Ideen: So könnte das künftige Waldfreibad in Espelkamp aussehen. Die Wasserfläche wäre verkleinert, der Schwimmer- und der Nichtschwimmerbereich durch die Insel getrennt. Grafik: Stadt Espelkamp||
Ideen: So könnte das künftige Waldfreibad in Espelkamp aussehen. Die Wasserfläche wäre verkleinert, der Schwimmer- und der Nichtschwimmerbereich durch die Insel getrennt. Grafik: Stadt Espelkamp||

Espelkamp Freibadsanierung in Espelkamp: Edelstahlbecken und weniger Wasser

Schwimmbad: Die Stadt, die Stadtwerke und der Waldfreibadverein informierten über Ideen zur Sanierung der Anlage. Ein Aspekt tut den Freunden des Bades weh

Klaus Frensing

Espelkamp. Schwimmer und Nichtschwimmer durch eine Badeinsel getrennt, attraktive Sprunganlage, einladende Sonnendecks am Beckenbereich, ein Nichtschwimmerbereich mit hoher Aufenthaltsqualität und mit Gegenstromkanal, Schaukelgrotte, Massagedüsen, Breitrutsche, Brodelbereich, Sprudelliegen und Nackenschwall sowie ein getrennter Kleinkinderbereich mit Sonnensegel: Das Siegerkonzept für die Sanierung des Espelkamper Waldfreibads hält viele Bonbons bereit. Es hat aus Sicht des Waldfreibadvereins aber auch einen Haken: die Reduzierung der Wasserfläche um rund 70 Prozent Auf diesen Abend hatten viele Espelkamper gewartet. Am Montagabend hatten der Verein "Pro Waldfreibad" und die Stadtwerke AöR zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Im Bürgerhauses wurde das Ergebnis des Vergabeverfahrens zur Sanierung des wohl in ganz Ostwestfalen einzigartigen Waldfreibades erläutert. Dass eine grundlegende Sanierung angesagt ist, darüber bestehen keine zwei Meinungen. Wohl aber darüber, wie dies angegangen werden soll. Und da musste der Waldfreibadverein von seinen ersten, im Jahr 2014 geäußerten Wünschen einige Abstriche machen. Welche Wünsche der Verein für das Waldfreibad hat Vor vier Jahren hatte sich der Vorstand laut dem Vorsitzenden Horst Radtke erstmals ausführlich Gedanken zu einem Konzept gemacht, das Bad weiterzuentwickeln. Man wollte es nicht wie in Bielefeld mit dem Gadderbaumer Freibad zum Bürgerentscheid kommen lassen, sondern gemeinsam mit der Politik anpacken. Anfang 2015 wurde das Ingenieurbüro für Energie- und Umwelttechnik Polyplan mit einer Studie beauftragt, die die Wünsche des Waldfreibadvereins berücksichtigen sollte: den Wiedererkennungswert des Bades mit Kiosk, der charakteristischen Mauer und Beckenform mit Insel und 50 Meter Schwimmbahn sowie die Nutzung der Großspielgeräte. Im folgenden Jahr flossen noch Anregungen durch die Besichtigung des "Freibads des Jahres" in Hänigsen bei Hannover in die Studie ein. Im November 2016 wurde das Papier vorgelegt, das neben 100 Quadratmetern Splashbereich für Spiel und Spaß im Flachwasser, 425 Quadratmeter Nichtschwimmer- sowie 700 Quadratmeter Schwimmerbereich vorsieht. Insgesamt würde die Wasserfläche um 55 Prozent und das Wasservolumen um 67 Prozent reduziert. Die Baukosten wurden auf etwa 3,88 Millionen Euro und die Betriebskosten auf 73.000 Euro pro Jahr geschätzt. Ende 2016 wurde daraufhin ein Arbeitskreis aus AöR, Waldfreibadverein und Politik ins Leben gerufen, der das Vergabeverfahren für ein Konzept für die Sanierung des Waldfreibads und folgende Vorgaben für das Vergabeverfahren entwickelte: Schwimmbecken mit Option Sprungbereich, Nichtschwimmerbecken, Kleinkinderbecken, Gebäude für Badewassertechnik, entsprechend