In Sandalen auf dem Jakobsweg bei Portomarín in Spanien. - © Carolin Aschemeier
In Sandalen auf dem Jakobsweg bei Portomarín in Spanien. | © Carolin Aschemeier

Espelkamp So feiert eine Weltreisende aus OWL Weihnachten

Mit dem Abitur in der Tasche brach Carolin Aschemeier vor 6 Jahren in die weite Welt auf. Den Weg hat sie nie bereut

Espelkamp. Das Fernweh quälte Carolin Aschemeier schon als sie noch zur Schule ging. Routine war nicht ihr Ding. Um diese Leidenschaft nicht für ihren Beruf aufgeben zu müssen, machte sie sich nach dem Lehramtsstudium als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache selbstständig. Nun kann sie online unterricht. Und was am Wichtigsten ist: Sie braucht keinen festen Arbeitsplatz. Mit ihrem Mann Simon ist sie seit Anfang des Jahres wieder in der Welt unterwegs. Doch an Weihnachten, da wollen die beiden an einen ganz bestimmten Ort zurück. Carolin,  wo bist du zur Zeit und was machst du? Carolin Aschemeier: Seit Anfang des Jahres bin ich mit meinem Mann dabei, gemeinsam die Welt zu entdecken: Er ist Softwareentwickler und wir waren bis jetzt unter anderem im Senegal, in Mexiko, Kanada und einigen anderen Ländern. In den letzten drei Monaten waren wir in Asien unterwegs, wo wir zuletzt in einem Coworking Space auf Koh Lanta (Thailand) waren, um mit anderen Unternehmern an unseren Projekten zu arbeiten. Passt dein Berufsleben eigentlich mit diesem dauerhaften Reisen zusammen? Carolin: Schon seit meiner Schulzeit hat es mich immer wieder in die Ferne gezogen und ich stehe auf Kriegsfuß mit Routine. Zwar genieße ich auch gerne das „Bekannte", meist reizt mich das Unbekannte aber viel mehr. Ich habe mich als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache selbstständig gemacht und unterrichte fast ausschließlich online – das ist total praktisch, weil ich meinen Computer einfach mitnehmen und von überall aus arbeiten kann, sofern ich eine gute Internetverbindung habe. Außerdem entwickle ich aktuell eine Software mit digitalem Lehrwerk, die im Februar auf den Markt kommt. Nicht zu vergessen: , komme momentan wegen der ganzen anderen Projekte aber nicht wirklich zum Schreiben. Das ändert sich hoffentlich bald wieder! Und das mit dem Geld verdienen klappt so auch? Carolin: Als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache unterrichte ich Schüler aus aller Welt. Ich liebe es, denn auch dadurch lerne ich sehr viel über andere Kulturen und habe die Möglichkeit, anderen unsere Sprache und natürlich auch unsere Kultur zu vermitteln! Zwischenzeitig hatte ich auch darüber nachgedacht, mit dem Bloggen Geld zu verdienen, habe aber gerade noch rechtzeitig die Reißleine gezogen: Ich habe einfach zu sehr einen eigenen Kopf, um mich von Firmen für meine Berichterstattung bezahlen zu lassen – und Werbelinks für Großkonzerne, denen ich extrem kritisch gegenüberstehe, vertragen sich auch nicht mit meinen Grundsätzen. Ich habe dem Konsum abgeschworen und kaufe nur noch neue Sachen, wenn ich dafür etwas Altes aussortiere. Besitz beschwert mich eher, als dass er mir in irgendeiner Form von Nutzen wäre. Ich investiere daher lieber in schöne Momente – die Erinnerungen bleiben nämlich für immer. Warum hast du dich für dieses Leben entschieden? Carolin: Die Frage ist ja eher: Wieso führen so viele andere Menschen ein Leben, das gar nicht zu ihnen passt? Ich weiß, dass ich ziemliches Glück habe, dieses Leben führen zu können. Dessen bin ich mir durchaus bewusst – insbesondere, wenn ich mit Armut in anderen Ländern konfrontiert werde. Trotzdem habe ich in den letzten Monaten gelernt, dass man nicht unbedingt eine Weltreise machen oder irgendetwas total Außergewöhnliches machen muss, um glücklich zu sein. Der wichtigste Schritt ist meiner Meinung nach, den Mut aufzubringen, sich auch mal gegen gesellschaftliche Konventionen zu stellen. In einigen Tagen ist Weihnachten. Hat dieses traditionelle Fest in Deutschland eine Bedeutung für dich? Carolin: Obwohl die Kirche in meiner Kindheit und Jugend eine recht große Rolle gespielt hat, habe ich damit heutzutage nichts mehr am Hut. Trotzdem ist die Weihnachtszeit, ungeachtet des eigentlichen Ursprungs, für uns eine wunderbare Zeit. Wir lieben es, über die Weihnachtsmärkte zu schlendern, sich in eine dicke Decke zu kuscheln oder ganze Tage in der Sauna zu verbringen. Mittlerweile versuchen wir auch, uns wieder voll uns ganz der Besinnlichkeit hinzugeben und uns gezielt die Zeit dafür zu nehmen. Früher war unsere Weihnachtszeit viel zu oft von Stress, Hektik und Projektfristen geprägt. Wie feiert man als Weltreisende? Kommst du über Weihnachten "nach Hause"? Carolin: Wir sind pünktlich zum 1. Advent wieder nach Deutschland gekommen und werden Weihnachten ganz klassisch mit unserer Familie feiern. Die nächste große Reise kommt ganz sicher, aber momentan freuen wir uns sehr darauf, an Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum zu sitzen und diese eine Sache mal wieder vollkommen „traditionell" zu machen. Manche Dinge muss man einfach nicht ändern. Irgendwann möchte ich zwar auch mal "weiße Weihnachten" an einem weißen Sandstrand erleben, aber bisher zieht es uns für die Weihnachtszeit immer wieder zurück nach Deutschland. Da spielt natürlich auch unser Hochzeitstag eine Rolle, der Anfang Dezember ist - und den wir jedes Jahr in Köln verbringen, weil dort unser Lieblingsweihnachtsmarkt ist. Aber direkt nach den Feiertagen geht's für uns meistens weiter, denn über Silvester erkunden wir gern neue Orte und feiern dort ins neue Jahr. Letztes Jahr waren wir im Senegal, dieses Jahr rutschen wir unter dem Brandenburger Tor rein.

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