Espelkamp Wiederbelebung des Bahnhaltes in Gestringen das nächste Ziel

Dorfgemeinschaft und Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke ziehen an einem Strang

VON JOERN SPREEN-LEDEBUR
Jan-Dirk Jungvogel (l.) von der Dorfgemeinschaft und AEBB-Vorsitzender Matthias Huck stellten gestern die Überlegungen zum Gestringer Bahnhalt vor. Beide hoffen, dass Züge künftig in Gestringen nicht mehr nur durchfahren. - © FOTO: JOERN SPREEN-LEDEBUR
Jan-Dirk Jungvogel (l.) von der Dorfgemeinschaft und AEBB-Vorsitzender Matthias Huck stellten gestern die Überlegungen zum Gestringer Bahnhalt vor. Beide hoffen, dass Züge künftig in Gestringen nicht mehr nur durchfahren. | © FOTO: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Espelkamp-Gestringen. Die Instandsetzung des Bahnübergangs an der Gestringer Straße steht noch an, die Dorfgemeinschaft Gestringen und das Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bünde–Bassum (AEBB) haben aber schon das nächste Ziel im Auge: die Wiederbelebung des Bahnhaltes in Gestringen.

Jan-Dirk Jungvogel von der Dorfgemeinschaft erinnerte gestern daran, dass schon vor rund zehn Jahren im Dorfentwicklungsplan die Reaktivierung des Bahnhaltes gewünscht wurde. Ein neuer Haltepunkt an einer Strecke könne aber nicht so ohne weiteres errichtet werden, sagte AEBB-Vorsitzender Matthias Huck. Das bedeute ein langes und am Ende eventuell erfolgloses Verfahren.

Das jedoch sieht in Gestringen etwas anders aus. Die alte Bahnsteigkante gibt’s noch und für diesen Bahnsteig könnte ein Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen (EIU) eine Betriebsgenehmigung beantragen. Mit der Bonner Rhein-Sieg-Eisenbahn hat das AEBB ein deutsches EIU als Partner, das bei der Landeseisenbahnaufsicht einen solchen Antrag stellen könnte.

In Sulingen hat für das Bündnis der Partner Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) für den dortigen Bahnsteig einen solchen Antrag gestellt, und der wurde genehmigt. Damit ist der Sulinger Bahnsteig für 50 Jahre Eisenbahn-Infrastruktur und kann nicht vom Schienennetz abgetrennt werden (die Neue Westfälische berichtete).

Bevor die RSE und das Aktionsbündnis eine Betriebsgenehmigung bei der Landeseisenbahnaufsicht NRW beantragen, wollen sie aber die Meinungsbildung vor Ort abwarten. In Gestringen sei die eindeutig, berichtete Jan-Dirk Jungvogel gestern mit Hinweis auf die jüngste Bürgerversammlung (die NW berichtete). "Wir wollen diesen Haltepunkt."

Gestringens Ortsvorsteher Max Grote wolle nun Gespräche mit den Nachbarorten führen, um deren Meinung einzuholen. Das betreffe Vehlage, Fiestel, Isenstedt und Frotheim, die in der Espelkamper "Südschiene" liegen. Für diese Orte an der alten Chaussee Minden–Levern sei einst der Bahnhof Gestringen eröffnet worden.

Rund 40 Parkplätze seien an einem neuen Haltepunkt Gestringen möglich, so Huck und Jungvogel. Die Kosten dafür und für Bahnsteig, Beleuchtung, Info-Tafeln und die elektronische Fahrgastinfo schätzt Huck auf rund 100.000 Euro. Jeder, der das Projekt finanziell unterstützen wolle, sei gern gesehen, so Jungvogel. Weitere 200.000 Euro müssten aufgebracht werden, um am neuen Bahnübergang einen wegen des denkbaren Bahnhaltes notwendigen elektrischen Kontakt einzubauen. Die Vorrichtungen dafür (Jungvogel: "Es geht um die Leerrohre") solle die Deutsche Bahn AG schaffen, wenn sie nun mit der Instandsetzung des defekten Bahnübergangs beginne. Die Bahn AG wisse in diesem Punkt aber Bescheid, sagte Huck.

Kritisch äußerte sich Huck zum derzeit defekten und von Posten und mobiler Schranke gesicherten Übergang. Das AEBB könne ein für die Reparatur notwendiges Ersatzteil leihen. Dann würde die alte Technik binnen eines Tages wieder laufen, meinte Huck. Das Angebot sei von der Bahn AG aber abgelehnt worden. Stattdessen würden nun rund 400.000 Euro in die neue Technik investiert und monatlich bis zu 25.000 Euro für die Bahnübergangsposten ausgegeben. Jan-Dirk Jungvogel dazu: "Da wird richtig Geld verbraten."

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