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Espelkamp Fenster erinnern an Vertreibung

50 JAHRE THOMASKIRCHE: [/SERIE_G]Kunstwerke erzählen Geschichte

VON KARSTEN SCHULZ
27.03.2013 | Aktualisiert vor 0 Minuten
Das "Vertreibungsfenster" ist in der rechten Fensternische der Turmhalle eingesetzt worden und lädt zur Meditation ein. - © FOTO. JOERN SPREEN-LEDEBUR
Das "Vertreibungsfenster" ist in der rechten Fensternische der Turmhalle eingesetzt worden und lädt zur Meditation ein. | © FOTO. JOERN SPREEN-LEDEBUR

Espelkamp. Nach dem Öffnen des schweren bronzenen Hauptportals der Thomaskirche Espelkamp wird der Besucher gleich von einem Kunstwerk in Empfang genommen. Wer den Blick in die rechte Fensternische wendet, erblickt dort ein ganz besonderes Kirchenfenster, das inzwischen in die Kunst- und Kulturgeschichte Nachkriegsdeutschlands eingegangen ist. Es wird als "Vertreibungsfenster" bezeichnet und verdient sicherlich besondere Aufmerksamkeit.

Das "Vertreibungsfenster" in der Turmhalle der Thomaskirche soll über Generationen hinfort die Erinnerung daran wachhalten, das Espelkamp eine Stadt der Vertriebenen und Flüchtlinge ist. Der Lübecker Glasmaler Emil Grassert, über den es so gut wie keine Aufzeichnungen oder eine zusammenhängende Biographie gibt, hat dieses Fenster gestaltet. Es ist – im Gegensatz zu den Altarfenstern, die zwanzig Jahre später eingesetzt wurden – gleich beim Bau der Kirche eingesetzt worden und konnte bereits zur Einweihung am 30, Juni 1963 bewundert werden.

In dem dunkelgrau gehaltenen Dreieck an der rechten Seite des Fensters sieht man den Vertreter der Macht, der die verlassene Heimat, das eroberte Land und die neue Grenze bewacht, unbekümmert und gleichgültig.

Die Grenze ist scharf und schneidend gezogen, schmerzend wie ein Messerschnitt in einem lebendigen Leibe. Diesseits der Grenzen in dem helleren Land, bewegt sich die Flüchtlingsgruppe langsam, mit stockendem Schritt, doch unaufhaltsam. Man erkennt zuerst die Freuengestalten mit den von Leid und Sorge gezeichneten Gesichtern Hinter ihnen, gleichsam als Rückendeckung, die Gruppe der Männer; vor ihnen Kinder, die sich an die Mütter zu klammern scheinen.

In der großen, aber nun doch helleren Einsamkeit und Verlassenheit um sie her leuchten einige farbige Tupfen. Es ist, als ob in dem grauen Elend, aus dem sie kommen und in das sie hineingehen, ein erstes Aufflackern von Hoffnung und neuem Leben sich andeute. Im Kirchraum nimmt die Gruppe die Richtung zum Altar, über dem das Bild des gekreuzigten und auferstandenen Erbarmers hängt.

Das gegenüberliegende Fenster nennt das Wort, das Vielen zum starken Trost geworden ist: "Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende". In der Beschreibung der Gemeinde heißt es dazu: "So gehört das Bild von der Vertreibung in unserer Kirche als Zeugnis von dem gelebten und erfahrenen Glauben der Gemeinde und von dem, der alle selbstverschuldete Qual der Menschen am Ende in den Frieden Gottes führt."

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