Markt der Möglichkeiten: Dienste aus der Region und für die Region stellten die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen vor. Dazu zählen auch individuelle Betreuungsleistungen wie sie Beate Oberschür (l.) von "Lebenswert 24" und Heidrun Körbe von "Atrium Care" anbieten. Zu ihrem Stand gehörten auch zwei lustige Handpuppen. Fotos: Kirsten Tirre
Markt der Möglichkeiten: Dienste aus der Region und für die Region stellten die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen vor. Dazu zählen auch individuelle Betreuungsleistungen wie sie Beate Oberschür (l.) von "Lebenswert 24" und Heidrun Körbe von "Atrium Care" anbieten. Zu ihrem Stand gehörten auch zwei lustige Handpuppen. Fotos: Kirsten Tirre

Espelkamp Auch mit Demenz mitten im Leben

Die 5. Netzwerkkonferenz des Demenz-Netzes im Kreis Minden-Lübbecke fand mit mehr als 300 Besuchern im Espelkamper Bürgerhaus statt. Auch die Jugend war eingebunden

Espelkamp. Menschen mit Demenz haben Angst, dass sie die Kontrolle über ihr eigenes Leben aber auch ihren Platz in Familie, Beruf und Gesellschaft verlieren. Deshalb stellte die 5. Netzwerkkonferenz des Demenz-Netzes im Kreis Minden-Lübbecke das Thema "Teilhabe" in den Mittelpunkt. Mehr als 300 Personen besuchten gestern die Konferenz, die im Espelkamper Bürgerhaus und damit erstmals im Altkreis Lübbecke stattfand. Viel mediale Aufmerksamkeit hatte die Konferenz im Vorfeld gefunden, zu der am Nachmittag als besonderer Gast auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann begrüßt wurde. Er lobte das Demenz-Netz als beispielhaft. "Toll, dass so viele Menschen aus dem ganzen Kreis den Weg ins Espelkamper Bürgerhaus gefunden haben", freute sich Mitorganisator Hartmut Emme von der Ahe von Parisozial Minden-Lübbecke. Besonders freue er sich, dass auch viele junge Menschen darunter seien. Denn genau das war der Ansatzpunkt. Es sollten diesmal weniger die Pflegestandards im Vordergrund stehen, sondern die Frage, "wie sich Lebensräume und Beziehungen so gestalten lassen, dass Menschen mit einer Demenz daran teilhaben können", hatte Christian Adam, der das Demenz-Netz beim Kreis koordiniert, formuliert. Unterstützung bieten dabei nicht nur professionelle Netzwerke wie das Demenz-Netz im Kreis mit 210 Partnern, sondern auch informelle Netzwerke wie Dorfgemeinschaften und Sportvereine, die sich immer mehr auch Menschen mit der Diagnose Demenz öffnen würden, sagte Sinja H. Meyer-Rötz, Referentin Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung der Stadt Berlin in ihrem Vortrag. "Teilhabe ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", betonte sie. Akzeptanz, Toleranz und Respekt nannte sie als die drei Grundvoraussetzungen für die Teilhabe. Auch durch das Bundesteilhabegesetz werde der Paradigmenwechsel deutlich. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff öffne den Blick auf Teilhabe-Chancen und Ressourcen und nicht auf Defizite. Enkel beschreiben die Veränderungen ihrer Omas und Opas Diese Botschaft will auch das Demenz-Netzwerk in die Gesellschaft tragen, das schon viel aufgebaut hat, aber auch noch viel vor hat, sagte Landrat Ralf Niermann in seiner Begrüßung. Das Demenz-Netz ist ein Zusammenschluss von vielen Initiativen, Diensten und Einrichtungen, die Unterstützung für Erkrankte und ihre Bezugspersonen anbieten. Die Konferenz sei eine Veranstaltung, die es in sich habe, denn neben Fachvorträgen konnten sich die Besucher beim "Markt der Möglichkeiten" auch über die Dienste aus und für die Region informieren. Das Zentrum für Pflegeberatung in Espelkamp war ebenso vertreten, wie beispielsweise die Wohnberatung des Kreises, die auch Hausbesuche macht, der Ludwig-Steil-Hof, Krankenkassen und Pflegedienste. Zu der Veranstaltung gehöre auch, das Thema in die jüngere Generation hineinzutragen, sagte Niermann. Beeindruckende Gedichte hatte der Literaturkurs des Söderblom-Gymnasiums zu der Konferenz beigetragen. Die Schüler hatten sich unter Anleitung ihres Fachlehrers Andreas Ferling literarisch damit auseinandergesetzt, wie sie das Thema Demenz aus der Enkelperspektive erleben. Elf Werke wurden präsentiert und eines - das Gedicht "Verblasst" - auf der Bühne von Anna-Lea Hübner  vorgetragen "Das Bild füllt sich mehr und mehr", sagte Moderator Sarah Golcher, die auf der Bühne auch Hannelore Kühnen und Uta Hartmeier von der Künstlergruppe Rahden begrüßte. Die Künstler hatten Bilder zum Thema gemalt, die auch ausgestellt waren. Das Werk von Hannelore Kühnen zierte den Flyer zur Veranstaltung. Uwe Brockmann von den "Feinen Kerlen" aus Petershagen, die für Demenzkranke Fahrten im Motorradgespann anbieten, wurde ebenfalls auf der Bühne vorgestellt und erhielt für das Engagement wie die anderen Mitwirkenden ein Präsent. Ebenso Hartmut Schilling von der Alzheimer Gesellschaft sowie Zilan Tas und Patricia Janzen von der Akademie für Gesundheitsberufe, die einen Poetry Slam vortrugen. Erster Nachwuchsförderpreis des Demenz-Netzes vergeben Mit dem liebevoll illustrierten Bilderbuch "Opas bunte Welt", das die Veränderungen bei Demenz aus dem Blickwinkel eines Kindes beschreibt, hat sich eine Gruppe angehender Kinderkrankenschwestern beschäftigt und dafür den ersten Nachwuchsförderpreis des Demenz-Netzes gewonnen. Der erste Preis sowie zwei weitere wurden während der Veranstaltung übergeben.   Zwölf Gruppen hatten sich um den Preis beworben, unter den Projekten waren praktische Hilfen für den Alltag, Video-Reportagen oder auch ein wissenschaftliches Forschungsprojekt der Fachhochschule Bielefeld. Das Thema lautete "Handeln, wenn die Erinnerungen verblassen". Bewertet wurde neben der Idee und der handwerklichen Umsetzung besonders auch der Praxisbezug. Das Siegerteam lernt an der Akademie für Gesundheitsberufe in Minden.

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