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Ideenreich: AöR-Vorstand Klaus Hagemeier. ArchivFoto: Frensing - © Klaus Frensing
Ideenreich: AöR-Vorstand Klaus Hagemeier. ArchivFoto: Frensing | © Klaus Frensing

Espelkamp Espelkamp will Klärschlamm klären

Stadtwerke erhalten Auftrag aus der Politik, sich nach einem alternativen Standort für eine Vererdungsanlage umzuschauen. Ursprünglicher Standort im Trinkwassergewinnungsgebiet geplant

Karsten Schulz
08.11.2019 | Stand 09.11.2019, 12:56 Uhr

Espelkamp. Die Verwertung des auf der Kläranlage anfallenden Schlamms wird immer schwieriger. Zukünftig kann nur noch eine geringe Menge des Substrats zur Düngung an die Landwirtschaft abgegeben werden. So ist auf OWL-Ebene bereits eine Verwertungsgesellschaft gegründet worden, an der sich jede Kommune beteiligen kann. Die Stadtwerke mit Vorstand Klaus Hagemeier hatten sich ebenfalls Gedanken gemacht und eine ökologisch sinnvolle Alternative angeboten, die sie kürzlich im Verwaltungsrat vorstellten. Allerdings würde die Klärschlammvererdungsanlage knapp drei Millionen Euro kosten und sollte im östlichen Bereich der Kleinen Aue und südlich der L 770 liegen. Bei dem Gebiet handelt es sich um ein Wasserschutzgebiet. Sowohl Bürgermeister Heinrich Vieker als auch Hagemeier teilten den Politikern mit, dass die Aufsichtsbehörden die Anlage an besagter Stelle genehmigen würden. Dennoch konnten sich die Politiker im Verwaltungsrat nicht zu einer Zustimmung durchringen. Es gab von allen Seiten Nachfragen und Bedenken, besonders von Vertretern der SPD. Bürgermeister Vieker möchte, dass eine „möglichst breite Mehrheit diese Investition mitträgt". So wurde auf die Ratssitzung verwiesen, bei der es zu einer weiteren Vertagung der Entscheidung kam. Eine Vererdungsanlage ist auch für den Klimaschutz sinnvoll Noch einmal trug Klaus Hagemeier vor, warum er eine solche Anlage vor allem auch für den Klimaschutz für sinnvoll erachtet. Aufgrund der Standortproblematik wegen möglicher Grundwassergefährdung ist der Stadtwerke-Chef noch einmal in sich gegangen und hatte den Fraktionsvorsitzenden bereits im Ältestenrat vor der Ratssitzung vorgeschlagen, einen Standort zu suchen, der nicht im Wasserschutzgebiet liegt. Mit einem konkreten Areal konnte er jedoch noch nicht dienen. Darauf gingen die Politiker während der jüngsten Ratssitzung sofort ein. Sie betonten grundsätzlich, dass sie eine Vererdungsanlage ebenfalls für ökologisch sehr sinnvoll erachten und sich dafür aussprechen würden, allerdings nicht in einem Wassergewinnungsgebiet. "Bedenken der Bevölkerung nachvollziehbar" „Wir können die Bedenken der Bevölkerung und der anderen Fraktionen nachvollziehen. Wir müssen einen neuen Standort finden, um ein zukunftsfähiges Entsorgungsmodell zu schaffen." Das griff SPD-Fraktionssprecher Reinhard Bösch sofort auf. „Gut, dass wir seinerzeit im Verwaltungsrat in dieser Deutlichkeit unsere Bedenken geäußert haben. Wir wollen auch eine Vererdungsanlage, aber nicht unter der Voraussetzung, dass sie in einem Wasserschutzgebiet gebaut werden muss." Andreas Sültrup (Grüne) wies noch einmal auf Gefahren hin. Pro Jahr werden 55 Tonnen Kohlendioxid eingespart „Bei einem möglichen Leck haben wir nicht wieder gut zu machende Folgen für unser Trinkwasser zu befürchten. Wir müssen da weiterdenken. Grundsätzlich finden wir aber eine solche Anlage ebenfalls sehr gut und richtig." Sültrup bat darum, einmal darüber nachzudenken, beispielsweise den Phosphor aus dem Klärschlamm zu extrahieren. „Das ist ein sehr wertvoller Rohstoff." Bernd Selig von den Unabhängigen und Gisela Vorwerg (FDP) sehen das Vererdungsverfahren als umweltfreundliche Lösung an, aber nicht in einem Wasserschutzgebiet. Klaus Hagemeier machte noch einmal deutlich, wie klimafreundlich die Anlage ist. Pro Jahr können 55 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

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