Espelkamp/Rahden/Stemwede Schnelles Internet hinkt hinterher

Das Warten geht weiter: Der für 2018 in Aussicht gestellte Breitbandausbau verzögert sich weiter. Das beeinträchtigt nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe in Espelkamp, Rahden und Stemwede, sondern wird wohl auch weitere Kosten verursachen

Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp/Rahden/Stemwede. Die Bagger hätten schon längst rollen sollen, um bis Ende des Jahres den Bürgern in allen Städten und Gemeinden im Kreis Minden-Lübbecke Zugang zum schnellen Internet zu ermöglichen. Aber aus diesem Zeitplan wird nichts. Die Ergebnisse der ersten Ausschreibung für den Breitband-Ausbau in den unterversorgten Gebieten waren offenbar nicht gut, nun lief eine zweite Ausschreibung. Der Unmut über das in Teilen extrem langsame Internet ist groß. Der Kreis hatte sich mit Erfolg um eine Förderung des Breitband-Ausbaus durch Bund und Land beworben. Ob diese 90-Prozent-Förderung in Gefahr ist angesichts der beträchtlichen Verzögerung bei den Vorbereitungen zum Breitband-Ausbau - das interessierte auch die Bürger beim Dorfgespräch in Varl. Wegen des laufenden Verfahrens könne er nichts dazu sagen, merkte Rahdens Bürgermeister Bert Honsel an. Ein Wegfall der Förderung wäre der "worst case, dann wäre Holland in Not". Die Stadt hoffe, dass es in Kürze in Rahden positiv weitergehe, sagte Bau-Fachbereichsleiter Dieter Drunagel. "Wir tun alles für den schnellen Ausbau." Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat ist zuversichtlich, dass es in Kürze ein Ergebnis gibt. Über allem stehe "schnelles Internet" und das bedeute nicht nur schnelles Surfen, sondern auch einen schnellen Ausbau. Würde es wider Erwarten aus welchen Gründen auch immer nichts mit dem Masterplan des Kreises, dann würde die Gemeinde Stemwede nicht einfach warten, "sondern im Interesse der Bürger anpacken". Es gehe um die Standortsicherung, die Lebensqualität der Bürger, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und die Werthaltigkeit von Immobilien. Ob sich die Gemeinde im Fall des Falles mit den Nachbarn zusammentun würde? "Wir würden ohne Denkverbote alternative Varianten durchsprechen", sagte Abruszat. Der Breitband-Ausbau komme, es sei nur fraglich wann und zu welchem Preis, so Rahdens Bürgermeister während des Dorfgesprächs in Varl. Warum die Stadt den Ausbau nicht selbst mache, wollte ein Varler wissen. Manche Kommunen täten das, merkte Bert Honsel an. Eine andere Kommune habe Rahden gefragt, ob man das zu zweit machen könnte. Honsel: "Aber noch läuft das Verfahren." Das aber werde nicht mehr allzu lange dauern, hofft er. "Eventuell maximal ein Vierteljahr." Die Gemeinde Stemwede hat für den Breitband-Ausbau einen Eigenanteil von rund 700.000 Euro eingestellt, die Stadt Rahden knapp 690.000 Euro. Zum Eigenanteil der Stadt Espelkamp möchte sich Günter Segelhorst von der Stadtverwaltung nicht äußern. Die alten Beträge passten nicht mehr, hat er die neue Ausschreibung im Blick. In Espelkamp sind nach Angaben von Stadtsprecher Torsten Siemon weite Teile von Frotheim, Gestringen, Fabbenstedt, Fiestel und Schmalge sowie ein Teil im Osten Isenstedts unterversorgt. Insgesamt sind hier rund 3.350 Haushalte und Betriebe betroffen. In Stemwede haben rund 2.310 Häuser und Betriebe kein schnelles Internet, in Rahden sind es 1.434 Häuser und Betriebe. Es gebe Probleme bei der Ausschreibung, für einige weiße Flecke habe es kein Angebot gegeben, sagten Dieter Drunagel und Bert Honsel. "Wir haben einmal gesagt, dass wir 2018 im digitalen Schlaraffenland leben. Aber mitnichten."

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