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Mehr als 400 Besucher fasst der große Kirchenraum, der mitten im Gemeindezentrum Gestringen gebildet werden kann. Für die Kirche wird der Raum nicht mehr genutzt. - © Karsten Schulz
Mehr als 400 Besucher fasst der große Kirchenraum, der mitten im Gemeindezentrum Gestringen gebildet werden kann. Für die Kirche wird der Raum nicht mehr genutzt. | © Karsten Schulz

Gotteshaus steht zum Verkauf Kirche in Espelkamp wird geschlossen: Trauer und Wut bei den Gläubigen

Kirchengemeinde Alswede verabschiedet sich vom Gemeindezentrum Gestringen. Mit der Entscheidung sind viele nicht einverstanden – und ziehen Konsequenzen.

Klaus Frensing
30.11.2022 | Stand 30.11.2022, 13:18 Uhr

Espelkamp. Ein neues Kirchenjahr beginnt mit dem ersten Advent, doch für die Gestringer Mitglieder der Kirchengemeinde Alswede war der Gottesdienst in der „ihrer“ Trinitatiskirche beileibe kein Anlass, sich zu freuen. Denn am Wochenende hieß es: Abschied nehmen vom Trinitatis-Gemeindezentrum. Ein Tag der Trauer, den viele von ihnen nicht vor Ort erleben möchten. Wie sagte der Dorfgemeinschaftsvorsitzende Bernd Wlotkowski während des adventlichen Treffens am Samstagnachmittag: „Ein schwarzer Tag für Gestringen. Das möchte ich mir nicht antun.“ Und viele dachten genauso.

Pfarrerin Karin Röthemeyer appellierte während des Gottesdienstes: „Lasst uns gemeinsam eine neue Gemeinde in Alswede aufbauen.“ Sicher sei der Abschied aus Gestringen und die Konzentration auf Alswede mit viel Wehmut verbunden, doch wohne jedem Abschied auch ein Neustart inne. Sie wünschte sich, dass alle Gemeindemitglieder dies auch als Chance betrachten und mit Zuversicht nach vorne schauen.

Die Hoffnung weitertragen, dass es weitergeht

In den Gottesdienst eingebettet waren Worte des Abschieds. Jugendreferentin Ulrike Nebur-Schröder, seit 2006 auch für Gestringen zuständig, erinnerte an die „sehr aktive“ Jugendarbeit im Jugendkeller mit vielen Aktionen, aber auch daran, dass es personell immer schwer war, klar zu kommen. Sie bedauerte, dass das Jugendzentrum nicht weiter betrieben werden kann, machte aber auch Mut: „Es geht weiter. Ich habe auch schon die ersten Kinder in Alswede gesehen.“ Sie appellierte an alle, die Jugend- und Gemeindearbeit neu zu betrachten und die Hoffnung weiter zu tragen, dass es weiter geht.

Während Hartmut Gebauer viele emotionale Momente mit der Trinitatiskirche verbindet, erinnerten Julia Heppe und André Isbrandt an ihre Zeit, als sie ehrenamtlich in der Jugendarbeit aktiv waren. „Im Jugendkeller tobte das Leben“, schwärmte Julia Heppe. „Ich bin hier getauft und konfirmiert worden, habe Jugendarbeit gemacht und auch geheiratet“, sind für den jungen Presbyter prägende Ereignisse mit dem Gemeindezentrum verbunden. „Es stimmt mich traurig, Abschied zu nehmen“, gestand er und forderte die Gemeinde auf: „Glauben Sie weiter mit uns und bleiben Sie Teil dieser Gemeinde.“

Konfirmanden tragen den Adventskranz aus der Trinitatiskirche. - © Klaus Frensing
Konfirmanden tragen den Adventskranz aus der Trinitatiskirche. | © Klaus Frensing

Abschied nehmen hieß es an diesem Tag auch von Küsterin Inge Bolsenbroek, die acht Jahren lang „sehr engagiert“, wie Karin Röthemeyer hervorhob, ihren Dienst im Gemeindezentrum verrichtete. Zum Dank überreichte sie ein blumiges „ostwestfälisches Flachgeschenk“. Im Namen der vielen Gruppen, die sich im Gemeindezentrum trafen, dankte Monika Engelage der scheidenden Küsterin.

Adventskranz aus der Kirche getragen

Dank sprach die Pfarrerin auch dem „Förderverein zur Erhaltung des Gestringer Gemeindezentrums“, der 17 Jahre lang das Gemeindezentrum unterstützt hatte, und sich nach dem Beschluss der evangelischen Kirchengemeinde Alswede, das Trinitatis-Gemeindezentrum aufzugeben, aufgelöst hat. Ihr Dank galt ebenso der Grüngruppe, die sich um die Pflege des Außengeländes gekümmert hat und sich inzwischen ebenso aufgelöst hat wie der Chor „Concino“ oder die Landfrauen-Gruppe, die die Kirche immer bei Erntedankfesten und anderen kirchlichen Festen geschmückt hat.

Zum Abschluss des Gottesdienstes, der von Karin Röthemeyer gemeinsam mit Silke Lindgren und Inga Lampe, die die Lesung hielten, sowie Kirchmeister Wilhelm Schnelle und den Presbyterinnen Susanne Kuhlmann und Silke Lindgren, die die Fürbitten sprachen, gehalten wurde, trugen die Gestringer Konfirmanden den Adventskranz aus der Kirche, der dann nach Alswede zu einem Empfang mitgenommen wurde.

Mitglieder treten aus Kirchengemeinde aus

„Unser Adventskranz, der an diesem Tag mit seinem Licht an zwei Orten leuchtet, soll ein Zeichen der Verbindung sein“, unterstrich die Pastorin. Nach dem Gottesdienst waren alle Gemeindemitglieder zum Empfang in der Alsweder St.-Andreas-Kirche und anschließendem gemütlichen Beisammensein im Gemeindesaal mit Plätzchen und Erfrischungsgetränken sowie Kaffee, Tee, Glühwein und Kinderpunsch eingeladen.

Wie es mit dem Gestringer Gemeindezentrum weiter- geht? „Es steht zum Verkauf“, sagte Karin Röthemeyer. Näheres könne sie aber noch nicht sagen. Dass man in Gestringen mit der Entscheidung, das Gemeindezentrum aufzugeben, alles andere als einverstanden ist, zeigt die Tatsache, dass einige Gemeindemitgliedern bereits aus der Kirche ausgetreten und andere die die Gemeinde wechseln.

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