angepasste Freianlage sowie ein Baukostenbudget von 2,85 Millionen Euro und möglichst geringe Betriebskosten. Drei Büros beteiligten sich an der europaweiten Ausschreibung. Mitte August war Abgabeschluss, im September erfolgte die Beratung in Politik und Verwaltung. Alle Bieter hätten ihrem Konzept ein Schwimmbecken von 25 Metern zu Grunde gelegt sowie eine Beckenausführung in Edelstahl, so Klaus Hagemeier, Vorstand AöR. Konzept soll laut AöR nicht in Stein gemeißelt sein Am 26. Oktober erfolgte dann die Zuschlagserteilung, einstimmig votierte der Rat für das Konzept des Architekturbüros Geising & Böker, der das beste Preis-Leistungsverhältnis bei Gesamt-Investitionen von 3,34 Millionen Euro bot. "Dieses Angebot ist als das wirtschaftlichste Angebot aus dem Vergabeverfahren zu benennen", sagte Klaus Hagemeier. Klaus Hagemeier wie Horst Radtke machten aber auch deutlich, dass dieses Konzept nicht in Stein gemeißelt ist. "Der Vorstand des Waldfreibadvereins steht einstimmig hinter dem vorgestellten Konzept einer dringend notwendigen Sanierung mit einer Verkleinerung der Wasserfläche - aber nicht um jeden Preis", betonte Horst Radtke. So müssten die Großspielgeräte wieder ihren Platz finden und auch die Verkleinerung der Wasserfläche um fast 70 Prozent noch einmal überdacht werden. "Eine Wasserfläche von etwa 980 Quadratmetern plus rund 100 Quadratmetern Splash-Bereich für unsere Kleinsten wäre unser Wunsch. Das entspräche einer Reduzierung von 60 Prozent in der Fläche und wäre noch akzeptabel", so der Vereinsvorsitzende. Mit diesen Wünschen sei der Verein in einem Brief bereits im September an Bürgermeister, AöR und alle Ratsmitglieder herangetreten, habe bislang aber noch keine Antwort erhalten. Bislang keine Antwort erhalten Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Reduzierung von 50 auf 25 Metern vielen weh tut - gerade denjenigen, die sich mit viel Engagement und persönlichem Einsatz für den Erhalt des Waldfreibades einsetzten. Bürgermeister wie auch AöR-Vorstand und Vereinsvorsitzender machten aber deutlich, dass die Zeit der 50-Meter-Bahnen vorbei sei. Allein schon aus Kostengründen und angesichts der Besucherzahlen im Waldfreibad - selbst beim diesjährigen Mega-Sommer gab es nur knapp 29.000 Badegäste - komme man an einer Reduzierung der Wasserfläche nicht vorbei. Im Namen wohl aller Waldfreibadfreunde appellierte Horst Radtke an die Entscheider, die Wünsche des Vereins noch in die Planung einfließen zu lassen. Zum Zeitplan erklärte Klaus Hagemeier, dass bis März die Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung als Grundlage für den Förderantrag erarbeitet wird. Der soll im Frühsommer vorgelegt werden. "Weiterer Schritte können erst erfolgen, wenn eine ein positiver Bescheid vorliegt", machte Hagemeier deutlich. "Ohne einen Zuschuss kann die Stadt den Neubau nicht umsetzen", ergänzte Bürgermeister Heinrich Vieker. Stadt und AöR rechnen mit einem Zuschuss in Höhe von 80 Prozent. Falls der Förderantrag noch im nächsten Jahr bewilligt wird, könnte 2020 das Bauvorhaben so vorbereitet werden, dass im Spätsommer nach Ende der Freibadsaison mit der Sanierung begonnen werden könnte. Wenn das Wetter in dem Winter 2020/21 mitspielt, könnte das neue Waldfreibad im Sommer 2021 eröffnet werden. "Das wäre der optimale Verlauf", sagte Klaus Hagemeier.

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