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28.01.2019, Sachsen, Hartha: Blick in ein Sprechzimmer in der Praxis vom Hausarzt Danny Nummert-Schulze. Seit dem 1. September 2018 bieten Mediziner in ausgewählten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) des Helios-Klinik Verbundes in ganz Sachsen Videosprechstunden an. - © picture alliance/dpa
28.01.2019, Sachsen, Hartha: Blick in ein Sprechzimmer in der Praxis vom Hausarzt Danny Nummert-Schulze. Seit dem 1. September 2018 bieten Mediziner in ausgewählten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) des Helios-Klinik Verbundes in ganz Sachsen Videosprechstunden an. | © picture alliance/dpa

Espelkamp Espelkamper Ärzte entschuldigen sich bei den Patienten für Engpass

Nach einer öffentlich Beschwerde einer schwerkranken Patientin über eine unzureichende Versorgung in der Ferienzeit. Ein Arzt erklärt jetzt die Hintergründe.

09.08.2019 | Stand 09.08.2019, 09:23 Uhr

Espelkamp. Andreas Eller, Facharzt für Allgemeinmedizin, ist seit Jahrzehnten in Espelkamp ansässig und nimmt in folgender Erklärung Stellung zur aktuellen Vertretungssituation in der Stadt. Er bezieht sich dabei auf die Beschwerde einer schwerkranken Patientin, die in der Ferienzeit vergeblich versuchte einen Allgemeinarzt zu erreichen. Eller erklärt, wie es zu diesem Engpass in der Ferienzeit gekommen ist. „In dem Artikel greifen Sie das Vertretungsproblem der Ärzte in Espelkamp während der Urlaubszeit auf, das in der vergangenen Woche bestand. Die Situation hat sich inzwischen entspannt. Die Zuspitzung der Situation war für alle Betroffenen eine Herausforderung, für die wir Ärzte in Espelkamp uns gegenüber den Patienten entschuldigen. Patienen stehen bis auf den Flur hinaus Schlange Meine Praxis hatte in der vergangenen Woche tatsächlich als einzige Praxis in Espelkamp den Dienst versehen. Zur Beschreibung dieser Situation, es stehen die Patienten bis auf den Flur hinaus Schlange. Und es ist nicht sinnvoll, wenn alle Hände gebraucht werden, jemanden abzustellen, der am Telefon immer wiederholt: ’Kommen Sie mit ihren Problemen zu uns in die Praxis.’ Genau dies hatten wir auf den Anrufbeantworter gesprochen, der es bei Anruf unermüdlich wiederholt hatte. Bis an die Grenzen der Möglichkeiten gearbeitet Der Wunsch, sich zu vergewissern, dass man angenommen wird, ist zwar nachvollziehbar, hätte unsere Möglichkeiten in der Akutversorgung aber weiter eingeschränkt. Meine Mitarbeiterinnen und ich hatten in der vergangenen Woche bis an die Grenze unserer Möglichkeiten gearbeitet und jeden versorgt, auch Patienten aus Rahden und Lübbecke, die zu uns in die Praxis gekommen waren. Darüber hinaus war ich in den Zeiten zwischen den Sprechstunden unermüdlich unterwegs, um die Patienten in den Heimen und Zuhause zu versorgen. So viel zu ihrer ansprechenden Darstellung der Situation der alten Dame mit Luftnot. Zwei Arztpraxen standen nicht zur Verfügung Eine Hintergrundinformation lässt mich vermuten, dass die Praxis Aziz unfreiwillig nicht zur Verfügung stand. Dass dann ein weiterer Kollege sich nicht an seine Absprache gehalten hat, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Auf die Problematik der Vertretungsregelung mit drei Kollegen, von denen nur einer krank werden muss, um die Situation brenzlig werden zu lassen, hatte ich bereits bei der Besprechung zur Urlaubsvertretung im vergangenen Winter hingewiesen. Die Verteilung sah zu diesem Zeitpunkt aber drei Kollegen vor Ort vor, die dem Ansturm hätten gerecht werden können. Zukünftig werden sich die Ärzte intern vertreten lassen Der Hinweis der KV aber, dass man bei Krankheit einen Vertreter zu benennen hat, ansonsten könne es disziplinarisch zugehen, zeigt nur die Realitätsferne dieser Institution. Wenn kein Vertreter da ist, lässt sich auch keiner benennen. Diese KV hat den Sicherstellungsauftrag und schiebt ihn ab auf kranke Kollegen, die keinen Vertreter finden. Wie kompetent ist das denn? Die größeren Gemeinschaftspraxen haben für die Zukunft in Aussicht gestellt, dass sich Ärzte intern vertreten werden. Wenn diese Praxen mit einfacher Besetzung geöffnet bleiben, wird sich die Versorgungssituation sicher entspannen. Des Weiteren werden wir Ärzte in Espelkamp das Problem auf einer Sitzung im September aufarbeiten. Insofern gehe ich davon aus, dass wir gelassen auf künftige Urlaubswochen zugehen können."

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