Publikumspreisträger: Moderator, Spitziale-Vorstand und Jury mit Katrin Schuster (vorn, v. l., "Der Junge mit dem Teddy"), Johannes Lörz und Julian Schleier ("Herr Mandrill) sowie Adi Wojaczek und Marlon Heidel ("Es wird besser"). Fotos: Cornelia Müller|| - © Cornelia Müller
Publikumspreisträger: Moderator, Spitziale-Vorstand und Jury mit Katrin Schuster (vorn, v. l., "Der Junge mit dem Teddy"), Johannes Lörz und Julian Schleier ("Herr Mandrill) sowie Adi Wojaczek und Marlon Heidel ("Es wird besser"). Fotos: Cornelia Müller|| | © Cornelia Müller

Espelkamp Espelkamper Spitziale: Kurz und knackig

Zwei Tage lang wurde die Alte Gießerei zum Kinosaal. Gezeigt wurden viele bewegende Kurzfilme, die über das Festival hinaus Stoff zum Nachdenken boten

Cornelia Müller

Espelkamp. Das vierte Espelkamper Kurzfilmfestival "Spitziale" ist vorbei. Zwei Tage lang Kino satt in der Stadt. Drei Programmblöcke mit insgesamt 22 Kurzfilmen, gezeigt auf einer Zehn-Meter-Leinwand. Rund 800 Besucher. Das sind die Zahlen. Hinter den Zahlen stehen Geschichten: 22 aufregende, manchmal lustige, oft sehr nachdenklich machende Geschichten. Erzählt in höchstens 20 Minuten, aber deswegen nicht weniger berührend. Eher im Gegenteil. Und einer der meistgelesenen Sätze in den Vor- und Abspännen der Filme war "Nach einer wahren Begebenheit". Die vierte Spitziale war anders als ihre Vorgängerinnen, nicht nur, weil das Espelkamper Kurzfilmfestival aus dem Elite-Kino in die Alte Gießerei umgezogen ist. Der Platz im Kino mit seiner kuschelig-familiären Atmosphäre, wo das Festival einst groß wurde, hätte nicht mehr ausgereicht, um die Kartennachfrage zu befriedigen. Von Jahr zu Jahr hat das Festival mehr Besucher neugierig auf die Arbeiten junger Filmemacher gemacht, aber auch auf die Filmemacher selbst. Denn das Festival bot - nicht nur bei Netzwerktreff und After-Show-Party - immer auch Gelegenheit, mit den Autoren, Regisseuren und Schauspielern ins Gespräch zu kommen. Die vierte Spitziale war eine sehr ernsthafte, fast düstere Spitziale, die viele heiße Eisen anpackte: Krieg, Abschiebung, sexuellen Missbrauch, Cybermobbing, den Umgang mit einer schweren Krankheit. Wichtige Themen, bei denen die Filmemacher nicht wegschauen wollten oder konnten. "Da war etwas, das raus musste. Etwas musste erzählt werden", beschreibt es Marco Baumhof, der Regisseur von "Querfeldein". Und tatsächlich waren alle Beiträge so gut erzählt und technisch und schauspielerisch so perfekt umgesetzt, dass wiederum das Publikum gar nicht anders konnte, als hinzusehen und zuzuhören. "Kraft der Kurzfilme" Die Jury, zu der diesmal die Schauspielerinnen Michaela May und Paula Schramm, der Kameramann Matthias Lang und die Regisseurin Ute van Assema gehörten, hob deshalb auch die "Kraft der Kurzfilme" besonders hervor und bedankte sich bei den Filmemachern, "dass Sie Ihre bewegenden Geschichten mit uns geteilt haben." Bei so vielen Beiträgen, die "an die Nieren" (Mielke) gehen konnten, war es gut, dass es die Pausen gab, in denen Moderator Sören Eiko Mielke in lockerem Ton spontane Interviews mit den Filmemachern führte. Nicht immer wusste er so ganz genau, was er da tat - das dafür aber immer sehr unterhaltsam. Außerdem konnten sich die Zuschauer in dieser Zeit schon einmal Gedanken machen, welcher Beitrag ihnen bisher am besten gefallen hatte. Denn am Ende jedes Programmblocks durfte wieder über die Publikumspreise abgestimmt werden. Keine einfache Wahl angesichts der hohen Qualität aller Filme, sodass manch einer mit dem Stoßseufzer vor den Wahlurnen stand: "Ich bräuchte jetzt eigentlich zwei Jetons." Besonders bemerkenswert war der Publikumspreis für den Film "Der Junge mit dem Teddy", dessen Regisseur, Autor und Darsteller Alessandro Schuster - Krimifans bekannt aus dem Dresdner Tatort - gerade 16 Jahre alt ist und neben seiner Schauspielkarriere noch zur Schule geht. Den Preis nahm deshalb seine Mutter Katrin für ihn entgegen: "Ich habe ihm schon ganz viele Bilder geschickt und ihm von hier vorgeschwärmt. Jetzt muss er schnell die Schule fertigmachen, damit er wieder einen Film drehen kann und wir wiederkommen können", sagte sie glücklich. In der Publikumsgunst ganz vorn Ebenfalls in der Publikumsgunst ganz vorn und zudem von der Jury mit dem Spitz in Silber ausgezeichnet war "Es wird besser", der mit zwei herausragenden Hauptdarstellern (Ursula Strauss, Marlon Heidel) aufwartete und bei dem Stephan Fröhlich, Gründer des Kurzfilmfestivals und Vorsitzender des Spitziale-Vereins, hinter der Kamera gestanden hatte. Der zwölfjährige Marlon Heidel gehörte eindeutig zu den großen Sympathieträgern der Spitziale, die sich immer mehr zur Startrampe für vielversprechende Talente entwickelt. Eines aber bleibt anzumerken: Egal wie verdient die Auszeichnungen für "Es wird besser" waren, der auch in Los Angeles gerade sehr erfolgreich gelaufen ist: Stephan Fröhlich wäre gut beraten, in Zukunft keine Filme mehr im Wettbewerb zu zeigen, an denen er selbst mitgewirkt hat. Nur, damit gar nicht erst Missverständnisse aufkommen. Denn das wäre wirklich nicht gut für ein Festival, das man sich aus Espelkamp nicht wieder wegdenken möchte.

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