0
Nadine Haßlöwer aus Düsseldorf vom Institut für soziale Innovation interviewte hier Hartmut Stickan aus Espelkamp-Schmalge, der von Anfang an den Kontakt zwischen Bürgern und Bundeswehr ermöglichte. - © Karsten Schulz
Nadine Haßlöwer aus Düsseldorf vom Institut für soziale Innovation interviewte hier Hartmut Stickan aus Espelkamp-Schmalge, der von Anfang an den Kontakt zwischen Bürgern und Bundeswehr ermöglichte. | © Karsten Schulz

Espelkamp Anliegern aus Hille und Espelkamp die Ängste genommen

Informationsveranstaltung im Forum der Gesamtschule fand großes Interesse. Wickriede, Wittloge-Range und Pohlsche Heide waren die Themen

Karsten Schulz
13.06.2019 | Stand 13.06.2019, 17:40 Uhr

Espelkamp/Hille. Volles Haus im Forum der Gesamtschule Hille. Die Gemeinde hatte unter der Leitung von Bürgermeister Michael Schweiß zu einer Informationsveranstaltung zu gleich drei Themen eingeladen, die die Anlieger des Gemeindegebietes und benachbarter Orte wie Schmalge/Osterwald auf dem Stadtgebiet Espelkamps und Diepenau/Lavelsloh im Landkreis Nienburg belasten. Es handelt sich um geplante vermeintliche Erweiterungen der Nutzung des Truppenübungsplatzes Wickriede sowie die zusätzliche Lärmbelastung durch weitere Anlagen wie eine Tontauben-Schieß-anlage durch die Kreisjägerschaft im Bereich Wittloge- Range und die geplanten weiteren Bauabschnitte zur Erweiterung der Pohlschen Heide. Mehr als 200 Bürger aus allen genannten Orten waren der Einladung gefolgt und löcherten das Podium mit entsprechenden Fragen oder zeigten auch Betroffenheit und vorhandene Ängste. Volles Verständnis bei der Bundeswehr Auf vollstes Verständnis trafen sie da bei den Vertretern der Bundeswehr, die zu viert gekommen waren. Sie hörten erstaunliche Aussagen. Beispielsweise von Regierungsrat Michael Menges vom Luftfahrtamt der Bundeswehr: „Der Status quo wird gesichert. Das Verfahren weitergeführt." Auch Oberstleutnant Köhler stellte fest: „Wir wollen durch dieses Verfahren nichts anderes sicherstellen, als das, was bisher jahrzehntelang betrieben wurde. Es ist nichts anderes angedacht, alles passiert so, wie es bisher geschehen ist." Beispielsweise was die Übungen sowie Starts und Landungen der Bückeburger Hubschrauber-Heeresflieger anbelangt. Nicht 800 Starts und Landungen seien jährlich vorgesehen, sondern nur 400. „Da muss es wohl einen Hörfehler gegeben haben und Fehlinterpretationen", stellt er gegenüber den Bürgern dar. "Wir unterwerfen uns dem Recht" Da es seit einigen Jahren das Luftfahrtamt der Bundeswehr gebe, müssten einige Dinge neu oder wieder beantragt werden. „Das ist nur mehr Bürokratie, hat aber nichts mit Ausweitung, anderen Grenzwerten oder insgesamt stärkerer Belastung zu tun." Dieses Amt nehme die Prüfverfahren sehr ernst. „Wir beugen kein Recht, sondern wir unterwerfen uns dem neuen Recht." Dies bestätigte auch Bataillonskommandeur Helge Lammerschmidt aus Minden, der nach einem Aufruf von Hilles Bürgermeister Michael Schweiß alle Nachbarn, Bürger Hilles, Anlieger und Interessierte zu einem Tag der offenen Tür einlud und sich jederzeit bei Fragen zur Verfügung stellte. 100.000 Flugstunden im Simulator absolviert Er stellte noch einmal fest, dass es früher 36.000 Flugstunden jährlich gab, jetzt aber nur noch 10.000. Allein im Simulator würden schon 100.000 Flugstunden absolviert, zerstreute er Ängste, dass sich der Lärm durch mehr Flugbewegungen erhöhen würde. Lutz Freiberg, Bau- und Umweltdezernent des Kreises Minden-Lübbecke, erläuterte den Bürgern, warum es kein offenes Anhörungsverfahren mit großer Öffentlichkeitsbeteiligung gegeben habe. Es handele sich hier nur um kleinere Änderungen in einem bereits genehmigten Antrag. Kein Atommüll-Lager auf der Pohlschen Heide Er zerstreute gleichzeitig Ängste einiger Bürger, dass der geplante Ausbau der Pohlschen Heide dazu diene, hier ein Atommüll-Lager zu errichten. Das sei „völlig abwegig, zumal der Untergrund und die Tektonik das schon gar nicht hergeben würden". Kritisch betrachtet wurden die Äußerungen von Walter Jäcker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke. Er stellte die Pläne zur Erweiterung der Anlage Wittloge-Range um eine Tontauben-Schießanlage vor. Dies sei zwar alles rechtlich in Ordnung, die Jägerschaft könne jedoch freiwillig weitere Schutzmaßnahmen gegen die Lautstärke einbauen, meinten viele Anwesende. Kommentar Sehr große Belastung Die Vertreter der Bundeswehr verkauften sich während der Bürgeranhörung und Informationsveranstaltung im Forum der Gesamtschule Hille sehr gut. Sehr informativ und gleichzeitig freundlich den Bürgern zugewandt, versuchten sie Verständnis für die Belange der deutschen „Parlaments-Armee" zu wecken und luden sie zum Schluss auch noch zu einem Tag der offenen Tür ein. Das war gut so und schafft Vertrauen. Nicht so gut an kam der Vertreter der Kreisjägerschaft, der zwar rechtlich alles genau richtig gemacht hat und auch die entsprechenden Genehmigungen vorweisen konnte, aber dennoch bei den anwesenden Nachbarn und Bürgern auf kein großes Verständnis stieß. Vor allem die 300-Meter-Bahn und die zusätzlich gewollte Tontauben-Schießanlage wird von den meisten eher als touristisch bewertet. Sie seien für die Ausbildung nicht notwendig. ?karsten.schulz@nw.de

realisiert durch evolver group