen hat. Er kümmerte sich um den Rentner, hatte einen Schlüssel zu seinem Haus und soll dort vor einigen Wochen mit Renovierungen begonnen haben. Im Haus von Gerd F. stehen Tapetenrollen, leere Pizzakartons und etliche Bierkisten. Bekannte von ihm sagen, W. habe sich das Haus von Gerd F. unter den Nagel reißen wollen. „Wenn der alte Mann nicht mehr da ist, wird das hier noch größer", soll er gesagt haben. Und: „Zur Not gieße ich ihn in Beton." Ob das wirklich wahr ist? Andere wiederum berichten gegenüber dem MT, ein Neffe von W. habe das Haus gekauft – deshalb die Renovierungsarbeiten. Dieser etwa 30 Jahre alte Mann sei Soldat und derzeit im Ausland eingesetzt. Er sei bereits von der Polizei vernommen worden, aber nicht weiter in den Fokus der Ermittlungen gerückt. Die letzten Belege stammen aus dem Jahr 2011. Zu diesem Zeitpunkt waren Gerd F. und seine Frau zu gleichen Teilen Besitzer des Hauses. "Was, wenn die Polizei sich irrt?" Das Bild von W., das seine Bekannten zeichnen, ist ambivalent. Manche schützen ihn, loben seine Hilfsbereitschaft und seinen Fleiß. „Er war ein Malocher", sagen sie, „ein Mann, vor dem man keine Angst haben braucht." Seine Frau hätte er nie mit der ganzen Arbeit auf dem Hof alleine gelassen. „Das sind einfach Leute, die hart arbeiten." Andere vermuten, dass hinter der Tat nur ein riesiges Missverständnis steckt. „Was, wenn die Polizei sich irrt?" Gleichzeitig berichten sie auch von seiner Zeit in der Fremdenlegion, von der W. häufig erzählte. Manchmal sei er nachts aufgeschreckt, weil er von seinen Erlebnissen träumte. Gleichzeitig habe er gelernt, wie man jemanden umbringt und auch verschwinden lässt. W. soll sich für Waffen interessiert haben und war häufig auf Flohmärkten in der Region zu sehen. Außerdem soll er erzählt haben, dass er im Zweifelsfall keine Probleme habe, unterzutauchen. Aus seiner Zeit in der Fremdenlegion hätte er noch zahlreiche Kontakte. Widersprüchlich dazu ist das Verhalten von Jörg W., der am Samstagabend kurz vor der österreichischen Grenze in einem Hotel festgenommen wurde. Sein Auto hatte der 51-Jährige in der Nähe einer Polizeistation geparkt. „Vielleicht wollte er ja gefunden werden", mutmaßt eine Hillerin und ergänzt: „Dumm ist er ganz bestimmt nicht." Alle weiteren Artikel zum Fall finden sie hier.

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